17. März 2019, 19:53 Uhr

Fantastische Reise

17. März 2019, 19:53 Uhr

Eine Reise zu den verborgensten Orten der Fantasie boten die »Twiolins« in ihrem Programm »Secret Places« am Freitag im Rahmen der Licher Kulturtage. Das Geigenduo Marie-Luise und Christoph Dingler (Mannheim) überraschte im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge mit einem ebenso ungewöhnlichen wie vielfältigen und makellosen Konzert auf handwerklich höchstem Niveau. Schon der erste Titel zeigte, dass dies ein besonderer Abend wird. Die Geschwister (laut Marie-Luise »keine Zwillinge«) musizieren seit ihrem zwölften Lebensjahr.

Im Opener »Metamorphosis« erlebt man einen angerockten Popschwung mit klaren Dynamikwellen, definitiv tanzbar. Und das von einem Geigenduo. Draußen ist es kalt, drinnen ist es kühl. Aber im Publikum herrscht eine deutliche Spannung. »The Twiolins« laden ihre Zuhörer zu einer Entdeckungsreise »tief ins Innere ihrer Fantasie« ein. Das klingt hochinteressant und eher behaglich, auf der Bühne steht keinerlei Elektronik. Dann kommt das erste Glanzlicht: ein Titel aus den Karpaten, mit einem naturartigen Zupf-Intro, das poetisch und narrativ ist, mit einem progressiven folkloristischen Schwung. Die charakteristischen Aspekte der Region sind ganz deutlich erkennbar. Das Repertoire ist ungewöhnlich, es sind eigens für dieses Duo geschaffene Kompositionen. Diese stammen aus einem 2009 von ihnen gegründeten Kompositionswettbewerb, um das Repertoire für zwei Violinen zu vergrößern und weiterzuentwickeln.

Ungewöhnliche Klang und Stilvielfalt

»Makanada« (»der große Klang«), ein Raga, ist das nächste Stück. Der Klang und der Duktus ähneln der Sitar. Es gibt zahlreiche Glissandi, und das Ganze wirkt typisch indisch. Bis plötzlich tänzerische europäische Klangelemente das indische Fluidum ergänzen. Alles fließt in diesem Titel, der eine ungewöhnliche Klang- und Stilvielfalt besitzt.

Marie-Luise und Christoph Dingler haben in ihrer intuitiven Vertrautheit eine enorme Dichte des Zusammenspiels erreicht. So verschmelzen die Instrumente zu einem einzigen, oft ziemlich großen Klang, aus dem mal rhythmische, mal melodische Elemente hervorgehen, die in der herausragenden Geschlossenheit des Zusammenspiele eine seltene Klarheit erreichen. Ihre Kooperation ist wunderbar, besonders in den leisen Phasen, wenn sich die Dinglers bis an die Grenze zum Tonabriss vorwagen und nicht selten einen Titel in die Stille des Raums hinein ausschwingen lassen. In dieser eindeutig gesetzten kurzen Zeit kommen die hochkonzentrierten Zuhörer dazu, aus der Musik wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren.

Das Repertoire des Duos ist umfangreich und enorm variabel. In diesem kraftvollen Klangstrom wiederholt sich nichts, wobei Rockmusikelemente auch offiziell in einer Komposition dominieren. Das Hauptmerkmal ist dabei ihre souveräne, überaus sensible und intuitive Zusammenarbeit, die sie auch Erkundungen der Grenzen des Instruments mit schönster Präzision realisieren lässt, bis in die zartesten Regionen des Violinenspektrums. Ihre Musizierlust steckt die Zuhörer sofort an und lässt sie innerlich aktiv teilnehmen. Erstaunlich, wie schnell die Zeit in diesem Konzert vergeht.

Als Zugabe nach sehr langem Applaus hört man eine eigene Bearbeitung des Sommers aus Vivaldis »Vier Jahreszeiten«, der hier sehr heftig bewegt ausfällt. Die Musik des Duos ist so apart wie sein Name. Den wird man sich merken. (usw/Foto: usw)

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