26. November 2018, 21:33 Uhr

Feinfühlig und dramatisch

26. November 2018, 21:33 Uhr
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Von Sascha Jouini
Jean-Sélim Abdelmoula, Mikhail Pochekin und Anastasia Kobekina (v.l.) freuen sich über den starken Beifall. (Foto: jou)

Vorzüglich geriet der Auftakt der Wettenberger Winterkonzerte am Sonntag in der gut gefüllten evangelischen Kirche zu Wißmar. Eine Programmänderung machte das Ganze sogar noch interessanter: Hatten Mikhail Pochekin (Violine), Anastasia Kobekina (Cello) und Jean-Sélim Abdelmoula (Klavier) ursprünglich einen reinen Beethoven-Abend geplant, so setzte nun Johannes Brahms’ Cellosonate op. 99 F-Dur ein opulentes romantisches Gegengewicht.

Gleich zu Beginn ein Prüfstein: Beethovens umfangreiche c-Moll-Violinsonate op. 30 Nr. 2 gilt als schwierig aufzuführen. Pochekin und Abdelmoula demonstrierten eindrucksvoll, dass sie den immensen technischen wie gestalterischen Anforderungen gewachsen waren. Beim Klavierpart gefiel neben dem trockenen Klangbild die große dynamische Bandbreite. Beide Künstler artikulierten im Kopfsatz sehr klar und verliehen der Musik ein hohes Maß an geistiger Spontaneität.

Befreite Musik im Presto-Finale

Ansprechend thematische Kontraste betonend, fesselte ihr lebhafter Vortrag bis hin zur Durchführung. Überraschende Wendungen zwangen zum wachen Hinhören. Im sehnsuchtsvollen »Adagio cantabile« ergaben sich bezaubernde Dialoge zwischen den Instrumenten. Das Duo achtete auf Weitläufigkeit und traf feinfühlig die besinnlichen Züge. Dominiert von spielerischer Leichtigkeit, sorgten beim Scherzo wohldosierte Akzente für Prägnanz. Die Musizierfreude begeisterte bis hin zum Allegro-Finale restlos.

In eine von Leidenschaft erfüllte Sphäre führte danach die Brahms-Sonate. Kobekina gab im ersten Satz den ganzen Bogen dran und erspürte gemeinsam mit Abdelmoula inspiriert die packende Dramatik. Die Interpretation wirkte satt koloriert, lotete dabei musikalische Extreme aus, ohne zu überzeichnen. Ein emotional vielschichtiges Erlebnis bescherte der zweite Satz – ergreifende seelische Abgründe taten sich hier auf. Virtuos auf den Punkt brachte das Duo die Hitzigkeit beim anschließenden »Allegro passionato«; fulminant der Schlusssatz.

Nach der Pause agierte das Ensemble vereint bei Beethovens Trio op. 70 Nr. 1 D-Dur. Bereits bei der eröffnenden Unisono-Geste deutete sich an, welch schwungvoll-geradlinige Richtung eingeschlagen werden sollte. Wie bei der Violinsonate wirkte das Spiel formal anschaulich. Einen Höhepunkt des Konzerts markierte das tiefgründige Largo mit sensibel eingefangenen Gemütszuständen zwischen Melancholie und seelischer Zerrissenheit. Das dürfte niemanden unberührt gelassen haben. Unterbrochen durch Momente beschaulichen Innehaltens, strömte die Musik im Presto-Finale wie befreit dahin und rundete das Vergnügen ab. Mit kräftigem Applaus gaben die Hörer ihrer Begeisterung Ausdruck – viele werden gewiss zu den weiteren Winterkonzerten wiederkommen.



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