16. Juni 2017, 16:01 Uhr

Feuerwehr-Streit

Feuerwehr Albach hat Pause bis Jahresende

Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Albach bleibt bis Jahresende außer Dienst. Außerdem hat der Gemeindevorstand zwei Mitglieder ausgeschlossen. Nun ruhen die Hoffnungen auf einem einzigen Mann.
16. Juni 2017, 16:01 Uhr
Die Feuerwehr Albach bei einem Einsatz auf derr B457. (Foto: Archiv)

Alle Hoffnungen ruhen auf Martin Lutz. Der Geschäftsführer der FeuerwehrAgentur Gießen soll als Mediator helfen, den Konflikt um die Feuerwehr Albach zu lösen. Der hat am Mittwochabend durch drei Beschlüsse des Gemeindevorstands neue Nahrung bekommen. 1. Friedhelm Langsdorf und Florian Blaukat, die Vorsitzenden des Albacher Feuerwehrvereins, wurden aus der Einsatzabteilung ausgeschlossen. 2. Wegen Formfehlern werden die Wahlen zu einer neuen Wehrführung nicht anerkannt. 3. Bis Jahresende bleibt die Albacher Einsatzabteilung außer Dienst.

»Man wird die Zeit wohl brauchen«, sagte Bürgermeister Stefan Bechthold, der am Freitagmorgen in einer Pressekonferenz über die Beschlüsse des Gemeindevorstands informierte. Schon in der kommenden Woche soll der Mediator seine Arbeit aufnehmen, und der Bürgermeister hofft, dass »das Ganze zur Ruhe kommt.«

Auslöser des Konflikts war die Alarm- und Ausrückeordnung der Gemeinde Fernwald. Weil die keine Einsätze der Albacher Wehr bei Unfällen auf der B 457 vorsah, hatte der 2. Vorsitzende Florian Blaukat im Februar in der Jahreshauptversammlung den Rücktritt von Gemeindebrandinspektor Jens Richmann gefordert. Seither ist der Streit immer weiter eskaliert.

 

Bürgermeister zeigt sich schmallippig

 

»Um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen«, zeigte sich der Bürgermeister in der Pressekonferenz, an der auch Richmann und die beiden Amtsleiter Peter Berger und Mathias Wießner teilnahmen, betont schmallippig. So sprach er lediglich davon, dass der Gemeindevorstand »zwei Leute« aus der Feuerwehr Fernwald ausgeschlossen habe und wollte noch nicht einmal bestätigten, dass es sich um Langsdorf und Blaukat handelt.

Das liegt aber auf der Hand und wurde von Blaukat auf Anfrage auch bestätigt: »Ich habe den Beschluss zwar noch nicht gesehen, aber davon gehört.« Hinnehmen wollen die beiden Geschassten den Ausschluss nicht. Er werde Widerspruch gegen den Beschluss des Gemeindevorstands einlegen«, kündigte Blaukat an. Auch sein Kollege Langsdorf wolle diesen Schritt gehen.

Ich gehe davon aus, dass ich noch immer Mitglied der Feuerwehr sein werde, wenn von Herrn Bechthold schon lange niemand mehr redet

Florian Blaukat

»Wir werden vom selben Anwalt vertreten«, sagte Blaukat. Dass die Vorwürfe gegen ihn unzutreffend seien, habe er schon mehrfach dargelegt. Bechthold habe sich nur durchgesetzt, weil er eine Mehrheit im Gemeindevorstand hinter sich habe. Blaukat zeigte sich im Gespräch kämpferisch: »Ich gehe davon aus, dass ich noch immer Mitglied der Feuerwehr sein werde, wenn von Herrn Bechthold schon lange niemand mehr redet.«

Ob sich auch Eckhard Hilberg und Kevin Schmitt gegen den Beschluss des Gemeindevorstands wehren werden, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen. Beide waren Ende Mai von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu neuen Wehrführern gewählt worden; ihre Wahl wird nun nicht anerkannt. Wegen »Formfehlern«, wie Bechthold sagte, ohne diese näher zu erläutern. Hilberg war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Kevin Schmitt wollte sich nicht äußern: »Ich kenne den Beschluss nicht und kann deshalb dazu nichts sagen.«

 

Schicksal von Gemeindebrandinspektor noch unklar

 

Bürgermeister Bechthold bedankte sich ausdrücklich bei Kreisbrandinspektor Mario Binsch und Michael Klier, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands, für ihre Unterstützung in den vergangenen Monaten. Bedauerlicherweise seien sie, ebenso wie Feuerwehren anderer Ortsteile und anderer Gemeinden, in den Konflikt mit hereingezogen worden. Gewinnen könne hier niemand mehr. Bechthold: »Überall wird man auf den Streit angesprochen. Der Ruf von Fernwald hat gelitten.«

Der Bürgermeister betonte ausdrücklich, dass der Konflikt lediglich die Albacher Einsatzabteilung berührt. »Die Veranstaltungen der Mini- und der Jugendfeuerwehr finden weiter statt.« Und auch die Albacher Wehrleute könnten, wenn sie wollen, weiter an Übungen teilnehmen – in Steinbach oder Annerod. »In Einzelfällen wird das Angebot auch wahrgenommen.«

Noch nicht entschieden hat der Gemeindevorstand über einen Ausschluss von Gemeindebrandinspektor Jens Richmann. Einen entsprechenden Antrag hatten Langsdorf und Blaukat im März gestellt, nachdem ihnen selbst mit dem Rauswurf aus der Einsatzabteilung gedroht worden war. Dieses Verfahren befindet sich laut Bechthold »noch im Geschäftsgang.«

Meinung

Zwischenruf: Konsequenzen bedenken

Der Mediator, der den Konflikt um die Albacher Feuerwehr lösen soll, ist nicht zu beneiden. In den vergangenen vier Monaten ist soviel Porzellan zerdeppert worden, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es zu kitten ist. Die Streitparteien sollten sich aber gut überlegen, ob sie nicht doch aufeinander zugehen wollen. Andernfalls nämlich würde es auf absehbare Zeit in Albach keine Einsatzabteilung mehr geben. (Von Ulla Sommerlad)

 

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