17. Mai 2019, 21:51 Uhr

Finale in der Kleiderkammer

17. Mai 2019, 21:51 Uhr
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Von Ursula Sommerlad
Alles muss raus: Die Hungener Flüchtlingshilfe schließt ihre Kleiderkammer. (Foto: us)

Mit zwei Kartons voller Haushaltswäsche verlässt das junge Paar das Haus in der Kaiserstraße 5. Eine Spende von drei Euro haben die beiden dafür gezahlt. »Heute ist alles billig«, freuen sie sich. Stimmt, denn in der Kleiderkammer der Hungener Flüchtlingshilfe ist Ausverkauf. Weil der Bedarf mit der Zeit immer weiter gesunken ist, wird die ehrenamtlich betriebene Einrichtung geschlossen. In den Trubel beim finalen Flohmarkt mischt sich eine gehörige Portion Wehmut. »Hier steckt wirklich Herzblut drin«, sagt Sabine Nickel. Die Gemeindepädagogin hat mit Flüchtlingsbetreuerin Karen Mekhzoum die freiwilligen Helferinnen in ihrer Arbeit unterstützt.

Begonnen hatte alles im Herbst 2015, als so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Auch nach Hungen. Nickel erinnert sich, dass anfangs Kleiderspenden im Kulturzentrum ausgegeben wurden. Später stellte die Stadt dann die Räume neben dem Rathaus für die Kleiderkammer zur Verfügung. Jeden Donnerstag konnten sich hier geflüchtete Menschen mit dem Notwendigsten versorgen. Längst nicht nur mit Kleidern. Auch Kinderwagen, Ranzen, Koffer, Geschirr, Bettwäsche oder Kinderspiele stapeln sich in der Diele und den beiden angrenzenden Zimmern auf Tischen und in Regalen. »Richtig gute Sachen sind darunter«, erzählt Nickel.

Besonders großen Zuspruch fand die Kleiderkammer, als die Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften aus- und in eigene Wohnungen einzogen. Vor allem Hausrat war gefragt. Oder Federbetten. »Die waren immer ganz schnell weg«, weiß die Gemeindepädagogin. Abgegeben wurden die Sachen gegen eine kleine Spende. Das auf diese Weise eingenommene Geld floss auf direktem Wege wieder der Flüchtlingshilfe zu. Theaterbesuche für Kinder, Sprachkurse oder Unterrichtsmaterial konnten finanziert werden. Dafür nahmen die Ehrenamtlichen einige Arbeit in Kauf, schließlich mussten die Sachspenden nicht nur ausgegeben, sondern vorher auch eingesammelt, gesichtet, sortiert und übersichtlich präsentiert werden. Jetzt, wo der Bedarf gesunken ist, rentiert sich der Aufwand nicht mehr. »Eigentlich schade«, findet Nickel. Die Kleiderkammer sei nämlich auch ein beliebter Treffpunkt gewesen.

Der Flohmarkt in der Kleiderkammer in der Kaiserstraße 5 ist auch am heutigen Samstag noch von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Alle Interessierten können hier gegen einen kleinen Obolus auf Schnäppchenjagd gehen. Die Helfer bitten darum, künftig keine Sachspenden mehr vor dem Eingang abzustellen.



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