16. März 2018, 10:00 Uhr

Gesund aufwachsen

»Fit für Kids«: So werden Eltern in Laubach und Grünberg trainiert

Wichtig für ein gesundes Aufwachsen sind Ernährung und Hygiene. Wichtig ist aber auch, dass die kindliche Seele unversehrt bleibt. Hilfen für Eltern bietet das Beratungszentrum Laubach/Grünberg.
16. März 2018, 10:00 Uhr
Wenn Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, leiden darunter auch die Kleinen. Hilfestellung gibt es für die Erwachsenen im Beratungszentrum Laubach und Grünberg. (Symbolfoto: Fotolia/Scott Griessel)

Hauptsache gesund

Die Gesundheit steht für die meisten von uns an erster Stelle der Prioritätenliste. In unserer Serie »Hauptsache gesund« stellen wir Ideen und Projekte für einen gesunden Lebensstil vor.

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»Geht es den Eltern gut, geht es meist auch den Kindern gut.« Ein Satz, den Sybilla Bansen bedenkenlos unterschreibt. Die Sozialpädagogin leitet den Kurs »Fit für Kids«, den das Beratungszentrum (BZ) in Trägerschaft des Vereins für psychosoziale Therapie anbietet. Gewissermaßen ein »Elterntraining«.

Die Teilnehmer, meist zwischen 20 und 30 Jahre alt, haben nicht selten eine »problematische Biografie«. Sei es eine Kindheit, in der Gewalt als probates Erziehungsmittel erlitten wurde. Sei es die komplexe Familiensituation, sind die Frauen doch häufig alleinerziehend. Der auf zehn Einheiten verteilte Kurs wird finanziert vom Kreis, zu den Kooperationspartnern des BZ zählen Kinderschutzbund und Diakonie.

 

Auch Stresssituationen meistern

Vordringliches Ziel, sagt Sybilla Bansen, ist es, Väter und Mütter in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Auf dass es eben selbst in Stresssituationen nicht zu psychischer oder physischer Gewalt gegen Kinder kommt. Auf dass sie in einem Umfeld aufwachsen, das Grund-und Selbstvertrauen, Halt, Geliebtwerden vermittelt. Die Eltern dafür zu sensibilisieren, sei eine »wichtige Botschaft«. Werde die nicht gehört, droht das, was Bansen ein »Loch in der Seele des Kindes« nennt.

Das »Training« fängt bei banalen Alltagssituationen an. Die Sozialpädagogin nennt Beispiele, die allen Eltern allzu gut bekannt sein dürften: Wie damit umgehen, wenn der Knirps sich nicht anziehen will? Was tun, wenn er an der Supermarktkasse den Aufstand probt? Situationen, in denen Eskalation droht. Zumal wenn es der Mutter oder dem Vater an einem »Modell« fehlt. Heißt, wenn es am Vorbild der eigenen Erziehung mangelt.

 

Auch Grundlegendes nicht bei jedem im Blut

Was also tun, wenn mich die Wut packt? Wie kann ich Grenzen setzen? Wie organisiere ich den Alltag besser? Antworten vermittelt »Fit für Kids«. Dazu gehören zunächst die »Basics«. Also das Erkennen der Grundbedürfnisse des Kindes, wie Essen, Hygiene, emotionale Zuwendung. Erzieherisches Grundwissen sozusagen, wozu auch gehört, auf den Nachwuchs eingehen, seine Signale richtig deuten zu können – Fertigkeiten, die oft intuitiv angelegt sind. Doch eben nicht immer.

Auf dem »Trainingsplan« stehen ferner Themen wie »Kommunikation«, »Wertevermittlung«. Oder »Grenzen setzen«: Nicht zu lange diskutieren, freundlich, aber konsequent bleiben, lautet hier der Rat.

Gerade mit Blick auf den präventiven Ansatz eine wichtige Einheit – auch schon mal im Rollenspiel geübt – ist der »Umgang mit Konflikten«. Wie entschärfe ich brenzlige Situationen, wo ist der »Notausgang« für meine Wut? Bansen gibt den meist jungen Frauen Tipps wie diese: Etwa dass es wenig ratsam ist, ein hungriges Kind zum Einkauf mitzunehmen. Oder den Rat, den Streit um den Schokoriegel vorm Essen zu entschärfen, indem man zwei Alternativen anbietet. Oder es mal mit der Frage zu konfrontieren: »Und was machen wir jetzt?«

 

Kein Schaden für Kinder aus Überforderung der Eltern

Die Bedürfnisse des Kindes sind das eine. Nicht minder wichtig für gesundes Aufwachsen und eine »in der Regel geräuschlose Entwicklung«, sind die der Eltern. Diese nicht zu missachten, auch das lernt man bei »Fit für Kids«.

Dass das Organisieren von Hilfe für diese Klientel – oft ohne Partner, ohne soziale Unterstützung, nicht selten vom Jugendamt geschickt – schwerfällt, ist aber klar. Letztlich geht es um Prävention, darum zu vermeiden, dass aus einer Überforderung der Eltern ein psychischer und/oder physischer Schaden fürs Kind erwächst.

 

Auch Babys richtig verstehen

»Mein Baby verstehen« heißt ein weiterer Kurs des BZ. Väter wie Mütter werden dazu auch hier praktische Tipps vermittelt. Vor allem geht es darum, Signale und Mitteilungen des Kleinkindes richtig zu verstehen. Und darum, zuverlässig auf die mitgeteilten Bedürfnisse zu reagieren, damit Babys eine sichere Bindung zur Mutter aufbauen und Halt erfahren, was ja als Grundlage für eine gesunde kindliche Entwicklung und ein gutes Zurechtkommen im späteren Leben zu sehen ist.

Wie wichtig es ist, diese Signale richtig zu interpretieren, dafür mag dieses Beispiel stehen: Im ersten Jahr sind Kinder intellektuell überhaupt nicht in der Lage, ihr Gegenüber zu ärgern; wenn sie also schreien, dann aus anderen Gründen. Gerade in Stresssituationen aber kommt es schon mal vor, dass Eltern dies missverstehen.

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