03. März 2019, 18:05 Uhr

Landwirtschaft

Fleisch, Wurst und Eier aus Hungen: Nicht bio, aber regional

Ingo und Jasmin Schmalz haben auf ihrem Bauernhof in Hungen das Tierwohl fest im Blick. »Nicht bio, aber regional« lautet ihre Devise.
03. März 2019, 18:05 Uhr
Das Wohl der Tiere liegt ihnen am Herzen: Ingo und Jasmin Schmalz haben ihren Betrieb breit aufgestellt und setzen auf Regionalität. (Foto: us)

Ingo Schmalz hat es als Jugendlicher mal mit einem Praktikum als Maschinenschlosser probiert. Doch das war nichts für ihn. »Ich bin mit sechs Jahren schon Schlepper gefahren«, erzählt er. »Für mich gab es nie etwas anderes als Landwirtschaft.« Und Landwirt ist der Hungener auch geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Jasmin bewirtschaftet er den Aussiedlerhof an der Tiergartenstraße, den er von seinen Eltern übernommen hat. Der Vater war angesichts der Berufswahle des Sohnes skeptisch, aber Ingo Schmalz hat seine Entscheidung nicht bereut. »Die Arbeitsstunden darf man nicht zählen«, sagt er. »Aber es macht unheimlich viel Spaß.«

Die Familie Schmalz bewirtschaftet 280 Hektar. Sie betreibt Ackerbau, hält 750 Legehennen, 200 Mastschweine und seit Ende 2018 auch Masthähnchen. Bekannt ist der Betrieb nicht zuletzt durch sein Tiergartenlädchen. Freitagnachmittags und Samstagmorgens stehen die Leute vor dem gerade mal elf Quadratmeter großen Hofladen häufig Schlange, so begehrt sind Fleisch, Wurst und Eier aus eigener Produktion. »Nicht bio, aber regional« – so beschreibt Ingo Schmalz seine Strategie. Und seine Frau ergänzt: »Wir wollten nicht für den Lkw produzieren.«

Den Tieren bleiben weite Transporte erspart

Lange Transporte bleiben den Schweinen erspart.
Lange Transporte bleiben den Schweinen erspart.

Das tut die Familie Schmalz auch nicht. Ihren Tieren bleiben weite Transporte erspart, sie verbringen ihr ganzes Leben in Hungen. Die Schweine zum Beispiel stammen aus einem Ferkelbetrieb in Bellersheim. Gemästet werden sie im Schmalz’schen Stall, etwa zehn Stück werden Woche für Woche in einem kleinen Schlachthaus mit EU-Zulassung in Villingen geschlachtet. Acht nimmt der Limes-Metzger aus dem Hungener Rewe-Markt ab. Fleisch und Wurst der beiden anderen bietet Jasmin Schmalz im Tiergartenlädchen an.

»Wir sind froh, wenn es bis Samstag reicht«, erzählt ihr Mann und schwärmt: »Unser Metzger macht den weltbesten Kochschinken.« Er ist überzeugt, dass man vor Ort die sichersten Erzeugungsmöglichkeiten habe. »Wir mischen das Futter für die Tiere selbst. Wir wissen, was drin ist.« Auch deshalb sei es wichtig, die kurzen Wege zu erhalten. »Ich sage den Kunden immer: Ihr müsst nicht bei uns kaufen. Aber ihr müsst vor Ort kaufen.«

Die Legehennen sind das Markenzeichen

Markenzeichen des Schmalz’schen Hofs sind die 750 Legehennen. Sie leben in drei Hühnermobilen, werden alle zwei Wochen umgestellt und sind tagsüber im Freien. Wer von Hungen Richtung Villingen fährt, sieht sie sofort. Hahn Hansi postet sogar auf Facebook. Die bis zu 700 Eier, die die Hennen täglich legen, werden nicht nur im Hofladen, sondern auch rund um die Uhr über die Eierklappe vermarktet. »Während des Fibronil-Skandals mussten wir sie sogar rationieren«, erzählt Jasmin Schmalz, die ihren Mann schon seit der Schulzeit kennt. Von Haus aus hatte sie übrigens mit Landwirtschaft nichts zu tun. Sie ist Fremdsprachensekretärin und hat auch nach der Heirat weiter in Frankfurt gearbeitet. »Ich wollte sie immer vom Hof fernhalten,« erzählt ihr Mann. Das hat letztlich nicht geklappt. Nach der Geburt des dritten Kindes eröffnete Jasmin Schmalz 2015 das Tiergartenlädchen, in dem sie neben Fleisch, Wurst und Eiern aus eigener Produktion auch Kartoffeln aus Röthges, Bauernhof-Eis aus Eberstadt und Nudeln anbietet, die zwei Lohnbetriebe aus Schmalz’schen Junghennen-Eiern herstellen.

Ich sage den Kunden immer: Ihr müsst nicht bei uns kaufen. Aber ihr müsst vor Ort kaufen

Ingo Schmalz

Das aktuelle Projekt der Eheleute ist der Bau eines Tierwohl-Stalls für die Schweine. »Der ist komplett offen, und die Tiere können raus auf eine eingestreute Fläche«, erzählt Ingo Schmalz. Bis 2020 soll er Wirklichkeit werden. Der Landwirt freut sich schon darauf. »Dann wird man auf der einen Seite des Hofs die Hühner und auf der anderen Seite die Schweine sehen können.«

Verständnis für die Landwirtschaft zu wecken, ist ihm ein großes Anliegen. Die Leute wüssten immer weniger, bedauert er und möchte das gerne ändern. »Das geht aber nur, indem man miteinander redet«, sagt er. Schulklassen, Kindergärten oder auch Ferienspielkinder sind deshalb bei Familie Schmalz gern gesehen, und erst neulich hat auch der NABU Horlofftal den Hof besucht.

Der 41-Jährige ist froh, dass er seinen Betrieb so breit aufgestellt hat. Ohne Unterstützung der Familie wäre das aber nicht gegangen. Seine Eltern, die in Rente sind, packen weiter mit an. Außerdem gibt es einen Auszubildenden sowie Aushilfen für den Laden und in der Erntezeit. »Es ist viel Arbeit, aber man weiß, wofür man es macht«, sagt Jasmin Schmalz. Der Betrieb sei zukunftsfähig. »Er könnte die Kinder aufnehmen, wenn sie es denn wollen.«

Ganz ausgeschlossen ist das nicht. Neulich, an ihrem elften Geburtstag, hat die Älteste ihrem Vater eröffnet, dass sie später mal Landwirtin werden will. Ingo Schmalz lächelt, wenn er davon erzählt: »Da wird mir jetzt noch ganz warm ums Herz.« Auch wenn er die Aussichten in der Landwirtschaft allgemein nicht für die besten hält: Für seinen Betrieb ist er zuversichtlich. (Fotos: us)

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