02. Mai 2019, 22:06 Uhr

Frisch getrennt, glücklich alleine

02. Mai 2019, 22:06 Uhr
Nur sehr selten tritt Tess Wiley (vorne) in dieser Formation auf. (Foto: nab)

Nur wenige Sitzplätze blieben frei, als am Dienstagabend Tess Wiley zu Gast im Kino Traumstern war. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin, die seit vielen Jahren in Gießen lebt, flutete mit ihrer Power-Musik den Kinosaal und präsentierte ihre neue CD »Femme Sole«.

Und das war selbst für die Musikerin aufregend und überwältigend, denn in dieser Formation spielt sie höchstens einmal im Jahr: Mit Tim Potzas an Gitarre, Pedal Steel und Dobro, Christian Weiss am Bass, Thorsten Hannig am Schlagzeug und Miriam Adameit als Backgroundsängerin.

Das neue Album hat sie geschrieben als sie frisch getrennt war, berichtet Wiley. Sie war in England und hörte dort vom »Femme Sole«, einer gesetzlichen Anerkennung aus dem 16. Jahrhundert, die einer Frau das Recht gab, über ihren eigenen Besitz zu verfügen. Sie musste schwer errungen werden und war eine frühe Form des Feminismus. Das Thema fand Wiley passend für ihr Leben, und sie begann, die Lieder zu entwerfen. Von der verheirateten Frau bis zur glücklich-alleinstehenden Frau arbeitet sie inhaltlich verschiedene Bereiche ab. Man hört sie ganz alleine auf dem Album, sie singt und spielt Gitarre, aber auch die anderen Instrumente wie Klavier und Geige steuert sie selbst dazu.

Zwischen Folk und Country

Dass sie eine begnadete Songwriterin ist, bewies sie mit ihren Liedern mehr als einmal. Egal ob langsam-melancholisch oder kräftig mit Energie gesungen, ihre unvergleichliche Stimme verlor bis auf die hinteren Sitzplätze im Kinosaal nichts an ihrer Kraft. Denn Wiley, die hauptsächlich in Texas aufwuchs, hat ihr Handwerk sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. Ihre Mutter ist Autorin, ihr Vater Grammy-prämierter Musiker. Wiley selbst gehörte der international erfolgreichen Band Sixpence None The Richer an und spielt jetzt regelmäßig mit Stoppok. Ihren Songs hört man ihre Herkunft an, denn stilistisch bewegt sich die Musikerin irgendwo zwischen Folk und Country. Als Gute-Laune-Lied präsentierte sie ihren Titel »Hestia«, das in Anlehnung an die gleichnamige griechische Götting des Häuslichen auch ein prima Frühjahrsputzlied sei. Sie spielte »Good, what we’ve got« als Übung in Dankbarkeit und zeigte mit »Giving up on giving up«, das auch sie manchmal kurze künstlerische Pausen hat.

»Auch wenn die Musik ganz knuffig ist, neige ich doch dazu, melancholische Lieder zu schreiben«, verriet Wiley. Das freute sich über ein ausgesprochen vielseitiges Konzert: Wiley schrieb »How does silence feel« wegen Diana Ross und zeigte mit »Anette« nicht nur ihren Humor, sondern auch, dass ihre Stimme bei deutschen Texten sehr schön klingt. Dann aber wieder mit »Rescue me«, das sie für den Film »Streiflicht« des Marburger Regisseurs Thomas Rösser geschrieben hatte, ein Lied über Traurigkeit.

Der einzige Coversong des launigen Abends war Tammy Wynetts »Til I get it right«, eine langsame Nummer, in die Wiley eine ordentliche Schippe Gefühl hineinlegte. Nach »Stix and Stones« und »Skinny little line« einem neu arrangierten Lied aus ihrer fast zwanzig Jahre alten ersten Platte, näherte sich mit den dramatischen Klängen von »It rained« das Konzert seinem Höhepunkt. Getoppt hat Wiley das nur noch mit »How much I love you«, das sie für ihre Kinder geschrieben hatte.

Als Zugabe gab es »Messed up everywhere Blues« des befreundeten US-Künstlers Jason Harrod und »My heart«, das sie schon mit Dietrich Faber alias Manni Kreutzer auf der Traumstern-Bühne präsentiert hatte, bevor das Konzert dann noch mit einem »Sahnestückchen« endete.

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