22. Februar 2018, 21:11 Uhr

Gartenkunst und Garten-Kunst

Malen ist ihr ein inneres Bedürfnis. Gärten sind ihr Metier. Und beides passt gut zusammen. Das zeigt die Landschaftsarchitektin, Grafikerin und Künstlerin Susanne Jakobs auch in ihrer neuen Ausstellung in Lich. Diesmal lässt sie sogar Ziegen aufs gepflegte Grün.
22. Februar 2018, 21:11 Uhr
Susanne Jakobs in ihrem Atelier in der Oberstadt 3 im Herzen der Altstadt von Lich. Für ihre Ausstellung im Rahmen der Licher Kulturtage lässt sie Ziegen in den Garten. (Foto: us)

Ziegen sind neugierig, eigenwillig und frech. In Gärten haben sie eigentlich nichts zu suchen. Doch genau dort hat Susanne Jakobs sie angesiedelt. In ihrer Fantasie. Und auf der Leinwand. »Ziegen im Garten. Schrullig. Schön.« heißt die Ausstellung mit Grafiken und Malerei, die Jakobs im Rahmen der Licher Kulturtage zeigt.

Farben und Pflanzen: Beides hat den beruflichen Lebensweg der gebürtigen Saarländerin geprägt. Was war eher da? Die Wahl-Licherin muss nicht lange nachdenken. »Das Malen.« Dieses Mittel, sich auszudrücken, sei ihr in die Wiege gelegt worden. »Und wenn einem etwas liegt, dann hat man auch Erfolgserlebnisse.«

Parzellen in Tortenform

Susanne Jakobs hat also immer gemalt. Aber zum Beruf hat sie die Kunst erst viel später gemacht. Erst einmal folgte sie dem Rat der Eltern: »Mach was Richtiges.« Also lernte sie Gärtnerin, setzte ein Studium der Landschaftsarchitektur obendrauf und sammelte Berufserfahrung in einem renommierten Gießener Planungsbüro. Dann kamen die Familienpause, eine Fortbildung in grafischer Gestaltung, zwei Jahre in einer Werbeagentur, dazu fortlaufend Kurse und Seminare in Malerei und Zeichnung. Als freiberufliche Gartenarchitektin, Grafikerin und Malerin führt Jakobs seit 2006 die verschiedenen Stränge zusammen. Mal wird ein Plan zum Garten, mal ein Garten zum Bild.

Wie ein von Jakobs entworfener Garten aussieht, kann man gleich hinter dem Licher Seniorenzentrum begutachten: Die 57-Jährige hat für das Forum für Völkerverständigung den Internationalen Garten konzipiert: ein Kreis mit Parzellen wie Tortenstücke, die man je nach Bedarf größer oder kleiner zuschneiden kann. »In dieser Grundstruktur kann jeder wursteln, wie er will, ohne dass es chaotisch wird«, sagt die Planerin. Ein anderes ihrer Lieblingsprojekte war ein Tango-Garten, entwickelt für einen Tanzlehrer, mit geschwungenen Wegen, die an Drehungen erinnern. So ein Garten sei dann wie ein Bild im dreidimensionalen Raum, findet Jakobs. »Man kann in seinen Ideen spazieren gehen und sie anfassen.«

In der Malerei ist es dann umgekehrt. »Man will ja nicht sehen, was man sieht«, sagt die Künstlerin über ihre Bilder, die meistens gegenständlich sind, aber nicht realistisch. Gärten, Pflanzen und Stadtansichten sind häufige Sujets. Dann gibt es noch die Inneren Gärten. Die Idee: Inneres spiegelt sich im Äußeren. Bei diesen Auftragsarbeiten lässt sich Jakobs Wünsche und Lebensziele erzählen, die im Bild sichtbar werden.

Neben großformatigen und meist farbenfrohen Gemälden findet man in Jakobs Atelier direkt am Marktplatz auch charmante kleine Extras, etwa die »Lebenden Karten«, Kunstpostkarten mit Bildern von Stauden wie Flammender Liebe oder Ehrenpreis. Tütchen mit den entsprechenden Samen sind hinten aufgeklebt.

Jakobs hat auch Malschüler. Im Winter finden die Kurse im Atelier statt, im Sommer im Garten. Und zwar in einem ganz besonderen: dem Seegarten von Jobst Biester in Trais-Horloff. Dort malen die Teilnehmer in der Natur. »Es ist einfacher, mit dem anzufangen, was man sieht«, sagt Jakobs. Und die Kurse draußen, zwischen Rosen, seltenen Bäumen und Sträuchern, am See und an der frischen Luft, seien für die Schüler ein besonderes Erlebnis.

Ziegen gibt es in dem Seegarten natürlich nicht, denn die würden all die sorgsam gepflegten Gehölze schnell anknabbern. Aber genauso hat Jakobs zu ihrem Thema für die Kulturtage-Ausstellung gefunden. »Ich wollte ein bisschen Pfeffer ins Garten-Thema bringen«, erzählt sie. »Struktur und Ordnung und dann kommen Querschüsse«. Dieses Gerangel habe sie interessiert. »Solche Gegensätze trägt schließlich jeder in sich.« Die Ziegen, mit denen Jakobs ihre Fantasiegärten besiedelt, hat sie übrigens nicht nach der Natur gemalt. Als Modell diente eine kleine Spielzeugfigur. Die ist ruhig, still und geduldig.

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