09. Januar 2019, 21:33 Uhr

Geschichte kann so spannend sein

Geschichte? Wie langweilig. Ja, stimmt. Manchmal. Aber Geschichte kann extrem spannend sein – und sehr unterhaltsam. Geschichte ist oft eine ernste Angelegenheit. Aber sie hat auch ihre heiteren Seiten. Wenn Kinder dabei sind, dann sowieso.
09. Januar 2019, 21:33 Uhr
Fototermin in der Laubacher Stadtkirche: Schüler, Lehrer, Eltern und die Stadtführer hatten sichtlich Spaß an dem Projekt. (Foto: Pimeisl)

Wer kämpfte gegen wen in der Schlacht bei Waterloo? Wo lebten die Pharaonen? Von wann bis wann fand die Völkerwanderung statt? Und: Wie lange dauerte der Dreißigjährige Krieg? Ist eine beliebte Scherzfrage, aber stutzig wird man schon, denn der 100-jährige Krieg dauert ja schließlich auch nicht hundert Jahre. Tatsache ist: Mit trockenen Zahlen und Fakten allein begeistert man kein Kind für den Geschichtsunterricht. Das ist kein Stoff zum Träumen, beflügelt nicht die Fantasie. Aber wenn man Figuren aus alter Zeit lebendig werden lässt, wenn die handelnden Personen bekleidet sind wie die Menschen in früheren Epochen, ist der Ansatz schon viel interessanter. So kann man auch Kindern mehr als ein müdes Lächeln entlocken. Und wenn die Personen, die in die historischen Kostümen schlüpfen, dann auch noch die richtigen Worte finden, wenn sie es verstehen, fesselnd zu erzählen, wenn sie auch mal etwas schnoddrig daherreden, ein loses Mundwerk haben, wird kein Kind – beispielsweise bei einer historischen Stadtführung – gelangweilt in die Luft starren.

Bettina Kranz-Lang und ihr Mann Horst Lang aus Laubach können das. Sie machen das seit vielen Jahren, und sie begeistern dabei auch immer wieder Kinder. Da lag es nahe, dass Lehrer der evangelischen Grundschule in Freienseen nachfragten, ob Schule und Stadtführer nicht gemeinsam ein Projekt starten könnten. Der Wille war da und so schritt man im vergangenen Herbst nach eingehender Vorbereitung in der Schule zur Tat. Die beiden oberen Stammgruppen mit der Schulleiterin Eva Walldorf und Lehrer Jonas Klös fuhren jeweils gut vorbereitet mit ihren Schülern in die Residenzstadt. Sie hatten im Unterricht viel über die Geschichte Laubachs gelernt und sich auch mit den einst die Stadt regierenden Grafen beschäftigt.

Mit dabei waren beim Rundgang auch viele Eltern und Großeltern. In der Stadt traf die Gruppe aus Freienseen dann auf Hofrat Crespel (Horst Lang) und die Magd Lisbeth (Bettina Kranz-Lang), die gegenüber den Kindern genau den richtigen Ton trafen. Jedenfalls hörten die Schüler aufmerksam zu, was der etwas steife Hofrat und die eher lockere, unbekümmerte und kecke Magd zu erzählen hatten. Mit ihrem bei der Vorbereitung erworbenen Wissen konnten die Kinder auch selbst in die Rolle eines Stadtführers schlüpfen, sie waren also aktive Teilnehmer des Geschehens.

 

Kinder treffen Baumkircher

 

Vor den Weihnachtsferien zogen Eva Walldorf und das Ehepaar Lang Bilanz – und die fiel durchweg positiv aus. Die Schulleiterin fasste zusammen, wie die Schüler das Projekt bewertet hatten: »Die Rückmeldungen der Kinder waren gigantisch. Sie haben erlebt, dass eine Stadtführung auch ganz anders sein kann, spannend eben und trotzdem lehrreich. Bei den Kindern ist unglaublich viel hängen geblieben und es hat uns allen richtig Spaß gemacht. Auch von den Eltern kamen nur positive Rückmeldungen.« Horst Lang sprach von einem Versuch, einem Wagnis. Im Nachhinein könne man aber sagen: »Es hat alles sehr gut geklappt.« Und: »Das war richtig toll, die Kinder waren sehr interessiert, waren begeisterungsfähig.« Seine Frau Bettina ergänzte: »Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder eingebracht haben, wie viel Spaß sie hatten, wie viel Mut sie zeigten und wie sie ihre Texte mit fester Stimme vorgetragen haben. Sie waren sich ihres Wissens ganz sicher.« Das große Potenzial, das Kinder haben, zeige sich immer wieder – gerade auch bei solchen Projekten.

Thema beim Rundgang waren natürlich auch die Baumkircher. Die lebten, der Name sagt es, einst in Baumkirchen, einem Dorf im oberen Seebachtal, nicht weit entfernt von Freienseen. Zwischen 1427 und 1432 zogen die Bewohner von Baumkirchen in die Stadt Laubach. Ist lange her. Aber es leben noch viele der Nachfahren in der Residenzstadt und pflegen ihre Bräuche. Zufällig traf die Schülergruppe beim Rundgang auf einen Baumkircher. »Da waren die Kinder sprachlos und sagten später: ›Wir haben einen echten Baumkircher gesehen‹«, erzählt Horst Lang. Und seine Frau Bettina ergänzt: »Da zeigt sich, dass Kinder noch staunen können, dass sie begeisterungsfähig sind.« Sie lobt auch das Engagement der Schule: »Es ist toll, dass die Schulleitung und die Lehrer so etwas machen, dass sie den Kindern die Möglichkeit geben, sich mit der Heimat und der Geschichte der Region zu beschäftigen.« Diese Art von Geschichtsunterricht solle keine Eintagsfliege bleiben, antwortet Eva Walldorf. Und Lang wünscht sich, dass das Freienseener Beispiel Schule macht. An Hofrat Crespel und Magd Lisbeth solle es nicht liegen. »Wir sind dabei!«

Erinnert wurde noch daran, dass Kantorin Anja Martine spontan für die Kinder die Orgel in der Stadtkirche spielte und Georg Pimeisl tolle Fotos machte. Am Ende des Gesprächs überreichte Eva Walldorf Briefe von ihren Schülern an »Lisbeth«. Und die war dann ausnahmsweise mal richtig sprachlos.

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