21. Oktober 2019, 22:11 Uhr

Großes Kino bei »Midde in de Woch«

21. Oktober 2019, 22:11 Uhr

Voll war es am Mittwoch in der guten Stube des Eberstädter Dorfladens: In der Reihe »Midde in den Woch« waren Edgar Langer und Hans Gsänger von der Kino-Traumstern Kollektiv GbR zu Gast. Die beiden hatten einen wunderbaren Film über eine Projektidee dabei, die das soziale Gefüge in einem niedersächsischen Dorf komplett umgekrempelt hat: Der Dokumentarfilm »Von Bananenbäumen träumen« wies deutliche Analogien zu den Initiativen in Eberstadt auf. In der Talkrunde berichteten Langer und Gsänger über das Werden des Kino »Traumstern«, das als »Licher Lichtspiele« schon 1920 auf der gegenüberliegenden Straßenseite begann: mit Stummfilmen und musikalischer Begleitung.

Seit 1936 ist das Kino an der heutigen Stelle angesiedelt. Es erlebte wirtschaftliche Höhen und Tiefen: Zeitweise war ein weiter Saal in der Bahnhofstraße in Benutzung - dort, wo heute das Karate Dojo Lich untergekommen ist. Doch dann wurden die Zeiten schlechter und eine Gruppe Kultur schaffender Netzwerker ergriff die Initiative: Langer, Teil eines Kollektivs, übernahm vor 36 Jahren als Quereinsteiger den Kinobetrieb.

Fünf Jahre später stiegen die Kollegen aus und Gsänger ein. Seither sind beide mit Leib und Seele Kinomacher, und nicht nur das: Sie sind Kulturwiege, Ausbilder, Agenten, Vermittler und Vermieter. Schließlich werden im »Traumstern« nicht nur Filme gezeigt; auch Kleinkunst und ganz große Kunst finden dort eine Bühne, oft in Kooperation mit Institutionen und Initiativen wie »KünstLich« und der Kulturwerkstatt. Für brandneue Hollywood-Blockbuster ist dagegen selten Platz: Weil das Programmkino an keine Filmverleiher gebunden ist, laufen solche Streifen mitunter erst Wochen nach Bundesstart. Wer dieses Kino liebt, wartet aber gerne - oder weicht auf die guten Arthouse-Filme aus. »Diese Qualität zu halten ist anstrengend und kostenintensiv«, so Langer und Gsänger. Ohne die Auszeichnungen für das Kurzfilmprogramm, die Filmauswahl und das Gesamtkonzept sei das alles nicht möglich. Am Freitag erst gab es für das »Traumstern« - wie berichtet - einen mit 20 000 Euro dotieren hessischen Kinopreis.

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