26. Oktober 2018, 13:10 Uhr

Pestizidverbot

Grünberg streitet über Glyphosat-Verbot

Grünbergs Bündnisgrüne beantragen ein Verbot von Glyphosat auf sämtlichen städtischen Flächen. Brisant: Es soll auch für Flächen gelten, die an Landwirte verpachtet werden.
26. Oktober 2018, 13:10 Uhr
Glyphosat im Einsatz gegen »Unkraut«. Grünbergs Grüne wollen nun ein Verbot auf allen städtischen Flächen erwirken. (Foto: dpa)

Buseck tut es. Lollar tut es. Auch Grünberg sollte es tun und sich somit auf den Weg zur pestizidfreien Gemeinde machen. Meinen die Grünen. Dem Antrag der Stadtverordnetenfraktion, wonach auf sämtlichen städtischen Flächen – also inklusive der an Bauern verpachteten Flächen – Glyphosat tabu sein sollte, dürfte jedoch kein Erfolg beschieden sein.

Dafür spricht das Nein einer breiten Mehrheit im Bau- und Umweltausschuss. Tenor: Behauptete Gefahren seien nicht belegt, ein Verbot in der Landwirtschaft würde nicht zuletzt mit ökologischen Nachteilen erkauft.

Für die Grünen dagegen wiegen die Risiken, die aus dem Einsatz dieses »Total-Herbizds« erwüchsen, schwerer. Sie verweisen auf Angaben der Weltgesundheitsorganisation, wonach Glyphosat als »wahrscheinlich krebserregend« gelte, Oberflächen- und Grundwasser belasten und Flora wie Fauna erheblich schädigen könne. Vor allem die Biodiversität leide, da Glyphosat »nicht selektiv, sondern unterschiedslos« auf den Stoffwechsel aller Pflanzen einwirke. Auch das Bundesumweltamt sorge sich, da die Vernichtung von Kräutern, Wildblumen und Gräsern auf Ackerflächen vielen Tierarten die Lebensgrundlage entziehe.

Das Insektensterben ist unbestritten, 80 Prozent sind weg, damit ist auch die Vogelpopulationen rückläufig«, ward Lothar Peter namens der Grünen ein. »Es ist Zeit zu handeln.« Durchaus gebe es bereits Landwirte, die ohne »Round up« und ähnliches auskämmen.

 

Wissenschaftlicher Nachweis?

 

Viele Punkte der Antragsbegründung seien »wissenschaftlich nicht nachweisbar«, hielt Steffen Peter (CDU) dagegen. Und zog Parallelen zu Thesen, wonach auch Grillgut krebserregend sei. Behauptungen einer Grundwassergefährdung gingen ebenso fehl: Dies werde im Winter gebildet, wenn Glyphosat sich längst zersetzt habe. Nach der Ernte zu spritzen, ergebe ja wohl keinen Sinn. Im Übrigen handele es sich hierbei um ein Blatt-Herbizid, gebe keinen Grundwasserkontakt. Die inkriminierten Mittel würden nur einmal pro Fruchtfolge, also nur alle vier Jahre, eingesetzt. Bei einem Glyphosat-Verzicht, bedürfte es einer tiefergehenden Bodenbearbeitung. Damit einher ginge eine vermehrte Befahrung, mithin ein höherer Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß. Im Übrigen möge man auf darauf setzen, dass in den nächsten fünf Jahren – so lange hat die EU bekanntlich die Zulassung von Glyphosat verlängert – sichere Forschungserkenntnisse auf den Tisch kommen. Peter: »Wenn der Nachweis erbracht wird, gehört es vom Markt.«

Nicht anders Jürgen Trüller (FDP). Man solle nicht alles verbieten, mahnte der. En Verbot bedingte auch Sanktionen, doch wer wollte kontrollieren, ob Pächter die vertragliche Verpflichtung auf vollständigen Verzicht auf glyphosathaltige Mittel einhalten?

Dass der Sinn einer Maßnahme, nicht Sanktionen im Vordergrund stehen sollte, lautete die Replik Reinhard Ewerts (Grüne). Der unterstrich, seiner Fraktion reiche ein »wahrscheinlich krebserregend«, wie von durchaus seriösen Instituten konstatiert.

In Hessen ist seit 2016 der Einsatz von Glyphosat auf öffentlichen Flächen außerhalb landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzter Flächen stark eingeschränkt. »Wir benutzen es nicht mehr«, erklärte denn auch Bürgermeister Frank Ide.

Unumstritten, aber kein Thema der Debatte war der Antragspunkt, wonach die Verwatlung die Bürger über die Pflege von Haus und Kleingärten ohne Glyphosat informieren sollte. Am Ende stand noch die Bitte an Ide, bis zur nächsten Sitzung mitzuteilen, welchen Umfang überhaupt die von der Stadt verpachteten Felder haben. Was aber nichts an der Mehrheitsmeinung änderte: Sechs Neinstimmen standen nur ein Ja der Grünen und eine Enthaltung der SPD gegenüber.

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