Man muss sich das heute mal vorstellen. Ein weltberühmter Schriftsteller kommt in die Provinz. Was wäre das für ein Aufruhr. Kameras. Online-Meldungen. Selfies. Kommentare in den sozialen Netzwerken. Und vor 50 Jahren? Nichts. Oder jedenfalls: fast nichts.

Am 3. Mai 1969 wurde der Besuch von Günter Grass bei der Hungener SPD in dieser Zeitung mit einer beiläufigen Bemerkung und einem kleinen Foto abgetan. Noch nicht einmal in die Überschrift hat es der Autor der »Blechtrommel« und spätere Nobelpreisträger seinerzeit geschafft.

Der kurze Text - acht Zeilen! - beginnt lapidar mit »In Hungen« und schildert die Ehrung von Otto Müller aus Bellersheim und Wilhelm Weber aus Trais-Horloff durch den damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Erwin Horn. Erst im allerletzten Satz heißt es: »Zu den ersten Gratulanten zählte der Schriftsteller Günter Grass, der bei diesem Termin anwesend war.«

Punkt. Aus. Kein Wort darüber, was den Schriftsteller in den Hungener Stadtverordnetensitzungssaal verschlagen hatte. Man muss in den alten Zeitungsbänden schon ein bisschen weiter blättern, um fündig zu werden.

Grass war nach Gießen gekommen, um den SPD-Unterbezirk im Bundestagswahlkampf zu unterstützen. Dort wurde ihm mehr Aufmerksamkeit zuteil. Die Kongresshalle war bei seinem Auftritt überfüllt. Und von der vorangegangenen Pressekonferenz berichtete das HR-Fernsehen live. (us)

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