06. Dezember 2018, 19:11 Uhr

Handlungsbedarf augenscheinlich

06. Dezember 2018, 19:11 Uhr
»Zukunftsindex 2030« für Laubach: Beste Aussichten, etwa aufgrund der Altersstruktur, haben danach Wetterfeld und Münster.

Klar: Demografischer Wandel bedeutet mehr als »nur« die Überalterung, bedeutet etwa auch Urbanisierung, mithin den Bevölkerungsverlust des flachen Landes. Also sollte sich eine Kommune etwa auch damit beschäftigen, wie sich der Anteil der Männer und Frauen im »Familienalter« entwickelt. Und – falls die Wanderungsbilanz in der Altersgruppe negativ ausfällt –, wie die Politik gegensteuern kann.

Eine Vielzahl solcher Indikatoren weist der »Demographie-Atlas« für den Kreis Gießen aus. Die für Laubach relevanten Daten erläuterte soeben Dr. Julien Neubert dem Hauptausschuss des Laubacher Stadtparlaments. Vorweg: Bis auf wenige Ortsteile, Altenhain vor allem ist da zu nennen, wird für Laubach eine stabile Entwicklung bis zum Jahr 2030 prognostiziert.

Neubert wurde im Vorjahr als erster Demografie-Beauftragter des Landkreises eingestellt. Seither sorgt er für eine kontinuierliche Beobachtung und Generierung demografischer Daten (Monitoring). Was Politik als Grundlage dienen sollte, um einzelne »Handlungsbedarfe und deren Dringlichkeiten abzuleiten«.

 

»Problemkind« Altenhain

 

Auch für Laubach wird der demografische Wandel an sechs Indikatoren festgemacht. Zunächst ist da natürlich die jüngste Entwicklung der Bevölkerungszahl zu nennen: Von 2012 bis 2016 konnte laut Erhebung des Kreises die Ostkreisgemeinde um 0,71 Prozent zulegen, von 9764 auf 9824 Einwohner, wobei der Demographie-Atlas grundsätzlich Haupt- und Nebenwohnsitze erfasst. Verluste weisen hier Altenhain (362 – 335), Freienseen (788 – 767), Lauter (770 – 754), Röthges (387 – 349) und Ruppertsburg (822 – 782) auf. Gewinner sind die Kernstadt (4232 – 4302), Gonterskirchen (698 – 709), Wetterfeld (961 – 1058) und Münster (744 – 768). Übrigens: Auf die Großgemeinden bezogen, weisen 15 der 18 Kreisgemeinden ein mehr oder minder leichtes Plus auf, einzig Hungen, Buseck und Allendorf/Lumda haben Einwohner verloren. Neubert griff als wichtigen Indikator nun den Wanderungssaldo heraus. Von 2012 bis 2016 gewann vor allem die Kernstadt hinzu – es zogen also mehr zu als weg. Aber auch Wetterfeld liegt deutlich im Plus, klar am Ende der Skala rangiert hier Röthges.

Wichtiger Indikator ist wie erwähnt sogenannte »Familienwanderung«, die Entwicklung in der Altersgruppe bis 40 Jahre. In dieser Beziehung sieht es gut aus in der Großgemeinde, Verluste werden hier einzig für Röthges, Lauter und Freienseen genannt. Letzteres überraschte schon im Ausschuss, da der Stadtteil doch über einen Kindergarten und eine Grundschule verfüge. Freilich bewegt sich das Minus im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Größer sind die Verluste bei der »Bildungswanderung«, also in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre. Bis auf die Kernstadt und Wetterfeld ist eine Abwanderung der Jugend zu konstatieren. Nach Neubert macht sich hier der Standortnachteil, die relativ große Entfernung nach Gießen, bemerkbar. Gut fürs Ehrenamt, so der Demografie-Experte, ist dagegen der Zuwachs von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Hier wenigstens ist Altenhain vorn.

Von besonderem Interesse in der Ausschussrunde waren erwartungsgemäß die Bevölkerungsprognosen. Basis sind hier Daten des Kommunalen Gebietsrechenzentrums (»ekom21«), deren Genauigkeit Neubert im Vergleich zu jenen der »Hessen Agentur« hervorhob. Eingang fanden ebenso Pläne zur Siedlungsentwicklung und Gespräche mit der Verwaltung vor Ort. Für die Gesamtgemeinde Laubach wird danach bis 2030 eine »stabile Entwicklung« vorhergesagt. Heißt: ein leichtes Minus von 0,25 Prozent statt der 2,3 Prozent, die die Hessen Agentur ausweist. Wie es im ganzen Landkreis keine Kommune mit einem »dramatischen Rückgang der Einwohnerschaft« geben soll. Das Umland profitiere offensichtlich von dem Aufwärtstrend des Oberzentrums Gießen.

Bedenkenswert vor allem ist für Laubach der Verlust in den Bildungsjahrgängen sowie der überdurchschnittliche Anstieg bei den über 60-Jährigen (2356 – 2448). Positiv wiederum: Auch in der Kommune am Rande des Kreises nimmt die Zahl die Kinder zu, wenn auch nur leicht (1139 – 1192).

An Ende erläuterte Neubert den demographischen Zukunftsindex (siehe Diagramm). Neben der Entwicklung der Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Familien- und Bildungswanderung spielen dabei auch Faktoren wie bürgerschaftliches Engagement oder Risikofaktoren wie Leerstände oder lange Fahrtzeit zum Oberzentrum eine Rolle. Die besten Werte haben wiederum Wetterfeld (sechs Risikopunkte), Münster (sieben), Laubach und Freienseen (je acht), schlechter sieht es in Gonterskirchen (zehn), Lauter (elf), Röthges (zwölf) und Altenhain (13) aus. (Grafik: pm)

»Zukunftsindex 2030« für Laubach: Beste Aussichten, etwa aufgrund der Altersstruktur, haben danach Wetterfeld und Münster.

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