15. Juli 2019, 22:17 Uhr

Heimat für viele seltene Arten

15. Juli 2019, 22:17 Uhr
Dem Erhalt der landschaftprägenden Streuobstwiesen wird mittlerweile eine besonders hohe Bedeutung zugemessen - auch in den Annawiesen bei Steinbach. (Foto: con)

Die Annawiesen von Steinbach sind jetzt ein geschützter Landschaftsbestandteil. Wo einst auf dem Lutherberg eine Radarstation der US-Armee stand, ist heute ein kleines Naturparadies: Streuobstwiesen bestimmen den Charakter rund um die Annawiesen direkt am Ortsrand. Die Streuobstwiesen sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch wichtig für die Natur - viele seltene Arten haben in dem Gebiet eine Heimat gefunden. Deshalb hat der Kreistag eine deutliche Ausweitung des dort gelegenen »geschützten Landschaftsbestandteils« (GLB) beschlossen.

Bereits 1989 wurden in dem Gebiet neun Hektar Fläche als GLB ausgezeichnet - jetzt sind es 18 Hektar. Grund für die Ausweitung ist eine Untersuchung, die im Rahmen der Planung für ein neues Baugebiet in Steinbach stattfand. Denn eigentlich wollte die Gemeinde hier ein neues Baugebiet schaffen. »Das ging aber naturschutzrechtlich nicht«, erklärte jetzt Naturschutzdezernentin Christiane Schmahl. Denn viele seltene und besonders schützenswerte Tier- und Pflanzenarten haben hier ihr Zuhause: »Gleich drei Reviere des Wendehals wurden hier gefunden«, erklärte Dr. Achim Zedler, Vorsitzender des Naturschutzbeirats des Landkreis Gießen. Der Wendehals, eine mittlerweile sehr seltene Vogelart die sich ausschließlich von Ameisen ernährt, war der ausschlaggebende Faktor für die Kennzeichnung des Gebietes.

Aber nicht nur er findet in dem alten Streuobstbestand gute Lebensbedingungen vor: »Dazu gibt es hier noch zwei Paare Steinkauze, Ameisenbläulinge und seltene Käferarten«, berichtet Zedler weiter. Zudem befindet sich auch ein Quellhorizont auf dem Gebiet. Deshalb blieb der Gemeinde auch nichts anderes übrig, als das Verfahren zu stoppen.

Dem Erhalt der früher landschaftprägenden Streuobstwiesen wird mittlerweile eine besonders hohe Bedeutung zugemessen: Denn auf den nur gering bewirtschaften Flächen finden zahlreiche Arten ideale Lebensbedingungen vor. Doch die Zahl der Streuobstwiesen wird immer geringer: Noch rund 150 000 Bäume zählt der Landkreis Gießen auf solchen Flächen. »Es wird immer schwerer, die Streuobstbestände zu halten«, erklärt Schmahl. Denn diese liegen in der Regel an den Ortsrändern und damit in direkter Konkurrenz zur Ausweisung neuer Bauflächen. Auch in Steinbach blieb die Erweiterung des »geschützten Landschaftsbestandteils« nicht kritiklos: »Es gibt auch Grundstücksbesitzer die ihre Flächen gerne als Baugrundstücke veräußert hätten«, sagte Zedler.

Veränderungen nicht erlaubt

Mit der Ausweisung soll das kleine blühende Naturidyll am Ortsrand für die Zukunft bewahrt werden und Tieren wie auch Menschen einen Rückzugsraum bieten. Die Ernennung zum »geschützten Landschaftsbestandteil« bringt einige Veränderungen für Grundstücksbesitzer mit sich: Denn in einem solchen Gebiet ist es verboten, etwas zu zerstören, beschädigen oder zu verändern. Das bedeutet, man darf nicht einfach Bäume entfernen oder ein Stück Land in einen Acker umwandeln. Allerdings ist es natürlich erlaubt, das Obst von seinen Bäumen zu ernten, Pflege- und Erhaltungsschnitte durchzuführen oder neue Hochstammbäume zu pflanzen.

Im Übrigen gibt es im Landkreis Gießen im mittelhessischen Vergleich einen überdurchschnittliche hohe Zahl an GLB: Insgesamt sieben Gebiete sind ausgewiesen.

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