29. November 2018, 10:06 Uhr

CDU-Vorsitz

Heimische CDU-Chefs sehen »leichte Favoritenrolle« für Merz

In Kürze fällt die Bundes-CDU die Entscheidung: Wird Merz, Spahn oder Kramp-Karrenbauer künftig die Partei führen? Wie eine Umfrage zeigt, sehen heimische CDU-Vorstände Merz vorn.
29. November 2018, 10:06 Uhr
Dreikampf um die CDU-Spitze: Friedrich Merz (links), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Nachfragen bei Vorsitzenden von Ortsverbänden im Gießener Land ergaben eine "leichte Favoritenrolle" für Merz. (Foto: dpa/Archiv) (Foto: dpa/Archiv)

Vorweg: Die Umfrage erhebt keineswegs den Anspruch der Repräsentativität. Ebenso betont sei, dass hier ein persönliches Meinungsbild eingeholt wurde, die Vorsitzenden nicht für ihre Ortsverbände sprechen. Der Langgönser CDU-Chef Hans-Ottmar Müller etwa mochte denn auch nicht verraten, wen er favorisiere. »Dies könnte zu einer Beeinflussung unserer Delegierten für den Parteitag führen.«
Anders der Staufenberger Kollege Cristian Lemmer: »Im Moment sehe ich Friedrich Merz vorne: Er bringt herausragenden Sachverstand in Politik und Wirtschaft mit, war auch außerhalb des Plenarsaals erfolgreich und verkörpert wichtige Kernvorstellungen der CDU.«
 

"Sichtbare Profilschärfung"

Für Lemmer könnte der Wiedereinsteiger aus dem Sauerland, dereinst im Machtkampf mit Merkel unterlegen, durch seine »sichtbare Profilschärfung« große Teile der Partei hinter sich vereinen und viele verlorengegangene Wähler zurückholen. Wie Lemmer am Ende relativierte, werde er sein abschließendes Urteil aber erst nach den Regionalkonferenzen fällen.
Eine klare Präferenz hat Dr. Markus Eichmann, Vorsitzender der CDU Rabenau. Seine Partei brauche dringend jemanden mit »Erfahrung aus der Wirtschaft, um die wirklich wichtigen Dinge wie Energiewende, Digitalisierung, künstliche Intelligenz voranzubringen«. Der Rückstand deutscher Unternehmen sei da sehr groß. Eichmann: »Es braucht jemanden, der Strukturen in der Wirtschaft kennt, um zu einem Umsteuern beizutragen.« Klar, wen er meint: Merz.
Was für den ebenso spreche: Mit ihm bekäme die CDU einen Vorsitzenden, der »glaubwürdig konservativ im besten Sinne ist, und eben nicht reaktionär«. Merz könnte insbesondere jene, die sich eher »rechts der Mitte« verorten, klarmachen, »dass Klimawandel keine Spinnerei der ›Rotgrün-Versifften‹ sei«. Sondern dass Deutschland, Europa und die Welt gegensteuern müsse. Was, wenn dies nicht gelingt? »Dann würde die Flüchtlingskrise von 2015 nur ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem gewesen sein, was auch in unseren Breiten droht: Missernten, Wassermangel et cetera. Und das neben vielen anderen Problemen.«
Auch Jan-Eric Walb, Vorsitzender der CDU Fernwald, würde als Delegierter für Merz stimmen. Unter den »aussichtsreichen Drei« sei der der Einzige, der in der CDU für einen erfolgreichen Neustart stehen könnte und zugleich die notwendige politische Erfahrung mitbringe.
 
»Modus vivendi«?
 
Merz sei ein guter Kommunikator, könne schwierige Sachverhalte erklären und auch unter öffentlichem Druck vertreten. Außerdem stehe er für die Betonung einer ordnungs- und wirtschaftspolitischen Ausrichtung, die viele, gerade auch in der Union, wieder stärker vertreten sehen möchten.
Walb sieht dabei keine Gefahr, Merz könnte den Modernisierungskurs der Union umkehren: »Ich denke nicht, dass er vorhat, die Union zurück in die 90er zu schicken, sondern dass er die CDU als moderne Volkspartei mit klarem Profil positionieren wird.«
Dr. Gerhard Noeske (Wettenberg) mochte seinen Favoriten nicht nennen. Jüngste Mitgliederversammlung habe die Frage ausführlich diskutiert, aber nicht abgestimmt. »Allen ist bewusst, dass mit dem schrittweisen Rückzug Angela Merkels eine Epoche zu Ende geht, in der sie Deutschland so geführt hat, dass es aus den schweren weltweiten Krisen gestärkt herausgekommen ist.«
Die christlich-sozialen, konservativen und liberalen Grundwerte der CDU, so der Wettenberger Vorsitzende, seien bisher die Ausrichtung bei Aufbau und Fortentwicklung des Landes gewesen. Die oder der neue Vorsitzende müsse diese Grundwerte auf die Herausforderungen der Zeit anlegen. Mit drei starken und kompetenten Kandidaten erhebe die CDU den Anspruch, die deutsche Politik auch künftig wesentlich zu gestalten. »Unabhängig davon, von welchem Flügel sie oder er kommt, wird deshalb die Politik der CDU sehr ähnlich aussehen.«
Im Stadtverband Hungen, so dessen Vorsitzender Stefan Elbert, gibt es keinen klaren Favoriten. »Alle haben ihre Befürworter.« Elbert macht jedoch eine leichte Mehrheit für Merz als »kühlem Rechner, Ökonomen und konservativem Politiker« aus.
Doch geht die Wahl der neuen Führung reibungslos vonstatten, lassen sich der eher wertkonservative und der »sozialdemokratische Merkel Flügel«, wie Kritiker schon mal höhnen, unter einen Hut bringen? Der Rabenauer Eichmann hat darauf diese  Antwort: Merz als Parteichef und Kramp-Karrenbauer sollten einen »Modus vivendi« finden, um die Sache gemeinsam anzugehen. »AKK« schließlich verkörpere einen Flügel, den eine Partei, wolle sie den Präfix »Volks« behalten, auch nicht vernachlässigen sollte: den Sozial- und Arbeitnehmerflügel.  (Foto: dpa)

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