01. Mai 2019, 23:01 Uhr

»Hell, bunt, strahlend«

01. Mai 2019, 23:01 Uhr

Lich (pm). Seit ihrer aufwendigen Restaurierung 2001/2002 gilt die kleine Dorfkirche in Ober-Bessingen, offiziell »Heiligkreuzkapelle«, als wahres Schmuckkästchen. Nun ist ihr Schmuck um vier Perlen erweitert worden. Am Anfang standen Löcher und Risse. Die vier Fenster des leicht eingezogenen Chorraums waren allzu sehr in die Jahre gekommen. Vögel und Ungeziefer fanden immer wieder ihren Weg ins Innere, berichten Karl-Heinz Römer und Adelheid Röhm vom Kirchenvorstand. Das war nicht unbedenklich angesichts des kunsthistorisch wertvollen Innenlebens der Kirche. Also entschloss sich die Gemeinde, neue, farbige Fenster statt der bisher schlicht weißen Wabenfenster einzubauen.

Chöre singen Messe

Die Planungen starteten 2017. Abstimmungen, Genehmigungen und Ausschreibungen dauerten ihre Zeit. »Alle waren eingebunden, Denkmalämter genauso wie die Hessen-Nassauische Kirchenverwaltung«, berichtet Römer. Bei Vor-Ort-Terminen wurden Details festgezurrt.

Nun haben die neuen Perlen aus Glas ihren Platz in den gotischen Leibungen gefunden. Gestaltet hat sie der Glaskünstler Günter Grohs aus Wernigerode im Harz, gefertigt wurden sie in den Derix Glasstudios, Taunusstein. Die fünfstelligen Kosten trägt die Ober-Bessinger Kirchengemeinde überwiegend aus eigener Kraft, die Denkmalbehörden sowie die übergeordneten Kirchenämter gewähren Zuschüsse.

Eine abstrakte Grundgestaltung aus Bögen, Linien und farbig verlaufenden Feldern betont die Zugehörigkeit der ein- und zweibahnigen Fenster zum 21. Jahrhundert.

Auf den Versuch, Mittelalter oder Barock nachzuahmen, wurde bewusst verzichtet. Erbaut um 1400, An- und Umbauten um 1500, und wieder zweihundert Jahre später entstanden die erst vor ein paar Jahren freigelegten barocken Wandmalereien. Hervorragend gelungen ist die farbliche Anpassung der Fenster an den heimeligen Kirchenraum. Zarte Orange- und Gelbtöne, hier und da ein wenig Grau und Blau als Kontrast: All diese Farben nehmen Bezug auf die Wandmalereien, die Bögen und Streben der Kirche und korrespondieren mit den Ornamenten auf der Holzbrüstung der versetzten Empore.

Mit einem Gottesdienst weiht die evangelische Kirchengemeinde die Fenster am Sonntag, 5. Mai, um 9.30 Uhr feierlich ein. Die Gesangvereine aus Ober-Bessingen und Langsdorf tragen dazu die »Deutsche Messe« von Schubert vor.

Zu wünschen wäre für diesen Tag kräftiger Sonnenschein, damit die Fenster ihre volle Schönheit entfalten können – wie es schon Goethe wusste, der Gedichte mit bemalten Fensterscheiben verglich: »Von außen dunkel, aber von innen, trittst du erst einmal ein, hell, bunt, strahlend.«

Eines der neu gestalteten Fenster in der Ober-Bessinger Kirche. (Foto: pm)

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