10. April 2018, 10:10 Uhr

Neues Konzept

Hildes Stoffe gibt es jetzt zu Kaffee und Kuchen

Fünf Jahre lang verkaufte sie in Gießen besondere Stoffe und Nähzubehör. Jetzt führt Jacqueline Herrmann einen Laden im Kreis. Und nicht nur das.
10. April 2018, 10:10 Uhr
Nähen ist nach wie vor ihre Leidenschaft, aber seit kurzem hat Jacqueline Herrmann auch das Backen für sich entdeckt. In ihrem neuen Laden gibt es neben Stoffen und Nähzubehör auch Kaffee, Tee und Kuchen. (Foto: ti)

Auf einem Tisch gleich hinter der Eingangstür stehen vier Nähmaschinen, drumherum liegen Scheren, Maßbänder, Nadelkissen und Stoffreste. Ein Mädchen hantiert an einem Textilkörbchen herum, zwei andere bewundern eine gerade entstandene Frottee-Ente, das vierte stopft seine neue Kissenhülle mit Füllwatte. Ein Feriennähkurs geht dem Ende zu.

Der erste auf dem Lollarer Kirchberg, wo Jacqueline Herrmann seit 17. März einen Stoffladen mit Café betreibt. Fünf Jahre lang war sie in Gießen die Anlaufstelle für kreative Schneiderinnen, betrieb unter dem Namen »Hilde braucht Stoff« zunächst in der Schul-, später in der Walltorstraße, ein Fachgeschäft mit besonderem Charme.

Ich wollte schon immer ein Café betreiben

Jacqueline Herrmann

Auf diesen werden ihre Kunden auch auf dem Land nicht verzichten müssen. Im Gegenteil. Auf dem Gehöft im Schatten der alten Kirche, das seit vier Jahrzehnten im Familienbesitz und seit 20 Jahren wieder Herrmanns Zuhause ist, hat sie zwei ehemalige Ställe zu ihrer neuen beruflichen Wirkungsstätte umfunktioniert und sich damit einen Traum erfüllt.

»Ich wollte schon immer ein Café betreiben«, sagt Herrmann. Jetzt verknüpft sie diesen Wunsch mit ihrer Leidenschaft fürs Nähen. Ein neues Konzept also, das unter dem Namen Inges Hof läuft. »Eine Reminiszenz an meine verstorbene Mutter, die das Areal zu dem Kleinod gemacht hat, das es heute ist«, erklärt Herrmann.

 

Offener Garten und Sommerkonzerte

Neu ist, dass der Laden nur an drei Tagen in der Woche zu eingeschränkten Zeiten geöffnet hat. »In Gießen wäre das nicht gegangen, aber hier habe ich ja keine Laufkundschaft, die Leute müssen ohnehin herfahren«, sagt Herrmann.

Neu ist auch, dass es Kaffee, Tee, Wasser sowie von Herrmann selbst gemachte Kuchen und Gebäck gibt. Dies wird im hinteren Teil des Ladens und im Sommer auch im Hof serviert. Neu sind außerdem verschiedene Veranstaltungen wie der Tag des offenen Gartens oder die fünf geplanten Sommerkonzerte.

Hilde braucht Stoff ist jetzt nur noch ein Produkt

Jacqueline Herrmann

»Hilde braucht Stoff ist jetzt nur noch ein Produkt«, sagt Herrmann, die Inges Hof zu einem Ausflugsziel machen möchte. Dafür hat sie in den letzten Monaten unter anderem fleißig gebacken und Kuchen-Test-Essen veranstaltet. Denn gelernte Konditorin ist sie ebenso wenig wie ausgebildete Schneiderin.

Nach dem Abitur studierte die Lollarerin Germanistik und Musik, arbeitete danach selbstständig als Konzeptionistin und Drehbuchautorin für Computerlernprogramme. Als sie krank wurde, entdeckte sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen wieder und machte das Nähen nach ihrer Genesung zum Beruf.

 

Stoffpartys und Junggesellinnenabschiede

»Jaqueline, hier stimmt irgendwas nicht. Kannst Du mal schauen«, fragt die neunjährige Kalea. »Du hast nicht vor und zurück genäht«, erklärt die Fachfrau und legt selbst Hand an, damit es schneller geht. Denn die erste Mutter wartet bereits, um eine der vier jungen Kursteilnehmerinnen abzuholen.

Nähkurse, auch für Männer, bietet Jacqueline Herrmann in ihrem neuen Laden weiterhin an, außerdem kann man sie für Kindergeburtstage, Junggesellinnenabschiede und Stoffpartys buchen. Ebenfalls altbewährt ist die Auswahl an qualitativ hochwertigen, bunten Stoffen, insbesondere Jerseys, mit ausgefallen Mustern im Retrolook sowie Nähzubehör und Geschenkartikeln, wenn auch in reduzierter Zahl.

»Ich habe hier viel weniger Platz als in Gießen und musste das Angebot erheblich reduzieren«, sagt Herrmann. Bei der Auswahl habe sie sich deshalb die Frage gestellt, was findet man auch woanders, diese Dinge hat sie aussortiert.

 

Bekannte Wohnzimmer-Atmosphäre

Noch etwas wird Stammkunden vertraut sein: die Einrichtung aus den 1960er Jahren. Mit ein paar Cocktailsesseln aus dieser Zeit hatte vor Jahren alles angefangen. Ihren Pop-up-Laden, den sie 2012 in der Adventszeit betrieb, hatte sie bereits mit Mobiliar von einst ausgestattet.

Bevor sie in der Walltorstraße eröffnete, besuchte sie reihenweise Haushaltsauflösungen und deckte sich mit Möbeln ein. »Für einen Laden finde ich das ideal. Die Leute kommen rein und fühlen sich wohl«, erklärt die 53-Jährige die Wirkung der Wohnzimmer-Atmosphäre auf die Kunden.

 

Was in Gießen schlecht lief

Bereits in Gießen hatte dieses Konzept funktioniert. Zu viele andere Dinge allerdings nicht. Fehlende Parkmöglichkeiten in der Walltorstraße, die ein Jahr andauernde Sanierung des Gebäudes, Internethandel, Stoffmärkte und die seit gut anderthalb Jahren existierende Billigkonkurrenz in der Stadt, nennt die Geschäftsfrau als Gründe, die sie letztlich zur Aufgabe des Gießener Ladens bewogen.

Ein Vater lugt durch die Tür. Kurz darauf kommt noch eine Mutter. Der Schmuse-Ente werden noch schnell ein paar Augen aufgestickt, das Stoffkörbchen für die Oma durch die Wendeöffnung auf die richtige Seite gezogen, Nähmaschinen und Utensilien eingepackt. Langsam wird es ruhig in Inges Hof. Bis er das nächste Mal wieder öffnet – für Kaffee und Kuchen, Stoffeinkauf, Nähkurs, Konzert...

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