03. April 2019, 22:18 Uhr

Hilfe für Bienen und Co.

03. April 2019, 22:18 Uhr
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Aus der Redaktion
Fleißig, fleißig: Biene und Falter in Aktion. (Foto: Gabriele Winter)

»Was können wir tun, um Bienen und Bestäuber zu unterstützen?« Diese Fragestellung lag einem Fachvortrag von Dr. Reinhold Siede (Agraringenieur im Bieneninstitut Kirchhain des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen, LLH) zugrunde, zu dem kürzlich die Kooperation zwischen Imkern, Landwirten und Jägern in Grünberg eingeladen hatte. Die Gallushalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Unstrittig sei, dass 75 Prozent der Insektenmasse verschwunden sei, auch belegt durch die Krefelder Studie 2017, unterstrich der Referent. Besonders Ameisen, Wespen und Großschmetterlinge stünden auf der Roten Liste. Mit Blick auf die Honigbiene könne kein gravierender Rückgang verzeichnet werden. Im Gegenteil, die Zahl der Imker wachse stetig, die Honigbiene werde gut betreut.

Anders sehe es bei den Wildbienen aus. Die Ursachen dafür seien vielfältig, führte Siede aus. Klimawandel, Verlust und Veränderung der Lebensräume, Urbanisierung, Lichtverschmutzung, Städtebau, intensivere Landwirtschaft und invasive Pflanzen und Tiere könnten für den Rückgang der Insekten verantwortlich sein. Am Ende der Kette stehe der Verbraucher, der heute nur 15 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, 1850 seien es 61 Prozent gewesen. Diese Preisentwicklung habe die landwirtschaftliche Produktion verändert. Selbst wenn Betriebe von intensiver Grünlandbewirtschaftung auf extensiven Anbau umstellten, dauere es Jahre, bis die Pflanzenarten wieder zunähmen.

Trotzdem sei die Liste der Maßnahmen lang, die zu einer Verbesserung der Nahrungs- und Lebenssituation der Insekten führen könne: Flächen zum Feldfutteranbau nutzen, Untersaaten in Getreide- und Maisschlägen, Anbau von Wildpflanzen zur Einspeisung in Biogasanlagen und Anlage von bienenfreundlichen Sonderkulturen zählten dazu. Einen besonderen Schwerpunkt legte Reinhold Siede auf den Anbau von Blühflächen und Blühstreifen. Wichtig sei dabei zu beachten, dass die vorgesehene Fläche möglichst sauber sei. Um den Wuchs von nicht erwünschten Beikräutern zu verhindern, empfehle sich das Anwalzen, das das schnelle Auflaufen der Wildsaaten fördere.

Besonders führe z. B. der Anbau der Kornblume durch den Aufschluss der Bodennährstoffe zu einer steigenden Bodenfruchtbarkeit bei Anschlusssaaten. Auch Grasland lasse sich durch eine umbruchlose Ansaat und einen anschließenden Schröpfschnitt mit Blütenpflanzen durchsetzen. Aber alle Mühe sei umsonst, wenn anschließend die Flächen nur abgemulcht würden. Das sei bedauerlicherweise gerade auch an Wegrändern, Gräben und Hängen der Fall, die durch die Kommunen gepflegt würden. Um solche Flächen langfristig zu erhalten, bedürfe es u. a. eines späten Schnittes. Viele Insekten seien Spezialisten, die z. B. aufgrund ihrer Anatomie nur bestimmte Pflanzen anfliegen könnten. Der Bauernverband habe dies bei seiner aktuellen Saatmischung für Blühflächen berücksichtigt. Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Artenschwunds führe zu einigen Zielkonflikten. So stünden sich Brot oder Blüte, Pflanzenbau und Naturschutz, kommunale Interessen und Bestäuberbedürfnisse gegenüber.

Siede sagte, in jedem Hausgarten gebe es viele Möglichkeiten, den Insekten Nahrungsgrundlagen zu schaffen: Anlegen einer Wildecke, Kräuter in die Blüte kommen lassen, den Garten durch Pflanzen mit ungefüllten Blüten aufwerten. Mähroboter und die um sich greifende Steinkultur in Vorgärten seien der Tod der Insektenwelt. Die Aussagen fanden eine vehemente Unterstützung bei den Zuhörer. Samuel Grutzky, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Grünberg und Umgebung, dankte für den kompetenten Vortrag.



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