10. Mai 2019, 19:06 Uhr

Historische Erinnerungskultur

10. Mai 2019, 19:06 Uhr

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Kloster Arnsburg im Mönchssaal des Klosters trug der Vorsitzende des Landesverbandes der Kriegsgräberfürsorge (VDK) unter dem Titel »Vom Friedhof zum Lernort« Forschungsergebnisse zur Kriegsgräberstätte in Arnsburg vor. Dabei präsentierte er, was rund um die Kriegsgräberstätte passiert und erläuterte das Grundverständnis des VDK.

In Kloster Arnsburg, im ehemaligen Kreuzgang des Klosters, sind 453 Tote beigesetzt, die zumeist im Zweiten Weltkrieg oder kurz danach ums Leben kamen: sowjetische Kriegsgefangene, Gestapo- und KZ-Häftlingen, Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, Zwangsarbeitskräfte, befreite Zwangsarbeiter, Verschleppte und Kriegsgefangene sowie sieben Kinder von Zwangsarbeiterinnen, berichtete Starzacher. Hinzu kommen 13 Tote aus dem Ersten Weltkrieg.

Entsprechend der Grundhaltung des VDK sei beim Anlegen der Gräber nicht nach Tätern und Opfern unterschieden worden. Aber dies verpflichte dazu, die historischen Wahrheiten offen und deutlich auszusprechen, sagte Starzacher.

Dafür stehen die beiden Glastafeln an der Westwand der Gedenkstätten sowie die Steelen, die beispielhaft einen Menschen einer bestimmten Gruppe vorstellen. Die beiden Glastafeln »Ihr Leiden und Ihr Tod dürfen nicht vergessen werden.« und »Deportation nach Hirzenhain am 23. März 1945« schildern die Ermordung von 76 Frauen und elf Männern durch ein Erschießungskommando einer SS- und Polizei-Einheit.

Die Stelen an den Gräbern beschreiben das Leben und Sterben des befreiten Zwangsarbeiters Grigori Lasarowski (Grab 427), der kleinen Tochter Nina der Zwangsarbeiterin Oleschko (Grab 140), des Hirzenhain-Opfers Emilie Schmitz (Grab 320) oder der beiden unbekannten deutschen Feldstrafgefangenen (Gräber 402 und 407). Neben weiteren Steelen ist jedes Grab mit einer Bronzetafel mit dem Namen des Toten (oder »unbekannt«), dem Todesdatum und Todesort gekennzeichnet.

Kriegsgräberstätten erklärten sich nicht mehr von selbst, sie seien Denkmäler einer historischen Erinnerungs- und Gedenkkultur, die je größer der Abstand zum Zweiten Weltkrieg werde, der Erklärung bedürfen. Gleichzeitig bleiben sie Trauerstätten, deren Würde es zu wahren gelte, sagte Starzacher. Die Lebensgeschichten verdeutlichen die Schrecken und die Gewalt des nationalsozialistischen Regimes und zeigen die einzelnen Aspekte der Ausbeutung von KZ-Häftlingen, hier am Beispiel einer SS-Eisenbahn-Brigade, deren Häftlinge Bombenschäden an Bahnanlagen beseitigen mussten.

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