21. Mai 2019, 22:27 Uhr

Hochwertige Performance

21. Mai 2019, 22:27 Uhr
Das Trio Agora mit (v. l.) Žilvinas Brazauskas, Robertas Lozinskis und Natania Hoffman im Konzertsaal der Hessenbrückenmühle. (F.: usw)

Einen wunderbaren Auftakt nahm am Sonntag die 17. Ausgabe der Reihe »Musik und Sprache« auf der Hessenbrückenmühle. Das energiegeladene Trio Agora musizierte Werke von Rachmaninov, Mendelssohn, Beethoven und anderen. Die jungen Musiker lieferten eine handwerklich hochwertige und blutvolle Performance, die das Publikum begeistert goutierte. Der litauische Klarinettist Žilvinas Brazauskas (*1991), die in USA geborene Cellistin Natania Hoffman (*1992) und der litauische Pianist Robertas Lozinskis (*1991) trafen sich an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler. Ihr 2016 gegründetes Trio wurde schon 2018 mit dem ersten Preis beim »Internationalen Anton Rubinstein Wettbewerb für Kammermusik« in Düsseldorf ausgezeichnet. Das Ensemble trat bereits mit renommierten Klangkörpern in aller Welt auf, unterdessen setzen sie ihre Musikstudien fort.

Freudige Erwartung war im Saal sofort zu spüren, und Felix Mendelssohns Konzertstück Nr. 2 op. 114 in drei Sätzen erwies sich gleich als Volltreffer. Mit großem Schwung, aber nuanciert, temperamentvoll und mit viel Energie wurde das musiziert. Auffällig waren die perfekte Geschlossenheit und eine souveräne Feinfühligkeit im ganz und gar transparenten Gesamtklang - ein Markenzeichen des Ensembles, wie sich zeigte. Schön abgestuft ging’s im Zweiten ruhiger zur Sache, um dann im Dritten mit vollem Elan auf den Punkt zu kommen: die strahlende Komposition wurde souverän realisiert; gleich großer Beifall.

Sergei Rachmaninovs »Trio élégiaque« Nr. 2 in g-Moll wurde anfangs in tiefer Versunkenheit musiziert, um dann kraftvoll fortzufahren mit einem zunächst feinen, dann kräftigen Wogen. Glänzende Melodiebögen der Klarinette, souveräne Expressivität beim Cello und eine überaus sensible, temperamentvolle Arbeit am Klavier: wohin man hörte, es war beglückend. Dazu kamen eine superbe Dynamikgestaltung in die leisen Parts hinein und ein toller Abschluss: das Handwerk war durchweg makellos.

Von Lebenslust geprägt

Nächstes Glanzlicht war Joel Hoffmans (*1953) »Ei Jauga Jauga« in vier Sätzen. Hier waren energiereiche dissonante Passagen zu hören, die sehr plausibel musiziert wurden. Sie wechselten sich mit versöhnlicheren Elementen ab. Überraschend kamen vokale Elemente von Brazauskas hinzu, getragen von leuchtenden Celloflächen. Dabei mimte das Klavier dramatisch und machte düstere Wolken. Auch die nochmaligen dissonanten Passagen waren von Lebenslust geprägt.

Im Vierten wurde die aparte Klangsprache weitergeführt, sanft und entfernt klezmerisch melancholisch - wieder eine souveräne Klanggestaltung. Sein »Fantasiestück« würzte das Trio mit Elementen bekannter Titel wie »When the Saints« oder »I got Rhythm« zu einer schwungvollen Mischung; auch hier wieder Gesangsbeiträge und die typische sprühende Spielfeude.

Ludwig van Beethovens Trio op. 11 »Gassenhauer« in drei Sätzen war ein weiterer Höhepunkt. Das leichtfüßige Werk eignet sich zunächst den Schlagerdukus verblüffend authentisch an und wurde mit größter Leichtigkeit realisiert. Dann fließend, zart ein virtuoses, zartes Adagio, auch mit enormem Schwung und vollendeter Dynamik. Im Dritten schließlich volle Intensität und Klarheit, großartig abgestuft und ungemein persönlich musiziert. Johannes Brahms Klarinettentrio a-Moll op. 114 in vier Sätzen wurde zum perfekten Schlussstrich. Die Charakterzeichnung, Intensität und Dynamikgestaltung waren herausragend. Es herrschten herrliche Geschlossenheit und Transparenz, der ganze Reichtum der Nuancen wurde vermittelt, ein Volltreffer. Heftiger, langer Applaus, eine Zugabe.

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