02. Januar 2019, 16:30 Uhr

Kilometerkönige

Holger Kern aus Staufenberg fährt nur das, was alt ist

Holger Kern liebt Autos. Warum ihm Modelle, die nach 2010 gebaut wurden, nicht in die Garage kommen, erzählt er in unserer Serie »Kilometerkönige«.
02. Januar 2019, 16:30 Uhr
"Ein bisschen autoverrückt bin ich schon" - Holger Kern mit seinem Renault Espace. 408 870 Kilometer hat der bereits auf dem Tacho. (Foto: pm)

Kilometerkönige

In unserer Serie »Kilometerkönige« stellen wir besondere Beziehungen von Mensch und Maschine vor.

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Holger Kern dürfte man mit Fug und Recht in die Kategorie »Autonarr« einordnen. Zumindest dann, wenn damit die ungebrochene Lust am »Schrauben« gemeint ist. Ohne Bedenken, sich die Hände schmutzig zu machen oder mit einer Schramme zu »verschönern«. Gerne widmet er sich über Stunden hinweg einem Problem. Das da etwa heißt: »Bremsbeläge runter«. Oder »Kupplung im A...«. Über Ölwechsel brauchen wir erst gar nicht zu reden. Nicht zuletzt dank seiner Schrauber-Kenntnisse hat er gleich zwei »Kilometerkönige« auf dem Hof.

Beide haben über 400 000 Kilometer gelaufen. Einer davon ist ein Renault Espace, Baujahr 1996. Das Besondere an der Großraumlimousine: Sie fährt mit LPG. Die Abkürzung steht für Liquefied Petroleum Gas. Deutsch und kurz: Flüssiggas. Ein für Verbrennungsmotoren vorgesehenes Gemisch, zu den größten Teilen aus Butan und Propan, das die Unterhaltungskosten eines Autos erheblich senkt – nachdem sich die meist vierstelligen Einstandskosten amortisiert haben.

 

Für 300 Euro auf dem Schrottplatz gekauft

Schneller reingeholt sind die, wenn die Gasanlage günstiger kommt. Dachte sich wohl auch Holger Kern, als er vor sechs Jahren den »Franzosen« auf einem hiesigen Schrottplatz fand und für 300 Euro erstand. 280 000 Kilometer hatte der damals drauf, keinen TÜV, dafür aber einen gerissenen Zahnriemen. »Ich wollte eigentlich nur die Gasanlage haben«, erinnert sich der Staufenberger. Doch als er den Espace zu Hause näher betrachtet hatte, war rasch klar gewesen: »Den muss ich behalten, er ist einfach ein tolles Auto.«

Der erste Eindruck sollte nicht täuschen, inzwischen hat der »Oldie« stolze 409 000 Kilometer runter und wird täglich gefahren. So soll und darf es auch noch lange bleiben: Just vergangene Woche hat er eine neue TÜV-Plakette bekommen. Was laut Holger Kern noch dafür spricht: »Er fährt nicht nur umweltfreundlich dank Gas, sondern hat auch eine gute Ausstattung.« Der 52-Jährige nämlich hatte ihn nicht nur repariert und 35 mm tiefergelegt, er spendierte ihm überdies Ledersitze, Xenon-Licht und, erst im letzten Sommer, schöne 17-Zoll-Felgen. Kerns Credo: »Ich will nicht das, was jeder hat.«

Der zweite Kilometer-König im Hause Kern ist ein VW Passat 1.6, mit 101 PS, ebenfalls 1996 vom Band gerollt. Auch der fährt mit Flüssiggas. Kern und seine Frau haben den »Wolfsburger« vor sechs Jahren für 500 Euro gekauft. 300 000 Kilometer hatte der seinerzeit runter, inzwischen nähert er sich der 400 000er-Marke. Holger Kerns Sohn hat ihn eine Weile gefahren, bevor er zum »Winter-Auto« wurde. »Bei diesen Sprit-Preisen bleibt er jetzt übers ganze Jahr zugelassen«, erklärt sein Besitzer das Upgrade.

Alles was jünger als zwölf Jahre ist, taugt nichts

Holger Kern

Die Eheleute nennen darüberhinaus zwei »Amerikaner« ihr Eigen. Die aber bekommen nur im Sommer Auslauf. Der eine ist ein Cadillac Seville, Baujahr 1999, mit 4.6 V8-Motor, »gut 400 PS« und relativ bescheidenen 156 000 Kilometern Laufleistung. Kerns Frau steuert einen gut zwanzig Jahre alten Chrysler Stratus Cabrio, mit 2.5 V6-Motor und 225 000 Kilometern auf dem Tacho.

Schließlich erzählt der 52-Jährige noch von einem weiteren seiner Schätzchen: ein Audi 80, Typ 89 – in Pink. »Der war in ganz Deutschland bekannt, hatte sogar schon rund 580 000 Kilometer drauf, als ich ihn verkauft habe.«

Am Ende erklärt er dann noch, dass und vor allem warum er grundsätzlich nur alte Autos fährt: »Alles was jünger als zwölf Jahre ist, taugt nichts. Das gilt besonders für den Schrott, der nach 2010 gebaut wurde. Damit will ich nichts mehr zu tun haben, ist alles nur noch so gebaut, dass es ganz schnell kaputtgeht. Die Pkw sind im Übrigen total verbaut, das macht keinen Spaß.« Einmal nur hätten er und seine Frau den Fehler gemacht und einen neuen VW Lupo TDI mit 75 PS gekauft. »Der sollte nur 4.5 Liter brauchen. Wie heute auch – Stichwort ›Verbrauchslüge‹ –, war das nicht möglich. Unter sieben Liter ging nix. Und kaputt war er andauernd. Nach drei Horror-Jahren musste der Schrott weg, und wir haben uns wieder was Altes gekauft.«

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