07. März 2019, 22:15 Uhr

»Ist es denn ein Wunder?«

07. März 2019, 22:15 Uhr
Im Oktober 2016 gestohlen, jetzt wieder zurück: die Abendmahlkelche der evangelischen Gemeinde Laubach. (Foto: pm)

Laubach (tb). »Glückliche Fügung oder gar ein kleines Wunder?« – eine Frage, die sich nicht wenige Mitglieder der evangelischen Kirche Laubach stellen. Anlass: Zwei Jahre nach dem Diebstahl der Abendmahlkelche sind diese wieder in den Schoß der Gemeinde zurückgekehrt.

Die Kultgegenstände sind von einigem Wert. Einer vor allem: Der ist nahezu 500 Jahre alt, kunstvoll verziert und aus echtem Silber gearbeitet. Wie Kirchenvorstand Susanne Schimmel berichtet, handelt es sich dabei um eine Spende von Prinzessin Anna von Mecklenburg, Gattin von Otto I. Graf zu Solms-Laubach (1496–1522). Nach dem frühen Tod ihres Mannes hatte sie das Gefäß anfertigen lassen. Fortan tranken daraus Laubachs Christen beim Heiligen Abendmahl. Das wurde von 1544 an nach protestantischem Ritus gefeiert. Befördert durch die Freundschaft von Graf Friedrich Magnus zu Melanchthon wurde die Reformation in Laubach relativ früh eingeführt.

Jahrhunderte also ging alles gut, selbst in Kriegs- und Notzeiten kam der Kelch nicht abhanden. Mit dem restlichen Abendmahlsgeschirr wurde er nach jedem Gottesdienst weggeschlossen.

Bis zu jener Nacht zwischen dem 16. und 18. Oktober 2016: Unbekannte Diebe brachen in die Stadtkirche ein und das Behältnis auf, ließen alle vier Kelche, sämtliches Geschirr und die Audioanlage dazu mitgehen (diese Zeitung berichtete). Polizei und Versicherung wurden eingeschaltet, und auch jene Stellen, die bei Versteigerungen auf eventuelle Hehlerware achten. Trotz aller Hinweise auf Diebstahl und Diebesgut auch im Worldwideweb – es gingen Monate ins Land, und doch tat sich nichts. Also schwand die Hoffnung, und der Kirchenvorstand stellte gar erste Überlegungen für eine Ersatzbeschaffung an. Jedoch, so formuliert es Kirchenvorstand Elisabeth Alewell-Nebe im Weiteren, gingen die Meinungen auseinander. »Soll es wieder Metall sein? Oder doch Keramik? Eher modern oder richtig antik?«. Die Entscheidungsfindung zog sich – zum Glück, wie sich zeigen sollte: Denn wieder einige Monate später klingelte bei Dekanatskantorin Anja Martiné das Telefon. Am anderen Ende ein katholischer Kaplan aus Berlin. Ein Freund, erzählte der nun, sei bei Ebay auf die Offerte »Kirchenkelche« gestoßen. Der Kaplan wurde misstrauisch, recherchierte, landete auf der Website der evangelischen Gemeinde Laubach, las vom Diebstahl und wählte Anja Martinés Nummer. Endlich sah es nach einem Happy End aus. Noch ein weiteres Jahr aber sollte bis dahin ins Land gehen. So lange hatten sich Kriminalpolizei, Justiziare der EKHN, Laubacher Kirchenvorstände und der Küster um die Rückkehr der Kelche bemüht. Nicht zu vergessen Sekretärin Steffie Baumgartner. Alewell-Nebe: »Wegen ihres unermüdlichen Einsatzes wurde sie zwischenzeitlich Miss Maple getauft.«

Vor wenigen Wochen dann war es so weit, ein Kripobeamter schaute vorbei und überreichte alle vier Kelche an den Kirchenvorstand mit Pfarrer Ebelt an der Spitze. Wie es auch gewesen sein mag: Allen Beteiligten, so heißt es, sei es auf jeden Fall wie ein kleines Wunder erschienen.

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