27. Juli 2018, 16:48 Uhr

Vollsperrung

»Jetzt kommt nach Lich gar keiner mehr rein«

In der Licher Innenstadt wird noch bis Ende der Sommerferien Pflaster durch Asphalt ersetzt. Anlieger reagieren mit Kritik – zeigen aber auch und Verständnis.
27. Juli 2018, 16:48 Uhr
Kopfsteinpflaster raus, Asphalt rein: In der Licher Innenstadt wird unter Hochdruck gearbeitet, damit bis Ende nächster Woche alles fertig ist und der Verkehr wieder fließen kann. (Foto: ti)

Die Morgensonne fällt durch die hohen Bäume, auf dem Platz vor der Hofapotheke plätschert das Wasser im Hessentagsbrunnen. Das Thermometer zeigt schon um halb zehn 27 Grad, aber im Schatten lässt es sich hier in der Licher Altstadt gut aushalten. Ruhig ist es, nahezu idyllisch. Doch der Schein trügt. Nur wenige Minuten später kommt schweres Gerät zum Einsatz. Es wird laut. Seit Wochenbeginn wird hier an der Kreuzung Heinrich-Neeb-Straße, Braugasse, Unterstadt geackert: Kopfsteinpflaster raus, Asphalt rein. Bis zum Ende der Sommerferien sollen die Bauarbeiten beendet sein. »Es wird unter Hochdruck gearbeitet«, sagt Hauptamtsleiter Frank Arnold auf GAZ-Anfrage. Schon morgens um 7 Uhr geht es los. »Alles läuft wie geplant«.

Das allerdings trifft nicht auf die anliegenden Geschäftsbetriebe zu, wo die Kundschaft ausbleibt. Im gern und gut frequentierten Eiscafé von Simone Morandin ist der Straßenverkauf merkbar zurückgegangen, sagt der Chef im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Zum Glück haben wir schönes Wetter, so dass unsere Stammkunden weiterhin kommen.« Aus seiner Sicht ist es wohl die denkbar schlechteste Zeit für die Fahrbahnsanierung, aber er zeigt Verständnis. Morandin: »Es muss gemacht werden, und man kann es nicht jedem recht machen.«

Kundenrückgang beklagt

Auch andere merken einen Kundenrückgang. »Jetzt kommt ja gar keiner mehr in die Stadt rein«, sagt Andrea Wiedemann-Schumacher, die in der Unterstadt das Schuhhaus Per Pedes betreibt. Gerade jetzt, wo der Publikumsverkehr aufgrund der Sommerferien ohnehin schlechter ist, falle die Vollsperrung doppelt ins Gewicht, meint auch Loni Metz vom gleichnamigen Modegeschäft an der Ecke Braugasse/Heinrich-Neeb-Straße. Kritik üben beide an der Informationspolitik der Stadt. »Ich habe erst aus der Zeitung erfahren, was hier geplant ist. Das ist unsäglich«, findet Wiedemann-Schumacher.

 

Haushalt erst spät genehmigt

 

Über die kurzfristige Information ärgert sich auch Apotheker Volker Glaub, obwohl er zugibt, dass die Straße »natürlich gemacht werden muss«. Zwölf Angestellte beschäftigt er in seinem Geschäft. »Hätte ich frühzeitig von den Planungen gewusst, hätten wir die Urlaube darauf abstimmen können«, meint Glaub. Seine Kunden allerdings müssen nicht unter der Situation leiden. Er und sein Team kommen während der Zeit der Vollsperrung zu ihnen nach Hause, holen Rezepte ab und liefern Medikamente aus. Anruf genügt.

Erst am 12 Juli hatte die Stadt per Amtsblatt und die Tageszeitungen über die Vollsperrung informiert. Dies sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass der Haushalt erst Anfang Juli genehmigt wurde, so Arnold. Zudem seien die kurzfristigen Absprachen mit Busbetrieben und Baufirmen schwierig gewesen. Arnold: »Deshalb haben wir uns entschlossen, ein paar Tage vorher noch eine schriftliche Information an die Gewerbebetriebe und Anwohner der Innenstadt herauszugeben. Wir sind der Meinung, dass es richtig war, die Baustelle in den Ferien durchzuführen, da zu dieser Zeit viele im Urlaub sind.« Goldschmied Alexander Tielsch ist das jetzt auch. Gezwungenermaßen, sozusagen: Kurzerhand macht er vom 23 Juli bis zum 5. August Betriebsferien.

4000 Fahrzeuge täglich

Zur Erinnerung: Das Kopfsteinpflaster an der Kreuzung Heinrich-Neeb-Straße, Braugasse, Unterstadt war auf einem 70 Meter langen Straßenstück marode geworden. Die Instandsetzung hatte laut Arnold keinen Aufschub mehr geduldet. 4000 Fahrzeuge queren täglich die Altstadt, darunter auch Busse und Lkw. Zu viel für das Pflaster. Viele Steine waren defekt, hatten sich verschoben und an manchen Stellen sogar abgesenkt. Die Verkehrssicherungspflicht duldete keine Verschiebung der Bauarbeiten mehr. Die Steine wurden entfernt, um eine zwölf Zentimeter dicke Trag- und eine vier Zentimeter dicke Deckschicht einzubauen. Die Kosten belaufen sich auf 30 000 Euro.

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