29. September 2019, 22:41 Uhr

Bürgermeisterwahl

Julien Neubert wird neuer Bürgermeister von Lich

Julien Neubert wird neuer Bürgermeister von Lich. Der 32-Jährige SPD-Mann konnte sich in der Stichwahl mit 58,95 Prozent der Stimmen gegen seinen Herausforderer Christian Knoll durchsetzen.
29. September 2019, 22:41 Uhr
Sieger und Verlierer: Christian Knoll (l.) gehört zu den ersten Gratulanten, die Julien Neubert (r.) ihre Glückwünsche aussprechen. (Foto: ti)

Die Kreisverwaltung verliert ihren Demografiebeauftragten. Dr. Julien Neubert wird am 16. Januar als Bürgermeister ins Licher Rathaus wechseln. Der 32 Jahre alte Sozialdemokrat setzte sich gestern in der Stichwahl mit 58,95 Prozent der Stimmen gegen Christian Knoll von der CDU durch. Knoll hatte im ersten Wahlgang mit 37,99 Prozent die meisten Stimmen bekommen, Neubert landete damals bei 33,54 Prozent. In der Stichwahl waren nun die Stimmen des vor zwei Wochen ausgeschiedenen parteilosen Bewerbers Peter Blasini neu zu verteilen.

Als kurz vor 19 Uhr im Foyer des Bürgerbüros das vorläufige Endergebnis auf die Leinwand gebeamt wurde, brach unter Neuberts Anhängern lauter Jubel aus. Dass der Abend für sie gut ausgehen würde, hatte sich schon eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale angedeutet, als nacheinander die Ergebnisse aus mehreren Kernstadt-Wahllokalen eingingen. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte der Christdemokrat hier noch fast überall die Nase vorn gehabt. Doch nun konnte er lediglich im Bürgerhaus (51,64 Prozent) und im Bauhof (57,30 Prozent) den Sieg einfahren. Außerdem hatte der Mann aus Staufenberg im Briefwahlbezirk 1 mit 50,66 Prozent die Nase vorn. In allen anderen 14 Wahllokalen entschied sich eine Mehrheit für Julien Neubert. Sein bestes Ergebnis fuhr der Sozialdemokrat mit 68,9 Prozent in der einstigen CDU-Hochburg Ober-Bessingen ein. In Langsdorf, wo er aufgewachsen ist, kam er auf 67,83 Prozent.

Neubert »absolut überwältigt«

»Ich hätte nicht mit einem so klaren Ergebnis gerechnet«, sagte Julien Neubert, nachdem sich die erste Schar Gratulanten verabschiedet hatte. Die Erleichterung war dem Nachfolger von Bernd Klein deutlich anzumerken. »Ich bin absolut überwältigt. Die Freude ist sehr, sehr groß.« Kein Wunder, immerhin waren die vergangenen Monate nicht einfach für den SPD-Mann. Zuerst hielten ihn viele für zu jung und sahen den Sieg bei Peter Blasini. Dann entbrannte die Debatte um die Langsdorfer Höhe, die alles überlagerte. »Ich habe mich gefühlt, als würde ich auf einer Leiter stehen, und unten wackelt die ganze Zeit jemand daran«, beschrieb er sein Empfinden in dieser für ihn schweren Zeit. Doch er habe sich trotz aller Widerstände nicht verbiegen lassen, sei geradlinig, ehrlich und seinem Standpunkt treu geblieben, was die Wähler letztlich überzeugt habe. Neubert: »Ich habe niemandem etwas versprochen, das ich ohnehin nicht hätte halten können.« Ein kleiner Seitenhieb in Richtung Christian Knoll.

Geringe Wahlbeteiligung

Der reagierte auf die Wahlniederlage eher bedauernd denn enttäuscht. »Es ist natürlich schade, dass ich nicht gewonnen habe, aber ich bin nicht am Boden zerstört.« Wer in so einen Wahlkampf gehe, wisse, dass er verlieren kann. Im Gegensatz zu ihm habe Neubert seine Handlungsmöglichkeit als Stadtverordneter nutzen können und mit dem Antrag auf Bürgerbefragung die Wahl entschieden. Aber: »Nach dem Spiel ist vor dem Spiel«, so Knoll, der weiter Kommunalpolitik machen und sich möglicherweise irgendwo anders um das Bürgermeisteramt bewerben will. »Nicht morgen, nicht übermorgen aber vielleicht irgendwann.«

Ein Wort noch zur Wahlbeteiligung: Die lag mit 47,6 Prozent klar unter der des ersten Wahlgangs (54,9 Prozent). Noch deutlicher ist der Unterschied zur Stichwahl 2007. Vor zwölf Jahren machten 56,7 Prozent der Licher von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

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