17. Mai 2017, 10:00 Uhr

Ausgemuht

Kaum noch Kühe auf den Weiden

Die Zahl der Rinder nimmt im Landkreis Gießen langsam, aber stetig ab. Genauso wie die Zahl der kleinen oder mittleren Betriebe. Was die Gründe dafür sind.
17. Mai 2017, 10:00 Uhr

Die Zahl der Rinder im Landkreis Gießen nimmt weiter ab. Wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, werden aktuell 12 991 Tiere gehalten – das sind 770 weniger als noch vor fünf Jahren. Ein ähnliches Bild bei den Milchkühen: Waren es 2011 noch 4143 Tiere, sind heute 3765 Kühe registriert. Grund für den Rückgang sind veränderte Strukturen in der Landwirtschaft. Milchviehhaltung und Fleischvermarktung seien in den vergangenen Jahren immer mühsamer geworden, sagt Oliver Lauff vom Fachdienst Landwirtschaft und Forsten des Lahn-Dill-Kreises, der auch für das Gießener Land zuständig ist.

Die Zahlen zur Situation des Rinderbestandes passen zu denen, die das Land Hessen Ende 2016 in seiner Agrarstrukturerhebung veröffentlich hat. Demnach lässt sich in der hessischen Landwirtschaft ein Rückgang der kleinen und mittleren Betriebe beobachten, die zwischen unter fünf und 100 Hektar Fläche bewirtschaften. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 gaben gut 1500 Betriebe die Bewirtschaftung auf – das sind rund 17 Prozent.


 

Milchpreis und -quote

 

Im Gegensatz dazu zeigt die Agrarstrukturerhebung, dass die Zahl der größeren Betriebe stabil bleibt – oder sogar noch zunimmt. Auffällig ist dabei: Wenige Betriebe werden immer größer. Die Erhebung zeigt aber auch, dass das Sterben der Höfe langsamer geworden ist. Gaben zwischen 1999 und 2007 im Durchschnitt jährlich knapp 550 Landwirte ihren Betrieb auf, waren es zwischen 2010 und 2016 rund 220 Betriebe im Jahr.

Wie sich die Zahl der Rinder im Kreis Gießen entwickelt hat. (Grafik: zds)


Zwei Faktoren haben den Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft massiv beeinflusst: Zum einen das Ende der Milchquoten-Regelung 2015, zum anderen die Milchpreis-Krise 2016. Mir diesen einschneidenden Ereignissen lässt sich auch die Entwicklung der Zahlen erklären: Nachdem 2012 in Hessen die niedrigsten Milchkuhbestände (143 600) seit 1945 ermittelt wurden, stiegen diese im November 2014 zunächst auf 146 900 Tiere. Aktuell sind es 142 300 Milchkühe in 2900 Betrieben. Auf den Landkreis heruntergebrochen, sehen die Zahlen ähnlich aus. Momentan gibt es im Gießener Land 3765 Milchkühe – 378 weniger als 2011. Sie machen damit momentan rund 29 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2011: 30,1 Prozent).


 

»Dramatische Entwicklung«

 

Ein Jahr lang hatte dieser Zeitung den Großen-Busecker Ökobauern Jürgen Scheld in der Serie »Ein Bauer – ein Jahr« begleitet. Der Landwirt hatte immer wieder auf den Strukturwandel gerade in der Milchviehhaltung hingewiesen. Vor allem die kleinen und mittleren Betriebe, sagte er, müssten aufgeben. Stattdessen gehe der Trend weiter in Richtung industrialisierter Landwirtschaft. Diese Entwicklung sei »dramatisch«. Was Abhilfe schaffen könnte? Zuerst einmal müssten die kleinen und mittleren Betriebe verstärkt gefördert werden – bei einem gleichzeitigen Absenken der Intensität in der Landwirtschaft. Weniger Düngung und geringerer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln baue Überschüsse ab und sei verträglicher für die Umwelt.

In der Hand hätten es aber vor allem die Verbraucher, sagte Scheld. Mit ihrem Kaufverhalten und ihrer gezielten Unterstützung könnten sie etwas zur Existenz von kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetrieben beitragen.

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