15. November 2019, 19:07 Uhr

Kleinod vorm Verfall bewahrt

15. November 2019, 19:07 Uhr
Rund eine Viertelmillion hat die Stadt aus eigener Tasche für die Erneuerung der 200 Jahre alten Horloff-Brücke hingeblättert. (Foto: tb)

»Auf die nächsten 200 Jahre!« - Die Horloff-Brücke in Ruppertsburg, Anfang des 19. Jahrhunderts in mühevoller Handarbeit aus Natursteinen errichtet, erstrahlt in neuem altem Glanz. Da denkmalgeschützt, hatten die Stadt beziehungsweise das Bauunternehmen eine Vielzahl von Auflagen zu beachten. »Das reichte bis ins Kleinste«, hieß es dazu aus der Stadtverwaltung. Als Beispiel seien nur die Probeverfugungen genannt, um die passende Mörtelart und -farbe zu verifizieren. Nicht alle behördlichen Auflagen allerdings stoßen auf Beifall.

Vorab: Im Mai vergangenen Jahres begannen die Arbeiten an dem architektonischen Kleinod, das am westlichen Ortsrand von Ruppertsburg die Horloff überspannt. Neben Neuverfugungen, Verstärkungen des Brückenfußes und dem Ersatz herausgebrochener Steine stand der Übergang im Fokus. Der alte Straßenbelag musste runter und neu aufgebaut werden, zwecks Vermeidung von Frostschäden auf eine Abdichtung zum eigentlichen Brückenbauwerk hin geachtet werden. Wiederum viel Handarbeit und Aufwand für die Firma, die im Mai vorigen Jahres angerückt war. Die Kosten waren von der Stadt auf 240 000 Euro veranschlagt worden, die Abrechnung bleibt abzuwarten.

Zumal ein Arbeitsschritt noch aussteht: Nach 200 Jahren muss die Brücke ein Geländer bekommen. Warum muss das altehrwürdige Bauwerk eine neuzeitliche Sicherheitsvorrichtung erhalten, schließlich ging es 200 Jahre ohne? Wie passt das mit besagten Auflagen des Denkmalschutzes zusammen? Kritische Fragen, die Martin Bouda nicht neu sind. Wie der Leiter der Bauverwaltung bei der Stadt Laubach erklärt, sei mit der Sanierung der Brücke der »Bestandsschutz« erloschen, die Verkehrssicherungspflicht der Stadt »in Kraft getreten«. Daran müsse man sich halten, es sei denn der Denkmalschutz würde ein Veto einlegen.

Der Kreis Gießen, bei ihm ist die Untere Denkmalschutzbehörde angesiedelt, verweist auf GAZ-Nachfrage zunächst auf die »Verbindlichen Richtlinien zur Verkehrssicherung«. Danach sei an Rad- und Gehwegen ein Sicherungsgeländer von mindestens 1,30 Metern Höhe vorgeschrieben. Ein solches müsse die Stadt Laubach nach der Erneuerung der Brücke anbringen. Der Denkmalschutz rate dazu, eine möglichst schlicht gehaltene Variante anzubringen. »Bei einem historisch wirkenden Geländer würde ein falscher Eindruck entstehen - denn ursprünglich hat es hier kein solches Geländer gegeben.« Der Alternativvorschlag, das Geländer auf der Fahrbahn vor der Natursteinbrüstung anzubringen, war übrigens nicht drin: Die Fahrbahn fehlt die dafür vorgeschriebene Breite.

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