02. Juli 2019, 22:17 Uhr

Kreuzkröte erobert neuen Lebensraum

02. Juli 2019, 22:17 Uhr

Kürzlich staunten die Verantwortlichen des Regierungspräsidiums Gießen, als Fotos von einer im Herbst erst angelegten Maßnahme eintrafen. Die neu geschaffenen Flutmulden und Blänken im Naturschutzgebiet »Lahnaue zwischen Atzbach, Dutenhofen und Heuchelheim« wurden innerhalb kürzester Zeit von der stark gefährdeten Kreuzkröte als Laichgewässer angenommen. »Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz«, sagt Kerstin Roth, zuständig für das Schutzgebietsmanagement in der Lahnaue bei der Oberen Naturschutzbehörde im RP Gießen mit Sitz in Wetzlar.

Ursprünglich war die Biotopgestaltung gedacht, um die Ausbreitung von Schilf zu unterstützen. Solche Flächen bieten zahlreichen auentypischen Tierarten einen wichtigen Lebensraum, sind innerhalb der Lahnaue nur an wenigen Stellen zu finden. »So können hier stark gefährdete Vogelarten wie Rohrammer, Blaukehlchen sowie Schilf- und Teichrohrsänger auftreten«, sagte Roth weiter. Die Maßnahme mache deutlich, dass Verbesserungen des Lebensraums oft auch weiteren Arten zugutekommen kann.

Zweieinhalb Kilometer Weg

Laut Expertenaussage handelt es sich bei den nun vorhandenen Kreuzkröten-Larven um den Laich von etwa fünf erwachsenen Tieren. Um das Kleingewässer zu erreichen haben die Kreuzkröten einen weiten Weg zurückgelegt. Das nächste bekannte Kreuzkröten-Vorkommen ist etwa zweieinhalb Kilometer entfernt. Die Kreuzkröte ist eine sogenannte Pionierart, die gewisse Ansprüche an ihre Laichgewässer stellt: »Diese sollen stark besonnt und nicht dauerhaft wasserführend sein, um den Feinddruck möglichst gering zu halten«, sagt Verena Werle, die in der Oberen Naturschutzbehörde für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zuständig ist. Außerdem besiedelt die Kreuzkröte das Gewässer nur, wenn sich keine anderen Amphibienarten oder Fische darin befinden.

Durch die Regulierung der Gewässer kommt sie heute nur noch vereinzelt vor. Die vielen Populationen liegen zudem oft sehr isoliert zueinander. Gibt es jedoch keinen Verbund zu anderen Populationen, besteht die Gefahr einer genetischen Verarmung und es droht ein Aussterben von regionalen Vorkommen.

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