13. Juli 2018, 21:56 Uhr

»Kunst in Licher Scheunen« ohne Dr. Roth

13. Juli 2018, 21:56 Uhr
»Kunst in Licher Scheunen« hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Nun ist Initiator Dr. Erhard Roth gestorben, doch das originelle Festival wird im September wieder stattfinden. (Archivfotos: con/us)

Lich (us/pm). Er wusste, dass er schwer krank war, doch die Planungen für »Kunst in Licher Scheunen« trieb er weiter voran. Vollenden konnte er sie nicht. Am 2. Juli ist Dr. Erhard Roth, der Erfinder des populären Kunstfestivals, im Alter von 65 Jahren gestorben. Die Veranstaltung, in die er so viel Begeisterung gesteckt hat, wird es weiter geben. Roths Mitstreiter von »Lich erleben e.V.« und der Projektgruppe »Fahr’ nach Lich« können auf den Vorbereitungen ihres verstorbenen Freundes aufbauen. Und so werden am 8. und 9. September in Scheunen, Werkstätten und an anderen Orten wieder Arbeiten von mehr als 50 Künstlern zu sehen sein.

In einem Nachruf haben Weggefährten Roths aus der Licher Kulturszene an den Neurologen erinnert. »Er war ein engagierter Arzt, der rund um die Uhr für seine Patienten da war. Und er war in seiner Freizeit unermüdlich unterwegs in Sachen Kunst und Kultur.« Roth sei es darum gegangen, regionale Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Dahinter habe sein Bestreben gestanden, etwas für die Attraktivität von Lich zu tun.

Der Architekt Paul Martin Lied hat Roth 2004 als Initiator des Ladens »Quintessenz« kennen gelernt, in dem Künstler aus der Region ihre Werke verkaufen konnten. Beide bewegte die Frage, wie man das Licher Stadtleben attraktiv gestalten könnte. Paul Martin Lied hatte die Idee, Künstler oder Vereine in leeren Schaufenstern und Läden ausstellen zu lassen. Doch er hatte Hemmungen, die Ladenbesitzer anzusprechen. Für Erhard Roth war das kein Problem. »Er lief und radelte fröhlich durch Lich, manchmal noch mit einer Enkelin im Tragetuch, und wusste auf unkomplizierte Weise mit jedem ins Gespräch zu kommen und für Ideen zu begeistern«, erinnert sich der Architekt. Mittlerweile sind die »Schaufensteransichten« aus den Licher Kulturtagen nicht mehr wegzudenken.

Doch Roth wollte mehr. Bei seinen Plaudertouren hatte er leer stehende Scheunen, alte Werkstätten und Hinterhäuser mit historischen Ladeneinrichtungen kennengelernt. Dort, so fand er, sollte Kunst ausgestellt werden. Aus dieser Idee wurde Roths 200-Prozent-Projekt. »Kunst in Licher Scheunen« ist seit 2013 ein großer Erfolg und fester Bestandteil nicht nur des Licher, sondern des mittelhessischen Veranstaltungskalenders.

Seine Wegbegleiter würdigen Dr. Roth als Netzwerker und Querdenker. Er habe die große Gabe gehabt, Menschen zusammenzubringen und zu begeistern. Dank seines unerschütterlichen Optimismus habe er immer einen Weg gefunden, Unmögliches möglich zu machen.

Auch Lichs Kulturkoordinator Peter Damm betrauert den Verlust. Nach Dorothea Gräfin Razumovsky und Franz-Gerd Richarz verliere Lich mit Roth erneut einen Menschen, der in der Stadt viel bewegt habe. »Er wird uns fehlen.«

Paul Martin Lied und die anderen Mitstreiter wollen im Sinne des Verstorbenen versuchen, »Dinge zum Besseren zu wenden und anderen und uns Freude zu bereiten«. Wenn am Samstag, dem 8. September, um 11 Uhr die sechste Auflage von »Kunst in Licher Scheunen« auf der Rathaustreppe eröffnet wird, wollen sie den Einsatz von Dr. Erhard Roth noch einmal ins Gedächtnis rufen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeiten
  • Gräfinnen und Grafen
  • Ideen
  • Kulturszene
  • Kulturtage
  • Kunst- und Kulturfestivals
  • Nekrolog
  • Paul Martin
  • Peter Damm
  • Schaufenster
  • Stadtleben
  • Ursula Sommerlad
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos