22. Februar 2019, 22:11 Uhr

Lehrer musste bei Beerdigungen helfen

22. Februar 2019, 22:11 Uhr
Die Hauswirtschaftsklasse der Fortbildungsschule Steinheim 1919. (Archivfoto: Schmidt)

Schüler mussten Brennholz mit in den Unterricht bringen und der Lehrer wurde in Korn und Getreide bezahlt. Solche und andere Berichte gab es in der Schulchronik von Steinheim zu lesen. Zumindest, wenn man sie lesen konnte. Denn der Autor dieser Chronik, Konrad Beppler, verfasste diese in Kurrent, einer alten deutschen Schreibschrift, die heute nicht mehr jeder lesen, geschweige denn schreiben kann.

Konrad Beppler war von 1912 bis 1930 Lehrer an der Schule in Steinheim und schrieb die Schulchronik aus reiner Neugier auf die Geschichte des Dorfes. Zugute kam ihm dabei, dass in Steinheim viele Dokumente aufbewahrt wurden, die ihm beim Erstellen der Chronik halfen. Die fertiggestellte Chronik beschreibt die Geschichte der Schule und natürlich auch des Dorfes von der Schulgründung in Jahr 1787 bis in das Jahr 1930, in welchem Beppler von Steinheim nach Wetzlar umzog.

Gunter Schmidt hatte es sich im letzten Jahr zur Aufgabe gemacht, die komplette Schulchronik Konrad Bepplers in lateinische Schrift zu übertragen, um so ein Stück Geschichte weiterhin zugänglich zu machen. Am Dienstagabend konnte er im Steinheimer Bürgerhaus das vollendete Buch vorstellen, welches sowohl einen Abdruck der Kurrent-Handschrift Konrad Bepplers, als auch die moderne Schreibweise enthält. In der Chronik lassen sich allerlei Geschichten zum Leben rund um die Schule in Steinheim finden, auch die eine oder andere befremdliche oder amüsante Geschichte.

Entschädigung an Rodheimer Lehrer

Im Jahr 1772 gab es erstmals eine Bitte, Steinheim eine eigene Schule zu bauen, denn bis dahin mussten die Steinheimer Kinder nach Rodheim in die Schule, da Rodheim der Kirchenort war. 1787 stellte der damalige Gießener Regierungsrat von Grollmann eine Abtretungsurkunde aus. Damit bekam Rodheim eine eigene Schule und natürlich auch einen eigenen Lehrer. Die Abtretungsurkunde war dabei an ein paar Forderungen gebunden: So mussten die Steinheimer Kinder Holzscheite zum Heizen mit in den Unterricht bringen und der Lehrer wurde hauptsächlich mit Naturalien wie Korn und Getreide bezahlt. Des Weiteren hatte der Lehrer in Steinheim die Pflicht, bei Beerdigungen und Hochzeiten zu helfen, beispielsweise dergestalt, dass er die Orgel spielen musste, wofür er auch einen kleinen Extralohn bekam. Davon musste er aber einen Teil an den Rodheimer Lehrer abtreten, sozusagen als Entschädigung für die Kinder, die nun nicht mehr in Rodheim zur Schule gingen.

Aus Briefen und Dokumenten der Steinheimer Lehrer kann man den ein oder anderen Einblick in den Alltag der letzten knapp 200 Jahre gewinnen, bei denen manches heute etwas seltsam anmuten mag. So lässt sich zum Beispiel in einem Beschwerdebrief des fünften Steinheimer Lehrers, Carl Conrad Spamer, an den damaligen Rodheimer Pfarrer lesen, dass aufgrund enormer Regenfälle der Schulhof geradezu überflutet sei und der im Hof angelegte Misthaufen sich über den ganzen Hof verteilt habe, da ein Nachbar den ihm zugewandten Abfluss des Misthaufens während einer Schulvakanz wohl zugemauert haben musste.

Auf jeden Fall bietet die Schulchronik Konrad Bepplers, welche nun dank Gunter Schmidt für jeden Interessierten zugänglich ist, einen einmaligen Einblick in die Vergangenheit.

Die Chronik kann bei Gunter Schmidt unter Tel. 0 64 02/5 01 70 bestellt werden. Der Preis liegt bei 12 Euro.

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