13. Dezember 2018, 22:11 Uhr

Letzte Fahrt nach Siebenbürgen

13. Dezember 2018, 22:11 Uhr
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Von Roger Schmidt

Wenn der 77-jährige Friedhelm Rüb auf die vergangenen 30 Jahre zurückblickt, dann ist er voller Dankbarkeit über die Begegnungen mit den Menschen in Siebenbürgen/Rumänien. Der sozial engagierte Dorf-Güller ist Gründer der Pohlheimer Rumänienhilfe. Nun endet die Geschichte dieser Institution.

1988 wurde Rüb durch einen Vortrag der Süd-Ost-Europa-Mission in der evangelischen Stadtmission auf die schlechte Situation, vor allem in der Krankenversorgung in dem Balkan-Staat aufmerksam. Der Krankenpfleger und damalige Pflegedienstleiter im Krankenhaus in Lich wollte helfen. 1991 reiste er erstmals mit einem Team von drei Personen mit Hilfsgütern nach Rumänien. Es folgten 28 Jahre jährlich bis zu vier Transporte von meist medizinischem Gerät, Zimmerausstattung und Medikamenten. Ende dieses Jahres beendet der 1991 offiziell gegründete Verein seine humanitäre Tätigkeit – das Ende eines Lebensabschnitts für Rüb.

Rumänien hat sich verändert, vieles ist für die Menschen dort besser geworden, auch in Krankenhäusern und Schulen, freut er sich. Darum fällt seine Bilanz auch mit Blick auf die vielen Menschen, denen geholfen werden konnte, positiv aus.

Seine christliche Überzeugung trägt Rüb durch sein Leben. Zu seinem 50. Geburtstag verzichtete er auf Geschenke, bat stattdessen um Spenden für Siebenbürgen. Dort hatte er zuvor Menschen erlebt, die ohne Behandlung mit notwendigen Infusionen oder auch Insulin auf einfachsten Eisenbetten ohne Matratzen starben. »Du kannst nicht einfach so tun, als hättest du das nicht gesehen«, sagt er noch heute über diese für ihn und sein Team bleibenden Erinnerungen. Der Hilfstransport aus seinen Geburtstagsspenden war dann der erste Dominostein für ihn, der die Reihe von über 500 Hilfstransporten eröffnete. Insgesamt kamen so über die Jahre Hilfsgüter im Gesamtwert von rund drei Millionen Euro zusammen, hat er ausgerechnet.

Die Strecke von 1800 Kilometern nach Siebenbürgen war immer voller Abenteuer, nicht weniger als drei Ländergrenzen waren damals mit allen Formalitäten zu bewältigen. Allein die Wartezeit an der ungarisch-rumänischen Grenze betrug bis zu zwölf Stunden. Korruption war gerade nach dem Fall des »Eisernen Vorhangs« bei den damaligen Zollbeamten alltäglich, so war beispielsweise Kaffee und Schokolade fest im Kontingent für die Zöllner eingepreist. Bis zu zwölf Helfer, darunter Mitarbeiter des Licher Krankenhauses wie Jochen Toran oder Volker Wiegand vom Deutschen Roten Kreuz, waren anfangs neben Rüb mit unterwegs.

In Tirnaveni angekommen, wurden sie freudig erwartet. Aber nicht nur das Krankenhaus wurde dort versorgt, sondern auch Kinder in Kindergärten und Schulen sowie Senioren in entsprechenden Einrichtungen wurden bedacht. Unterschiede in der Hilfe vor Ort wurden bei der Rumänienhilfe nie gemacht, sagt Rüb. Es wurde über die Jahre eine Schulspeisung eingeführt, die nur das Kind bekam, das auch die Schule besuchte. Das war damals nicht selbstverständlich, und so waren die Lehrer entsprechend dankbar über die Rumänienhilfe, die mit ihrer Aktion half, den wichtigen Schulbesuch populär zu machen. Für 7000 Euro wurde 2004 eine Zahnbehandlungseinheit gekauft, die bis heute in Betrieb ist. Dazu wurde eine Zahnärztin eingestellt. Es wurden Toiletten im Kinderheim Tirgu Mures durch die Helfer gebaut, das Krankenhaus wurde renoviert und eine neue Heizung installiert. Das alles aus Spendengeldern, die die 100 Mitglieder auch mithilfe von heimischen Unternehmen und Unterstützern gesammelt hatten. Dass sich dabei auch menschliche Beziehungen entwickelten, die weit über Oberflächliches hinausgehen, freut Rüb. 2015 heiratete sein deutscher Helfer Jürgen Bogner eine als Dolmetscherin tätige Einheimische. Beide leben dort gemeinsam glücklich.

Nach der offiziellen Auflösung des Vereins der Pohlheimer Rumänienhilfe Ende Dezember werden in den nachfolgenden Monate noch einige Dinge abgewickelt werden müssen, erklärt Rüb. Am Ende geht dann das verbliebene Vereinsvermögen satzungsgemäß an die Süd-Ost-Europa-Mission. Bei ihr hat alles seinen Anfang genommen, dort wird die Geschichte auch enden. Die Projekte wie auch die ambulante Pflegestation werden von Partnern vor Ort weitergeführt. Für Nachhaltigkeit ist gesorgt. Im April 2019 reist Rüb noch einmal nach Siebenbürgen. Dann wird er von den Stadtoffiziellen in Siebenbürgen verabschiedet. Sein Dank aber gilt all denen, die über die Jahre halfen.



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