22. August 2017, 21:58 Uhr

Missbrauch nicht nachweisbar

22. August 2017, 21:58 Uhr

Vier Jahre und vier Monate Knast – das ist kein Pappenstiel. Trotzdem sei die Sache für den Angeklagten noch »außerordentlich gut gelaufen«, befand Vorsitzender Richter Dr. Klaus Bergmann am Dienstag bei der Urteilsverkündung vor der Neunten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts. Kein Wunder, denn der Lindener hätte auch noch einige Jahre mehr kassieren können. Die Staatsanwaltschaft war nämlich davon ausgegangen, dass der 26-Jährige im Dezember 2015 zwei psychisch beeinträchtigte Mädchen – 15 und 17 Jahre alt – erst mit Drogen abgefüllt und sich dann an der einen vergangen hatte (die GAZ berichtete). »Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen« lautet der offizielle Terminus dafür und kann mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden.

Das war nach Auffassung der Kammer jedoch nicht der Fall. Zwar hatte der Angeklagte in seiner Wohnung Sex mit der 17-Jährigen gehabt. Die war aber trotz des Cannabiskonsums nicht willenlos gewesen, wie ein medizinischer Gutachter feststellte.

Unterbringung in Entzugsklinik

Die inzwischen Volljährige habe als Zeugin selbst gesagt, sie habe gemerkt, dass der Mann Sex mit ihr haben wollte. Sie habe geglaubt, dies sei eine Art »Gegenleistung« für die Drogen, an denen sie »sehr interessiert« war, wie Bergmann betonte. Auch sei die junge Frau zusammen mit ihrer Freundin auf den Angeklagten zugegangen, da beide eine Bleibe suchten, nachdem sie aus einer psychotherapeutischen Einrichtung weggelaufen waren. Der Angeklagte, der stets beteuert hatte, mit der 17-Jährigen einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, habe die Frauen auch nicht in seiner Wohnung festgehalten. Sie hätten jederzeit gehen können. Gleichwohl ermahnte der Richter den mehrfach vorbestraften Täter eindringlich. »Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.« Es habe schon einmal einen solchen Fall gegeben, in dem der Angeklagte mit Minderjährigen erst Drogen konsumiert und es danach zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Damals wie heute konnte dem selbst drogenabhängigen Mann nur nachgewiesen werden, dass er Rauschgift an Minderjährige weitergab. Nach dem aktuellen Urteil wird er parallel zur Haft in einer Entzugsklinik untergebracht.

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