05. Februar 2019, 21:25 Uhr

Mit dem Klo in die Bütt

Ob als Weltenbummler mit Koffer oder aber als Don Kosake mit fahrbarer Toilettenschüssel – wenn Thorsten Fett in der Bütt steht, ist gute Stimmung garantiert. Eine Sache allerdings ist für den Mann aus Utphe tabu: Von der Politik lässt er die Finger.
05. Februar 2019, 21:25 Uhr
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Von Christina Jung
Ob auf der rollenden Toilette, einem Schiff oder völlig ohne fahrbaren Untersatz – Singen gehört für Büttenredner Thorsten Fett bei jedem Auftritt dazu. (Archivfoto: pad)

1994 stand er das erste Mal in der Bütt. Damals noch mit einer befreundeten Sängerin. Sie mimte eine Frau aus dem Vogelsberg, er einen Pfarrer. Das kam bei der Utpher Narrenschar so gut an, dass sich Thorsten Fett bald vor Anfragen von Veranstaltern kaum noch retten konnte. Heute steht der 38-Jährige während der Faschingskampagne bis zu 20-mal auf der Bühne. Ob Bellersheim, Buseck oder Berstadt – bei den Karnevalisten zwischen Lollar und Wölfersheim sind seine Gags total gefragt.

Dabei hatte Fett in jungen Jahren mit Fasching eigentlich gar nichts am Hut. »Ich wollte singen, bin mit 14 in den Gesangverein eingetreten«, erzählt er. Margit Zoll, ebenfalls Sängerin, überredete ihn damals, gemeinsam mit ihr bei der Prunksitzung aufzutreten. Das ist 25 Jahre her, der gemischte Chor existiert nicht mehr und dem Gesang frönt Fett nur noch privat. Beim Karneval allerdings ist er geblieben, hat seit 2005 als Sitzungspräsident sogar den Chefposten beim Utpher Karneval inne. »Mein Vorgänger Klaus-Dieter Oppler hörte auf und ich habe gesagt bekommen: Du machst das jetzt«, so Fett. »Von da an gab es kein Zurück mehr.«

Der Bütt blieb der Utpher treu. Ob als singender Don Kosake auf dem Klo oder mit eigens gezimmertem Überseekoffer auf Weltreise, Thorsten Fett ist ein Garant für gute Stimmung. Das Besondere an seinen Beiträgen ist die Kombination aus Text und Gesang. Keine gereimten Verse, sondern verschiedene Witze, die er zu einer Geschichte formt. Dazwischen wird immer wieder gesungen. Lieder, die das Publikum kennt und mitträllern kann.

Ideen für seine Beiträge sammelt Fett das ganze Jahr über. »Immer wenn ich einen Witz höre, zum Beispiel im Radio, Fernsehen oder in der Kneipe, schreibe ich ihn auf und lege das Papier zur Seite«, berichtet er. Im Herbst sucht sich der Büttenredner dann die Person aus, die er verkörpern möchte. Und erst zwei bis drei Tage vor dem ersten Auftritt gießt er seine Sammlung in einen Beitrag.

Das läuft nicht ohne Nachtschicht ab, denn beruflich hat der selbstständige Gas-Wasser-Installateur zur Faschingszeit Hochsaison und eigentlich gar keine Zeit für Hobbys. Dennoch liegen im Morgengrauen immer acht bis zehn handschriftlich verfasste Seiten auf dem Tisch, die es auswendig zu lernen gilt. Denn: »Wenn ich etwas vortrage, mag ich es nicht, lauter Zettel in der Hand zu haben.« Wie aus dem Effeff müsse die Rede kommen. »Nur so kann ich auch auf das Publikum eingehen«, sagt Fett.

Ob er schon mal mit einem Thema daneben lag? »Nein«, versichert Fett. Im Gegenteil: »Jedes Jahr denke ich, das kann ich nicht mehr toppen. Und doch gelingt es immer wieder.« Das Publikum ist total aus dem Häuschen, und die Vereine buchen den Utpher gleich für das darauffolgende Jahr. Allen gerecht zu werden, ist dabei eine logistische Herausforderung. Bis zu drei Sitzungen pro Abend muss Fett unterbringen, wenn er niemandem absagen will. Da zwischen den Ortschaften oft viele Kilometer liegen, muss der Vater zweier Jungs genau planen.

Die Kostüme für seine »Figuren« kauft Fett zwischen den Jahren. Meist fährt er dafür nach Frankfurt. Außerdem sammelt er vom Hut über den Schal bis zum Kittel alles, was er vielleicht irgendwann noch verwenden kann. Sein Fundus nimmt mittlerweile einen Großteil des Kleiderschrankes ein. Ein paar Hundert Euro investiert Fett in jede Kamapgne, denn neben dem närrischen Zwirn sind oft noch Requisiten anzuschaffen. In diesem Jahr sollte es ein Überseekoffer sein, mit dem Fett als Weltenbummler daherkommt. Da er nicht fündig wurde, zimmerte er sich kurzerhand selbst einen.

Und was geht für den Büttenredner Fett gar nicht? »Politik ist für mich tabu«, sagt er. Weil er findet, dass politische Themen nicht zum hiesigen Karneval passen. »Das sollen die in Köln und Düsseldorf machen.«



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