11. Mai 2018, 22:16 Uhr

Natur als Zeichen göttlicher Gesetze

11. Mai 2018, 22:16 Uhr
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Aus der Redaktion

Das Forum für Völkerverständigung Lich veranstaltete am Dienstag einen gut besuchten Vortragsabend unter dem Thema »Goethe und der Islam«. Referentin Jutta Dörrenhaus zeigte den Zuhörern den Geheimen Legationsrat von einer anderen Seite. Goethe pflegte ein spezielles Verhältnis zum Islam und kannte sich im Koran aus. Er ließ sich für seinen West-östlichen Divan von vielen Suren inspirieren.

Darin glich er seinem Vorbild, dem 1385 verstorbenen persischen Dichter und Mystiker Hafiz, in dem Goethe einen Geistesverwandten erkannte: »Hafiz gehörte der ganze Koran«. Goethe studierte auch arabische Bücher über die Lebensgeschichte des Propheten Mohammed und pflegte einen umfangreichen Austausch mit Orientalisten aus ganz Deutschland.

Er nahm in Jena das Studium der arabischen Schriftzeichen auf und sammelte alte arabische Handschriften. Der Naturforscher Goethe war davon überzeugt, dass Gott sich in der Natur offenbare und notierte einige Verse des Koran, die den Menschen anweisen, dass er die Natur in all ihren Erscheinungsformen als Zeichen göttlicher Gesetze betrachten möge.

Der Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani lobt, dass Goethe in einer Zeit, als der Islam hierzulande eher exotische Projektionsfläche als Alltagsrealität war, sich besser mit ihm auskannte als die meisten europäischen Intellektuellen heute. Unterstützt wurde die Referentin von Simone Ruhotina, die den Vortrag mit Auszügen aus den Gedichten des West-östlichen Divans gekonnt untermalte. Abschließend wies die Referentin auf den Dichter R.M. Rilke hin, der sich auch intensiv mit dem Islam auseinandersetzte und mehrere Gedichte vor diesem Hintergrund der Nachwelt übermittelte.



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