24. Juli 2019, 13:00 Uhr

Neue CD erscheint am Freitag

Neue CD: Amigos singen für Greta

Kurz vor ihrem 50-jährigen Jubiläum veröffentlichen die Amigos am kommenden Freitag ihre neue CD mit dem Titel »Babylon«. Darin stimmen sie eine Hymne auf die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg an. Gleichzeitig denken sie darüber nach, kürzer zu treten. Und sie reagieren auf einen üblen Spruch Jan Böhmermanns.
24. Juli 2019, 13:00 Uhr
Die Amigos feiern im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Bernd (r.) und Karl-Heinz Ulrich wollen dann die Lieder, die sie zu Beginn ihrer musikalischen Karriere geschrieben und gespielt haben, neu aufnehmen. (Foto: Kerstin Joensson/Ariola)

Herzschmerz durchdringt wieder die Lieder, angetrieben von Discofox-Rythmen im Viervierteltakt - und begleitet von Texten mit einer Portion Kitsch: Am kommenden Freitag veröffentlichen die Amigos aus Hungen im 50. Jahr ihrer Laufbahn ihr inzwischen 33. Album. »Babylon« heißt es. Wer hineinhört, entdeckt allerdings auch bemerkenswert ernste Themen und finstere Töne. »Worüber sollen wir denn singen?«, sagt Bernd Ulrich. »Über die heile Welt? Ich sehe sie nicht mehr.«

Im Refrain der 13. von 16 Nummern auf dem Album singen die Amigos: »Schattenreiter, die siehst du am Horizont jede Nacht. Sie warnen vor dem Untergang, bevor ein neuer Tag erwacht.« Bernd und Karl-Heinz Ulrich stimmen ein Lied gegen die Umweltverschmutzung an. Die Brüder wollen das Stück als Hymne an die junge Aktivistin Greta Thunberg verstanden wissen.

Die habe etwas losgetreten, sagt Bernd Ulrich, er nennt sie »die kleine Schwedin«. Dann fügt er hinzu: »Junge Menschen gehen auf die Straße und kämpfen für ihre Zukunft Phänomenal.« Der 68-Jährige redet sich in Rage, schimpft über Verpackungsmüll. Die Industrie müsse endlich anfangen, darauf zu verzichten. »Das ist das Schlimmste, was es gibt«, sagt er. »Scheiß auf Bio, wenn die Bananen in Plastik eingepackt sind. Das ist doch bekloppt.«

Immer wieder greifen die Amigos in ihren Stücken ernste Themen auf. Sie singen über weiße Kreuze, die an Autobahnen und Landstraßen an Opfer von Verkehrsunfällen erinnern. Ihre Lieder handeln von Obdachlosigkeit und Kindesmissbrauch. »Wir wollen Zeichen setzen«, sagt Karl-Heinz Ulrich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Beim Thema Pädophile regt er sich auf: »Das ist das Allerletzte.« Äußern sich die Amigos zu gesellschaftspolitischen Themen, bleiben ihre Antworten bisweilen an der Oberfläche und klingen nach Stammtisch. Man wolle durchaus sozialkritisch sein, betont Bernd Ulrich - aber nicht mit einem hohen künstlerischen Anspruch. Es ist den Amigos anzurechnen, dass sie sich an schwierige Themen wagen. Kollegen in der Branche hätten dies auch schon kritisiert, erzählen sie. »Wir haben so viele Fans, denen genau das gefällt, was wir machen«, hält dann aber Bernd Ulrich fest. »Wir werden unseren Stil nicht ändern. Wir singen, was wir fühlen und was aus dem Herzen kommt.«

Mit Kritik müssen sich die Amigos seit Jahren auseinandersetzen. Auch mit Hass, vor allem im Internet. Vor zwei Jahren hat TV-Komiker Jan Böhmermann die Amigos mit einem Spruch attackiert. »Wenn ich an Schlager denke, dann denke ich an diese beiden, die immer so aussehen, als hätten sie gerade ihre Ehefrauen im Garten verbuddelt«, sagte Böhmermann und fügte hinzu: »Diese Horror-Zwillinge.«

Man sei in der Vergangenheit »von einigen Vollpfosten« beleidigt worden, berichtet Karl-Heinz Ulrich. Sein Bruder winkt ab. »Ich freue mich, wenn wir Menschen Beschäftigung geben können.« Böhmermann verdiene damit Geld, sich über andere lustig zu machen. »Ich habe ihm mit einem Brief geantwortet«, erzählt er. »Wir haben ihm angeboten, ihm einen Urlaub in der Türkei zu spendieren. Da soll er dann mit Präsident Erdogan einen Kaffee trinken.«

Wer üble Scherze verbreite, sagt Bernd Ulrich, »soll anschließend in den Keller gehen und mit der Wasseruhr spielen. So egal ist mir das.«

Derzeit sind die Amigos in Salzburg. Im Radio und in TV-Sendungen werben sie für ihr neues Album »Babylon«. In Liedern anderer Künstler steht Babylon im Sinne des Alten Testaments für einen Ort der Versklavung, der Gefangenschaft und des Exils. »Wir besingen Babylon als mystisches und mythisches fruchtbares Zweistromland, in dem ein Engel geboren wird, der Glück über die Menschheit bringt«, sagt Bernd Ulrich.

Im Jahr 1970 gründeten die Brüder die Amigos, heute eines der erfolgreichsten deutschen Schlager-Duos. Bis die Fans ihnen in Scharen zujubelten, hat es allerdings gedauert. Daheim, in einer umgebauten Garage, machten sie Musik, spielten auf Kirmesveranstaltungen und auf Dorffesten, arbeiteten als Bierbrauer und Lastwagenfahrer. 2006 gelang ihnen dann aber der Durchbruch in der TV-Show »Achims Hitparade« im MDR. Sie entschlossen sich, hauptberuflich Schlager zu singen. Mittlerweile absolvieren sie rund 150 Auftritte pro Jahr, »Die Musik hat uns zu Millionären gemacht«, sagt der 70 Jahre alte Karl-Heinz Ulrich. »Wir sind aber normal geblieben und machen keinen Blödsinn.«

Im kommenden Jahr feiern die Amigos ihr 50-jähriges Jubiläum. Dann allerdings denken sie darüber nach, allmählich kürzer zu treten. »Bis nächstes Jahr gilt unserer Plattenvertrag«, sagt Bernd Ulrich. »Dann sehen wir weiter.« Für den Ruhestand gebe es keinen Zeitpunkt, sagt er. »Wann das ist, sagen wir selbst klipp und klar.« Die Musik und die Fans gäben ihnen noch viel Energie und Kraft. »Da brauchst du kein Trampolin.« Ans komplette Aufhören denke man noch lange nicht. »Was willst du dann machen? Zuhause sitzen und Schäfchen zählen? Wir haben gerade erst angefangen.«

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