13. November 2018, 21:26 Uhr

Neue Sicht auf alte Technik

13. November 2018, 21:26 Uhr
Grafiker Bodo W. Klös (l.) und Bildhauer Markus Thorn vor Arthur Diekhoffs »Nixen«. (Foto: usw)

Eine ungewöhnliche Ausstellung zum Thema Druckgrafik eröffnete jetzt in der »Edition noir« in Nieder-Bessingen. Begleitet von einem Vortrag von Wolfgang Grätz, dem Grafikverleger der Büchergilde, war das ein doppelt interessanter Abend: zum eigentlichen Schaugenuss kam auch noch eine kundig-wissenswerte Übersicht über die Technik. Die Eröffnung am Freitagabend war gut besucht.

Galeristin Birgit Klös freute sich, nun ein Thema zu realisieren, das sie schon lange gereizt hatte: »Ich wollte schon immer mal einen Schwerpunkt auf Grafik legen«, sagte sie, und nun war mit Grätz ein großer Kenner der Entwicklung und Technik der Druckgrafik verfügbar. Parallel zu dieser hoch attraktiven Schau ganz verschiedener Drucke waren Skulpturen des Beilsteiner Bildhauers Markus Thorn zu sehen.

»Der Hochdruck ist die älteste grafische Technik überhaupt«, sagte Grätz in seinem erhellenden und kurzweiligen Vortrag. »Schon die Ägypter arbeiteten mit Steinstempeln, und die Chinesen nutzten sie. Das lag daran, dass dort schon im ersten nachchristlichen Jahrhundert Papier entdeckt wurde. Es dauerte 1200 Jahre, bis in Deutschland Papier hergestellt wurde, solange wurde auf Pergament, also Tierhäuten, gezeichnet und gemalt. Es war sehr aufwendig, so überhaupt einen Träger für ein Bild herzustellen. Die ersten Papierbilder waren noch einseitig bedruckt.« Grätz gab einen lebendigen Überblick über die Entwicklung der Verfahren hin zum Holz-Mehrfarbendruck heute. Der erste deutsche Farbholzschnitt erschien 1519.

Ein Farbholzschnitt entsteht

Besonders interessant war die Demonstration der Entstehung eines Farbholzschnitts anhand verschiedener Vorstufen mit der Technik der verlorenen Form am Beispiel einer Arbeit von Klaus Süß. Dabei wird der Druckstock jeweils für die verschiedenen Farben verändert und ist für eine Wiederholung unbrauchbar, »verloren«.

Grätz brachte zudem einen sehr interessanten Schaukasten mit nach Nieder-Bessingen, in dem man die aufwändige Entstehung eines kleinen Holzdrucks in all seinen verschiedenen Stadien gemeinsam mit den Werkzeugen betrachten kann.

Abgesehen von diesem Einblick erwartet den Besucher eine reichhaltige, sehr abwechslungsreiche, sehr gut kuratierte Schau mit eindrucksvollen Bildern, besonders farblich. Der inhaltliche Wandel des Holzdrucks spiegelt sich deutlich in den Werken. Da sind einerseits klassische Bilder wie die von Süß, aber auch moderne, fast fotorealistische und dennoch sinnliche Arbeiten wie etwa Arthur Dieckhofs »Der Kuss«. Zum anderen sieht man auch schöne ruhige Bilder wie etwa Petra Schuppenhauers »Aus dem Atlas eines ängstlichen Mannes« – ein ganz ruhiges Bild mit einem kleinen Segelschiff auf dem Meer. Abgesehen von den Informationen ist das eine sehr starke, sehenswerte Schau.

Zu sehen bis 22. Dezember in der »Edition noir« in Lich-Nieder-Bessingen (Ettingshäuser Str. 8) jeweils donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. Info unter Tel. 0 64 04/66 18 60.

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