03. Juni 2019, 05:00 Uhr

Badeseen

Noch immer keine Tests auf multiresistente Keime in Badeseen im Kreis Gießen

Die Badeseen im Landkreis Gießen erhalten im letzten Test Bestnoten. Doch noch immer werden sie nicht auf multiresistente Keime untersucht.
03. Juni 2019, 05:00 Uhr

Wer im Landkreis Gießen in den offiziellen Badeseen schwimmen möchte, der kann dies eigentlich unbeschwert tun. Die Überprüfungen des Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zeigen sowohl für das Licher Waldschwimmbad als auch den Heuchelheimer See II, den Wißmarer und den Launsbacher See beste Wasserqualität. Jedoch: Noch immer erfolgt keine Kontrolle, ob multiresistente Keime im Wasser vorhanden sind.

Niddastausee wieder Badesee

Wie das HLNUG mitteilte, sind alle offiziellen 61 hessischen Badeseen nach den Vorgaben der Europäischen Union kontrolliert worden. 57 wurden mit »Sehr gut«, vier mit »Gut« und eine Badestelle am Werratal mit »Ausreichend« bewertet. Lediglich der Niddastausee konnte 2018 nicht überprüft werden: Wegen Bauarbeiten an der Staumauer war das Wasser abgelassen. Da es in den Vorjahren jedoch nie Grund zu Bedenken gab, werde dieser See ab 29. Juni zum Baden freigegeben werden können, teilte das Amt mit.

Zudem erfolgen über die gesamte Badesaison weitere Kontrollen. Unter anderem wird bei diesen Untersuchungen auch auf Enterokokkoen und Escherichia coli getestet. Doch ein Test fehlt weiterhin: Noch immer werden die Gewässer nicht auf multiresistente Keime untersucht. Dass diese in hessischen Gewässern vorkommen, hatte eine Untersuchung in Frankfurt gezeigt: Im Dezember 2016 wurden in mehreren Bächen, darunter der Nidda, multiresistente Keime gefunden. Zuvor war ein Mann bei Frankfurt in einen Bach gefallen und hatte sich mit einem multiresistenten Keim angesteckt. Im Krankenhaus infizierte er weitere Menschen, drei Personen starben.

Landkreis nennt mehrfach neue Termine

Im April 2018 erklärte der Landkreis Gießen auf eine Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung: »Das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) plant eine Studie in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern. Danach wird eine Gefährdungsanalyse gemacht.« Damals hieß es, dass bis zur Badesaison aussagekräftige Antworten vorliegen sollten. Diese Zeitung fragte im Januar 2019 erneut bei der Kreisverwaltung nach. Da hieß es: »Verschiedene Landesuntersuchungsämter und zuständige Ministerien sind gemeinsam mit der Erarbeitung eines Überwachungsprogrammes und der einheitlichen Beurteilung der Untersuchungsergebnisse beschäftigt. Es wird erwartet, dass im Frühjahr 2019 umsetzbare Ergebnisse vorliegen.«

Noch keine EU-Vorgabe

Nun beginnt die Badesaison an den Seen - und noch immer gibt es keine Untersuchungen auf Vorkommen multiresistener Keime. Die Pressestelle des Landkreises antwortet auf die erneute Frage: »Es gibt noch keine Vorgaben, ob und wie auf multiresistente Keime Badewasser und/oder Wasser aus anderen Gewässern zu untersuchen sind. Die Badeseen werden routinemäßig lediglich auf Enterokokken und Escherichia coli untersucht.«

Auch beim HLNUG beruft man sich auf die Vorgaben der EG-Badegewässerrichtlinie, die solche Untersuchungen noch nicht vorsieht. »Je besser die hygienische Wasserqualität ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass antibiotikaresistente Bakterien in Badeseen vorkommen«, schreibt die Pressestelle auf Anfrage dieser Zeitung.

Nicht mit offenen Wunden baden

Dabei sieht das Amt das Risiko für ein Vorkommen solcher Bakterienstämme durchaus als gegeben an. So könnten Krankheitserreger und auch antibiotikaresistene Bakterien beispielsweise aus Abwasser- und Mischwasserleitungen sowie von mit Mist und Gülle gedüngten landwirtschaftlichen Flächen in die Badewässer gelangen. »Auch viele Menschen sind Träger resistenter Bakterien und können diese beim Baden in ein Badegewässer einbringen«, teilt das HLNUG mit. Zudem seien manche Bakterienstämme von Natur aus resistent.

Gefährlich werde dies jedoch nur, wenn aufgrund schlechter Wasserqualität generell besonders viele Bakterien im Wasser existieren. »Infektionen können dann mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auftreten« - und somit auch multiresistene Bakterien.

Das HLNUG schreibt: »Wer gesund ist, kann daher ohne Bedenken an allen Badegewässern ins Wasser gehen, die nicht von den Behörden gesperrt wurden, da diese regelmäßig überwacht werden. Aber: Wer Hauterkrankungen oder offene Wunden hat, längere Zeit Antibiotika einnimmt oder eine Immunschwäche hat, sollte vor dem Baden seinen Arzt fragen - und im Zweifel besser auf das Baden in Badegewässern verzichten.«

Dieser Rat dürfte zumindest so lange gelten, wie weiterhin nicht auf multiresistente Keime untersucht wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Badeseen
  • Badestellen
  • Bakterien
  • Bakterienstämme
  • Enterokokken
  • Escherichia coli
  • Resistenz gegen Antibiotika
  • Wassergüte
  • Wunden
  • Zeitungen
  • Kreis Gießen
  • Patrick Dehnhardt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos