22. Oktober 2018, 18:33 Uhr

Blutspenden

Ohne die Helfer vom DRK geht es nicht

Blut ist ein besonderer Saft. Schon weil er nicht künstlich herzustellen ist. Die Kliniken benötigen 15 000 Blutspenden – täglich. Ohne Ehrenamtler nicht zu schaffen. Ein Besuch beim DRK Rabenau.
22. Oktober 2018, 18:33 Uhr
Gut gelaunt beim Aderlass: Zwei Teilnehmer an der 125. Jubiläumsspende im Dorfgemeinschaftshaus Kesselbach. (Foto: tb)

Meist am Abend fließt das Blut. In Bürgerhäusern, Turnhallen, auch schon mal im Hinterzimmer einer Gastwirtschaft. Zum Glück, wie Zahlen des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen belegen, der allein in unserem Bundesland 110 Krankenhäuser mit Blut und Blutprodukten versorgt, so 90 Prozent des Bedarfs sicherstellt. Und klarstellt: »Ohne die Spendetermine stünden den Krankenhäusern keinerlei Blutkonserven mehr zur Verfügung.«

 

»Schoki« gegen Unterzuckerung

 

Dank also gebührt den Frauen und Männern, die je Termin 500 Milliliter des »ganz besonderen Safts« hergeben, so einen uneigennützigen Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Um dafür, anders als bei der Blutbank, keinen Euro erhalten.

Je nach Angebot und Jahreszeit gibt es in unseren Breitengraten stattdessen Streuselkuchen, Schnitzel oder Rippchen. Seltener Chilli con Carne, so wie an diesem Tag in Rabenau-Kesselbach. »Das ist schon eine Ausnahme«, gesteht Elli Haberkorn, Leiterin der Gruppe. Zum 125. Jubiläumstermin darf’s aber auch schon mal was Besonderes sein. Die Zahl basiert auf den Aufzeichnungen des Blutspendedienstes Hessen, die bis 1977 zurückreichen. Tatsächlich sind es viel mehr, schließlich gibt es in Kesselbach schon seit den 1930ern einen Rot-Kreuz-Verein.

Blut wollen sie alle, aber keiner will es geben

Wilfried Gontrum

Elli Haberkorn engagiert sich dort bereits seit 27 Jahren. Von ihr erfährt der unbedarfte Neuling auch, dass es neben Kuchen und Schnitzel immer eine Tafel Schokolade gibt: Das süße Etwas hebt den Blutzuckerspiegel, beugt Kreislaufproblemen nach der Entnahme vor.

Menschen wie Elli Haberkorn kümmern sich um die süßen Sünden und noch viel mehr. Aktuell kann sie auf 16 bis 18 Helfer zurückgreifen, für jeden der vier Termine im Jahr, schätzt sie, fallen 65 bis 70 Stunden an. Plakate aufhängen, Einkaufen, Kaffee kochen, Kaltgetränke besorgen, Tische und Stühle stellen, Aufräumen und, und, und. Zur Finanzierung der Auslagen bekommen die DRKler je Spender 7,70 Euro vom Blutspendedienst. Da heißt es Haushalten. Ist also irgendwo »Schoki« im Angebot, schlägt Haberkorn zu.

Mit Jugendarbeit neue Aktive gewinnen

Nicht anders als andere Vereinen, verzeichnet auch das Rote Kreuz einen leichten Mitgliederrückgang. Zumindest bei den Förderern. Zum Glück aber, so der DRK-Kreisverband Gießen-Marburg mit seinen acht Ortsvereinen im Kreis Gießen, nehme in den letzten Jahren die Zahl der Aktiven wieder zu. Dafür habe man aber auch einiges getan. Etwa die Verstärkung der Jugendarbeit, wozu die 30 Schulsanitätsdienste und Erste-Hilfe AGs zählen, oder die Unterstützung der Jugendrotkreuzgruppen. »Dadurch kommen Kinder und Jugendliche früh mit den Themen des DRK in Kontakt, wird häufig auch das Interesse an einer weitergehenden ehrenamtlichen Mitgliedschaft gewecktt.«

Auch bemühe sich der Kreisverband um möglichst gute Strukturen für Ehrenamtler, für die es nun hauptamtliche Ansprechpartner gebe. Weitere Beispiele seien die Neuanschaffung von Materialien, Ausstattungen und Fahrzeugen und das Generieren von festen Abläufen, die die Helfer bei ihren Aufgaben unterstützen und vieles erleichtern.

DRK: Wir verkaufen das Blut nicht

»Die verdienen doch damit, ich gehe zur Blutbank, da krieg ich das Geld« – Vorhaltungen wie diese bekommt das DRK immer wieder mal zu hören. Der Blutspendedienst lässt dies nicht gelten. Zum einen verfügten die deutschen Kliniken mehrheitlich gar nicht über eine solche Einrichtung. Und überhaupt: Zwar sei man ein eigenständiges Unternehmen, jedoch gemeinnützig. Wobei sich das auf die gesamte Wirkungskette, vom Spender bis zum Empfänger, beziehe.

Das Blut, so die gGmbH, werde auch nicht verkauft, vielmehr daraus hergestellte Präparate zu einem Preis an die Kliniken abgegeben, der alle Kosten decke. Für Bewerbung und Organisation der Spendetermine, Transport, Laboruntersuchungen, Weiterverarbeitung sowie Herstellung, Einlagerung und Auslieferung der Präparaten. Hinzu kämen enorme Investitionen in die Infrastruktur und Sicherheit der Blutprodukte. Schließlich: »Die Blutspendedienste erhalten keinerlei Geldspenden oder Subventionen von öffentlichen oder privaten Institutionen.«

Am späten Abend ist die Blutspende im DGH Kesselbach zu Ende. Das erhoffte Ziel »125 Spender beim 125. Termin« wurde mit 98 Teilnehmern verfehlt. Ein durchschnittlicher Wert. Um Rekorde geht es Elli Haberkorn aber ohnehin nicht. Auch nicht Gerhard Bäumler, der heute bereits zum 131. Mal einen halben Liter von diesem »besonderen Saft« gegeben hat. Ginge es nach ihm, würden mehr als drei Prozent der Deutschen seinem Vorbild folgen: »Blut wollen sie alle, aber keiner will es abgeben.«

Info

200 000 Helfer bei Blutspendeterminen

-  In Deutschland gibt es jährlich knapp 40 000 Spendentermine, durchgeführt werden die von DRK-Blutspendediensten, einer gemeinnützige GmbH.

-  Rund 200 000 Ehrenamtliche helfen allein in Hessen bei der Organisation der Spendetermine. Laut Blutspendedienst Baden-Würtemberg/Hessen sind und bleiben diese unerlässlich, zumal der Bedarf an Konserven steigt. Weil es immer mehr Patienten im hohen Alter gibt, die Zahl komplexer chirurgischer Eingriffe stetig steigt.

- Ebenso werde es weiter Notfallpatienten mit einer akuten Blutungssituation geben, bei denen die Transfusion mehrerer Fremdblutkonserven lebensrettend sei.

-  Aus dem Spenderblut wird zum einen Erythrozytenkonzentrat hergestellt. »Erys« oder rote Blutkörperchen sichern den Sauerstofftransport. Weitere Endprodukte sind Konzentrate aus Thrombozyten (Blutplättchen) und Blutplasma; beides Präparate zur Behandlung von Gerinnungsstörungen und Blutungneigungen.

- Spenden darf man zwischen dem 18. und 73. Lebensjahr, Männer sechsmal, Frauen viermal im Jahr (geringere Eisenreserve).

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