03. September 2018, 21:52 Uhr

Polizeidrohne

Pilotprojekt: Das fliegende Auge der Polizei

Jörg Kurzkurt sagt: »Na klar macht es Spaß.« Kurzkurt ist Polizist – und seit einigen Monaten Pilot. Drohnenpilot, um genau zu sein. Denn die Polizei geht neue Wege, nutzt neue Technik.
03. September 2018, 21:52 Uhr
Jörg Kurzkurt hält den Hexakopter in der Luft. Er darf die Drohne nie allein steigen lassen, braucht dafür immer einen zweiten Mann. Vorschrift ist Vorschrift. (Foto: nic)

Nein, kein Bürger muss Angst haben, ausgespäht zu werden, versichert Polizist Jörg Kurzkurt. Nur, wenn es einen konkreten Anlass gibt, darf er die Drohne steigen lassen. Und dann auch nur mit Erlaubnis aus der Chef-Etage. Verdeckte Ermittlungen sind tabu.

Sechs Monate, von Anfang Februar bis Ende Juli, lief das Drohnen-Pilotprojekt des hessischen Landespolizeipräsidiums. Sieben Polizisten an drei Standorten waren zuvor bei der Fliegerstaffel in Egelsbach zu Drohnenpiloten ausgebildet worden. Unter ihnen Jörg Kurzkurt und Dirk Bepler, beide arbeiten bei der Butzbacher Autobahnpolizei. In einem zweiwöchigen Lehrgang lernten sie, was sie mit der Drohne machen dürfen und was nicht.

 

Einsatz nach Messerattacke

 

In den vergangenen Monaten ließen sie die Drohne, die mit einer Kamera ausgestattet ist, öfter nach Verkehrsunfällen in die Luft, machten hochauflösende Fotos. »Man kann darauf alles sehr gut erkennen.« Selbst Lackreste an der Leitplanke. »Kürzlich waren wir bei einem Lkw-Unfall.« Der Fahrer hatte einen Fehler gemacht, geriet in den Gegenverkehr, drei Menschen wurden getötet. »Wir konnten den Unfallhergang anhand der Luftbilder in Kombination mit dem Fahrtenschreiber des Lkw sehr gut rekonstruieren«, sagt Kurzkurt.

Er ist mit der Drohne immer dort im Einsatz, wo er gebraucht wird. Etwa in Buseck, wo am 22. Mai auf einem Bahnübergang eine Regionalbahn und ein Lkw zusammenstießen und 17 Menschen verletzt wurden. Kurzkurt ließ die Drohne steigen, machte Fotos von der gut 300 Meter langen Unfallstelle.

Er wurde auch nach einer Messerattacke in Wetzlar zur Hilfe gerufen. Ein 30-Jähriger hatte in der Innenstadt einen 44-Jährigen angegriffen. Das Opfer starb. Kurzkurt ließ die Drohne knapp zwei Meter in die Luft, flog die letzten Meter des Täters und des Opfers ab, fertigte einen Film, dokumentierte den Tatort. »So bekommt der Richter einen guten Eindruck«, erklärt er.

 

Kein Einsatz bei Demos

 

Jeder Drohnen-Einsatz unterliegt genauen Regeln: Geflogen werden darf nur auf Sicht, tagsüber und maximal 50 Meter hoch. Kurzkurt darf die Drohne nie alleine steigen lassen, braucht immer jemanden, der ihn unterstützt. Über Menschenmengen darf ebensowenig geflogen werden wie bei Demonstrationen. Auch nach Vermissten wird mit der Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet werden könnte, nicht gesucht.

Die Drohne – ein Hexacopter, der über sechs Rotoren Auftrieb erzeugt – kostet 2700 Euro und damit so viel wie ein zweistündiger Einsatz des Polizeihubschraubers.

Tauchte Kurzkurt nach einem Unfall oder an einem Tatort mit seinem Einsatzmittel auf, wurde er schon häufig auf die Drohne angesprochen und sogar bei der Arbeit fotografiert. »Die Resonanz der Bürger ist gut«, sagt der 45-Jährige.

 

Schon immer Hang zum Fliegen

 

Ihm selbst gefällt die Arbeit. »Ich bin Hobby-Flieger«, sagt Kurzkurt. Schon in der Kindheit beschäftigte er sich mit Modellfliegern, in der Jugend machte er den Segelflugschein, liebäugelte sogar damit, Pilot zu werden. Doch es kam anders, er wurde Polizist – und Drohnenpilot, beziehungsweise Luftfahrzeugfernführer. Denn so lautet seine offizielle Bezeichnung.

Kurzkurt muss jeden einzelnen Hexacopter-Einsatz dokumentieren. Wie es mit dem Drohnenprojekt weitergeht, wird sich allerdings nicht in Butzbach, sondern in Wiesbaden entscheiden. Das Landespolizeipräsidium wird sich demnächst mit den Ergebnissen der Arbeit aller sechs Drohnenpiloten beschäftigen.

Kurzkurt ist dafür, die Drohne auch weiterhin zu nutzen. Er sagt: »Für unsere Arbeit bei der Polizeiautobahnstation hat sie absolute Vorteile gebracht.«

Jörg Kurzkurt hält den Hexakopter in der Luft. Er darf die Drohne nie allein steigen lassen, braucht dafür immer einen zweiten Mann. Vorschrift ist Vorschrift. (Foto: nic)

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