26. Juli 2019, 10:00 Uhr

»Mittelerde« im Vogelsberg

Pläne für »Hobbithäuser« am Campingplatz Laubach

Erdhäuser, in denen sich nicht nur »Hobbits« wohlfühlen, ein Schwimmteich. Die neuen Eigner des Laubacher Campingplatzes haben tollkühne (Fern-)Ziele. Zunächst aber haben sie viel zu tun.
26. Juli 2019, 10:00 Uhr
Dirk Feucht, oben im Gespräch mit Marianne Kernicke, hat den Campingplatz am Laubacher »Froschloch« gekauft. 60 Jahre alt, gibt es auf dem Areal, herrlich ruhig am Waldrand gelegen, einige Baustellen. Dazu zählen gewiss die Sanitärgebäude (u. r.). (Fotos: tb)

Die Anlage hat uns gleich zugesagt, bietet sie doch ganz viel Potenzial«, sagt Dirk Feucht. Dem Mann aus dem Schwabenländle und seiner Lebensgefährtin war der Laubacher Campingplatz im Internet aufgefallen, als sie sich auf die Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung gemacht hatten. Selbst seit Jahren Anhänger dieser unbeschwerten Art des Urlaubens schlugen sie zu, überwiesen Ende 2018 den Kaufpreis an die Eigentümerin des »Caravanparks«, Ulrike Rutenkolk.

Deren Familie hatte die um 1960 vom ADAC geschaffene, damals freilich noch viel kleinere Anlage erworben und später an die Eheleute Decker-Kohl verpachtet. Nach dem Tod von Wolfgang Kohl betrieb dessen Witwe den Platz - »dann ist nicht mehr viel passiert«, erklärt eine Camperin den aktuellen Zustand. Das korrespondiert mit Einträgen auf einem Online-Bewertungsportal: »Sauber, aber alt«.

Ohne »Muskelhypothek« geht es auch hier nicht

Auch bei der Finanzierung dieser Immobilie ist die »Muskelhypothek« ein tragendes Element. Zupass kommt Feucht sein erstes berufliches Leben als gelernter Elektriker. Von Vorteil ist auch, dass seine Partnerin über langjährige Erfahrung in der Gastronomie verfügt. Apropos: Als erstes Projekt auf der ziemlich langen Liste an Baustellen auf dem 105 000 Quadratmeter großen Platz haben sie sich die Gaststätte vorgenommen. »Wir haben die komplett saniert, die alte Holzdecke kam raus, die Theke ist neu - und, und, und.« Bis auf Kleinigkeiten sei alles fertig, erzählt der 44-Jährige. Auf der Freifläche freilich ist noch einiges zu tun, eine »Outdoor-Küche« ist gerade im Bau. Was die Laubacher freuen dürfte: Die Gaststätte mit Biergarten soll nicht nur Campern offen stehen.

Bereits in Angriff genommen hat der neue »Herr am Froschloch«, so der Name des Flurstücks, die Modernisierung des ersten von drei Sanitärgebäuden. Nur, und das kennen Besitzer von Altbauten zur Genüge: Unerwartete Mehrarbeiten sind aufgetaucht. »Das Dach muss über die gesamte Länge mit Trapezblechen erneuert werden.« Dass das alte aus Eternit bestand, macht die Sache weder besser noch billiger - und zwingt zum Strecken der Investitionsplanung.

Das Dach war nicht die einzige böse Überraschung, schlammige Stellen ließen bei Feucht bald nach dem Notartermin eine Ahnung aufsteigen. Zurecht: Gleich mehrere Wasserrohrbrüche galt es zu reparieren.

Aus Frankfurt, über 80 und seit 40 Jahren Camping in Laubach

Beim weiteren Gang über den Platz fallen jene Parzellen auf, bei denen weniger der Wohnwagen denn der Vorgarten Aufmerksamkeit erheischt. Schön angelegt, mit vielen Blumen, dicht bewachsen, mit schattig-lauschigen Sitzplätzen. Oft mit Grill, im Status »sofort einsatzbereit«. Muss er auch, schließlich dürften am Wochenende die Dauercamper in Massen zurückkehren. Immerhin zwei Drittel der gut 300 Stellplätze sind belegt. Quasi ganzjährig leben etwa 50 Menschen am »Froschloch«. Für die Durchreisenden gibt es eine Zeltwiese sowie etwa 30 Stellplätze für Wohnwagen oder -mobile.

»Abends um sieben zieht angenehme Kühle vom Wald heran«

Marianne Kernicke, Anfang 80, gehört zu den Stammgästen. »Seit 40 Jahren bin ich schon hier«, berichtet sie nicht ohne Stolz. Die Seniorin stammt aus Frankfurt und genießt die Ruhe, die gute Luft. Kaum 30 Meter von ihrem Wohnwagen entfernt, ragen mächtige Buchen gen Himmel. Kernicke ist zur Sommerfrische gekommen: »Bereits abends um sieben«, versichert sie, »spüre ich, wie angenehme Kühle vom Wald rüberzieht.«

Gut 50 Meter entfernt künden ein Graben mit Abwasserrohren sowie ein Gastank von einem der neuen Geschäftsfelder der neuen Eigentümer: Auf der Parzelle entsteht eines der sogenannten Tiny Houses. Kleinsthäuser, bis zu elf Meter lang, 2,55 Meter breit, aber ansonsten mit allem drum und dran und vor allem drin. Feucht verpachtet das Grundstück, stellt die Infrastruktur. Die Besitzerin des Hauses ist übrigens Grabrednerin. Die Ruhe der Anlage dürfte ihr da gelegen kommen. Wie erwähnt, misst diese gut 100 000 Quadratmeter - da ist Raum für noch größere Varianten dieses Trends hin zum festen, doch ungebundenen Wohnsitz. Feucht plant neben zwei bis drei Parzellen für Tiny Houses auch solche für die noch viel größeren Mobilheime.

Tiny Houses, Mobilheime, doch erstmal ein Schwimmteich

Zu den weiteren Ideen zählen der Bau von Stelzenhäusern, immerhin 3,50 Meter hoch. Und von sogenannten »Hobbithäusern«, die teilweise in die Erde gebaut werden. Vorbilder für solche Attraktionen gibt es längst. Diese freilich gehören zur Kategorie »Fernziel«. Zuvor will Feucht erstmal in eine Aufwertung des Spielplatzes mit einer Minigolfanlage investieren. Und bevor mit den »Hobbit-Häusern« ein Hauch von »Mittelerde« am Rande des Vogelsbergs einzieht, soll erstmal auch ein Pool oder bestenfalls ein Schwimmteich gebaut werden.

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