15. Oktober 2018, 10:00 Uhr

ARD-Doku

Pohlheimer in ARD-Doku "Verrückt nach Camping"

7600 Kilometer mit dem Wohnmobil? Für Gernot Becker das reinste Vergnügen. Der 64-jährige Pohlheimer ist in der neuen ARD-Doku-Serie »Verrückt nach Camping« zu sehen. Nicht nur den Offroad-Wohnwagen hat er selbst gebaut.
15. Oktober 2018, 10:00 Uhr

Camper sind schon ein eigenes Völkchen. Das ist keinesfalls negativ gemeint. Aber dass man im Urlaub Tausende Kilometer mit dem Wohnwagen mit Höchstgeschwindigkeit 80 km/h zurücklegt, in Schrittgeschwindigkeit über marode Alpenpässe reist oder irgendwo im Zelt übernachtet – für diese Urlaubsart muss man schon eine besondere Leidenschaft mitbringen.

In der neuen Doku-Reihe »Verrückt nach Camping« begleitet die ARD Camping-Liebhaber. Einer der Protagonisten ist Gernot Becker aus Pohlheim.

 

Wohnwagen ist Unikat

Unter einem Schutzdach im Garten steht einer der großen Schätze des 64-Jährigen: der Wohnwagen. Auf den ersten Blick sieht er wie viele andere Modelle aus, die auf dem Campingplätzen der Republik zu sehen sind. Wären da nicht die besonders großen Reifen. Tatsächlich handelt es sich um ein Unikat, denn den Wagen hat Becker selbst gebaut. Bereits seit den 1970er Jahren ist er ein großer Offroad-Fan. Er hatte einst den zweiten zivil genutzten Geländewagen im Landkreis Gießen angemeldet. Die Ausflüge machten ihm Riesenspaß. Nur übernachten – das ging immer nur im Zelt oder im Auto. »Ein normaler Wohnanhänger würde so eine Fahrt nicht überleben.«

2010 schließlich hatte er eine Idee. Ein Dreivierteljahr zeichnete er Pläne, traf sich mehrmals mit einem TÜV-Prüfer, damit alles den Vorschriften entspricht. Dann ging es ans Bauen des Fahrgestells. Dieses musste besonders stark sein, »genauso stabil wie das Zugfahrzeug selbst«. Den Aufbau übernahm er von einem DDR-Wohnwagen, dem Qek Junior. Da er aus Vollpolyester ist, lässt er sich leichter reparieren,

2011 war schließlich das offroad-taugliche Gefährt fertig. »Seitdem haben wir einen Wohnwagen, bei dem als Hersteller ›Gernot Becker‹ drinsteht«, schmunzelt er. Wie viele Stunden er für den Bau gebraucht hat? Becker winkt ab. Hat er nicht gezählt. Ist auch nicht wichtig – schließlich geht es um den Spaß. Den teilt die ganze Familie.

 

Zu Ostern immer an den Edersee

Als kleine Karavane fahren sie mit zwei Wohnwagen und dem umgebauten Pick-up jedes Jahr mindestens einmal gemeinsam in den Urlaub. Seit 30 Jahren geht es Ostern immer an den Edersee. »Vor zwei Jahren waren wir mit elf Mann in Schweden.«

Becker liebt Skandinavien. »Da hat man Platz«, sagt er. In Deutschland könne man sich an jeden beliebigen Platz stellen, sehe im Umkreis mehrere Siedlungen und bekomme außerdem gleich eine Rechnung fürs Übernachten gestellt. Im Norden Norwegens fahre man manchmal Hunderte Kilometer, ohne an eine richtige Kreuzung zu kommen. 7588 Kilometer in einem Urlaub mit dem Wohnwagen fahren? Für Becker ein Vergnügen. Beim Gedanken an einen Rastplatz in Norwegen kommt er ins Schwärmen. Er sei so gepflegt gewesen wie ein Vorgarten, sagt er. Auf den Tischen standen Blumentöpfe, bei der Grillstelle lag gehacktes Feuerholz bereit. »Dort sind Rastplätze wie bei uns Campingplätze.«

Doch der Offroad-Campingwagen ist nicht sein einziges Spezialfahrzeug. Für einen alten Toyota Pick-up hat Becker einen speziellen Aufbau erstellt, um damit Offroad unterwegs zu sein. »Ein voll geländegängiges Mini-Wohnmobil mit ausziehbarer Küche.« Was wie eine Schublade aussieht, ist eine komplette Küchenzeile inklusive Spülbecken. Daneben ein Kühlschrank. Die Betten haben ein Holzlattenrost, »da schläfst du wie daheim«. Derzeit tüftelt er noch an einer Außendusche.

 

Über Armeewege in den Alpen unterwegs

Zusammen mit seinem Sohn Christoph und weiteren Offroad-Camping-Freunden war er vor zwei Jahren in den Alpen unterwegs. Aber nicht etwa auf den normalen Passstraßen. Stattdessen ging es über Wege, die im Ersten Weltkrieg von der Armee benutzt wurden. »Die Straßen sind schlimmer als Schotterpisten. Manchmal muss man Felsen wegräumen. Für 20 Kilometer Strecke braucht man sechs Stunden.« Das hinterließ an den Fahrzeugen deutliche Spuren: Zahlreiche Kratzer und Dellen, verbeulte Kotflügel. »Das machen wir nächstes Jahr wieder«, sagt Becker. Denn nur so könne man an den schönsten Stellen in den Bergen überhaupt übernachten.

Bei diesen Erzählungen wundert es nicht, dass die Dokumentarfilmer auf die Familie aus Pohlheim aufmerksam wurden. Ein Wochenende lang begleitete das Kamerateam die Beckers im Südseecamp Soltau und bei der Tour durch den Offroadpark Südheide. Auch abends beim Grillen war das TV-Team dabei. Die Nachbarn auf dem Campingplatz wunderten sich bereits. »Muss man euch kennen?«, fragte einer »Nein«, antwortete Becker. »Wir sind ganz normale Leute.« Aber eben auch leidenschaftliche Camper.

Info

»Verrückt nach Camping«

Am Dienstag startet in der ARD die 30-teilige Doku-Serie »Verrückt nach Camping«. Montags bis freitags um 16.10 Uhr begleitet das Kamerateam die Camper auf ihren Reisen. Vorgestellt werden alle Varianten – vom Oldtimer-Besitzer über den klassischen Zeltfreund bis hin zum Offroad-Camper. Gernot Becker und seine Familie sind in drei Folgen (9, 11 und 12) zu sehen. Im letzten Jahr wurden auf 2919 Campingplätzen in Deutschland 31 Millionen Übernachtungen gezählt.

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