05. November 2019, 05:00 Uhr

Postmisere

Poststelle Londorf schon seit sechs Wochen dicht

Nicht mal das gesetzlich verlangte »Basissortiment« gewährleistet die Post in Rabenau: Seit sechs Wochen ist die Filiale Londorf dicht. Allein kann der Global Player die Misere nicht beheben.
05. November 2019, 05:00 Uhr
Die Tür bleibt zu: Seit Ende September ist die Poststelle Londorf geschlossen. Handschriftlich erfährt der Kunde, dass er sich nach Allendorf/Lumda begeben sollte, wenn er etwa ein Paket aufgeben wolle. (Foto: tb)

Privatisierung hin, Privatisierung her: Per Bundesgesetz, 1998 in Kraft getreten, ist die Deutsche Post in der Pflicht, »flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistungen« zu gewährleisten. Eine »Basissortiment«, wozu etwa der Erwerb von Briefmarken, Aufgabe von Paketen oder Einschreiben zählen, allerdings keine Bankgeschäfte, wie Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, erklärt. Um sogleich einzuräumen, dass der Global Player in der kleinen Großgemeinde Rabenau seiner Verpflichtung nicht nachkommt.

War die Poststelle in der Londorfer Jahnstraße bisher täglich gerade mal zwei Stunden geöffnet, so ist sie seit fünf Wochen komplett dicht. Auf einem Zettel ist zu lesen: »Sehr geehrte Kunden, leider ist diese Filiale vom 23. bis 28. September aus betrieblichen Gründen geschlossen«. Aus der einen Woche sind inzwischen sechs geworden, ein handschriftlicher Vermerk informiert seit geraumer Zeit über eine »längerfristige« Schließung. Verbunden mit dem Hinweis, beim Raumausstatter in der Wallstraße erhalte man Briefmarken oder könne Retourenpakete aufgeben. Für den Rest mögen man die Filiale in Allendorf/Lumda ansteuern.

»Die Gebühren steigen, und gespart wird auf Kosten der Kunden«

Was zumindest einige Rabenauer davon halten, dokumentierte vorübergehend anonym gehaltener Zettel: »Dann macht den Sch...laden doch ganz zu.« Ganz so krass drückt es Gisela Lich nicht aus: »Die Gebühren werden erhöht und trotzdem wird auf Kosten der Kunden gespart. Die Brief- und Paketboten laufen im Trab, und für eine Poststelle ist kein Geld für eine Vollversorgung da.« Und wieso richte das Unternehmen nicht eine Agentur in einem Laden ein? Dass sie mit ihrem Ärger keineswegs alleinstehe, viele Londorfer empört seien, fügte sie gegenüber der GAZ noch an.

Pressesprecher Kutsch zeigt Verständnis für die Empörung im Lumdatal. Die Filiale in der Jahnstraße, geführt vom Tochterunternehmen »Deutsche Postshop«, sei ohnedies nur als Interimslösung gedacht gewesen, die Schließung krankheitsbedingt. »Mit aller Kraft« suche man weiter nach einem Geschäft, das eine Agentur als kundenfreundlichere Alternative betreiben möchte. »So was geht leider nicht von heute auf morgen«.

Kein Lebenszeichen möglich

Ein schwacher Trost für jenen 84-Jährigen, der gestern vergebens nach Londorf gekommen war. Der Kroate, seit zehn Jahren in Kesselbach zu Hause, ist auf die Post angewiesen. Regelmäßig muss er eine von der Gemeinde amtlich bestätigte Bescheinigung an die Rentenversicherung in der alten Heimat schicken. Im Original, als Einschreiben, nicht etwa als Fax oder E-Mail.

Das Formblatt mit dem bezeichnenden Namen »Lebensbescheinigung« ging gestern dennoch gen Kroatien, ein zufällig vorbeikommender netter Autofahrer nahm den Rentner mit nach Allendorf.

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