Kreis Gießen

Radeln im »Niemandsland«

Die Radfahrsaison hat begonnen, die ersten warmen Tage locken Freizeitradler nach draußen. Der nächsten Radtour, vorbei an Feldern und Wäldern, steht nichts mehr im Wege. Doch wo geht es nach der nächsten Gabelung weiter? Wollen Radfahrer aus dem Kreis Gießen Richtung Marburg fahren, stehen sie vor Orientierungsschwierigkeiten - besonders als Touristen. Es fehlen Beschilderungen.
28. Mai 2019, 22:18 Uhr
Marion Müller
Damit Radfahrer sich nicht mehr verfahren, wollen die vier Kommunen Wege besser beschildern. Das Foto zeigt (v. l.) die Bürgermeister Thomas Benz und Florian Langecker sowie die Radwegbeauftragte Irike Seiler und Bürgermeister Andreas Schulz.	(Foto: mmf)
Damit Radfahrer sich nicht mehr verfahren, wollen die vier Kommunen Wege besser beschildern. Das Foto zeigt (v. l.) die Bürgermeister Thomas Benz und Florian Langecker sowie die Radwegbeauftragte Irike Seiler und Bürgermeister Andreas Schulz. (Foto: mmf)

Die Radfahrsaison hat begonnen, die ersten warmen Tage locken Freizeitradler nach draußen. Der nächsten Radtour, vorbei an Feldern und Wäldern, steht nichts mehr im Wege. Doch wo geht es nach der nächsten Gabelung weiter? Wollen Radfahrer aus dem Kreis Gießen Richtung Marburg fahren, stehen sie vor Orientierungsschwierigkeiten - besonders als Touristen. Es fehlen Beschilderungen.

Das soll sich ändern: Die vier Kommunen Ebsdorfergrund, Staufenberg, Allendorf/ Lumda und Rabenau haben eine landkreisübergreifende Initiative für eine bessere Ausschilderung von Radwegen ins Leben gerufen. »Die Radwege innerhalb der Landkreise sind gut ausgebaut, nur die Verbindungen wurden in der Vergangenheit vergessen«, sagt Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller. Mit der Initiative sollen Radwege über Kreisgrenzen hinweg gut ausgeschildert sein und, wie Andreas Schulz, Bürgermeister von Ebsdorfergrund, betont, das »Radwege-Niemandsland« aufgeschlossen werden.

»Touristen interessieren keine Landkreisgrenzen«, sagt Bürgermeister Schulz. »Sie finden die ›Hotspots‹ der Kreise nicht, wenn keine ausreichende Beschilderung vorhanden ist.« Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz faltet eine Karte aus dem Rathaus auf: »Hier hört die Karte auf.« Die Übersicht zeigt nur den Kreis Gießen. Wollen Radfahrer über die Gastwirtschaft »Schwarzer Mann« zwischen Ebsdorfergrund-Ilschhausen und Allendorf/Lumda weiter nach Marburg, wird es schwierig.

Tourismusinitiative geplant

Hier oben am »Schwarzen Mann« steht bereits ein Schild. Es weist den Weg ins Lumdatal. Allerdings suchen Radler aus dem Lumdatal vergebens nach einer Beschilderung in Richtung Ebsdorfergrund. Gefeller verweist auf den historischen Weg zwischen Staufenberg und Hachborn. Alte Grenzsteine belegen zudem die einstige Verbindung zwischen Hessen-Darmstadt im Süden und Hessen-Kassel im Norden, aber auch hier fehlen Schilder. Das sind zwei von drei Radstrecken, die die vier Kommunen besser ausweisen wollen. Auch die Strecke Wermertshausen-Nordeck-Londorf soll im Zuge der Initiative besser beschildert werden. »Dort, wo Schilder vorhanden sind, ist die Frequenz auch höher«, sagt Rabenaus Bürgermeister Florian Langecker. »Wir sind auf dem Weg, speziell die nördlichen Kommunen im Kreis Gießen touristisch auszubauen - mithilfe einer Tourismusinitiative«, sagt Gefeller. Denkbar sei auch eine App, meint Schulz. Darin könnten Radwege und Informationen zu Gastwirten hinterlegt sein. »Die Zeit der Karten und Flyer ist vorbei. Touristen wollen die Informationen in einer App haben«, betont Gefeller. Allerdings brauche man trotz Apps immer Beschilderungen - dafür solle künftig Geld ausgegeben werden.

Die Kosten für den Ausbau der Radwegebeschilderung belaufen sich nach Schätzungen der vier Bürgermeister auf etwa 5000 Euro. Das seien jeweils 2500 Euro für die Tourismusorganisationen der Landkreise. Zuständig für die Umsetzung ist die Radwegbeauftragte Irike Seiler (Gemeinde Ebsdorfergrund). Sie soll die Beschilderung der Radwege für die vier Gemeinden koordinieren.

Über die Initiative für eine Radwegbeschilderung hinaus soll die Zusammenarbeit zwischen den vier Kommunen weiter vertieft werden, das betonen die vier Bürgermeister unisono. Bis Ende des Jahres solle alles fertig sein, damit bis zur nächsten Radfahrsaison für Orientierung gesorgt ist, sagt Schulz.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Radeln-im-Niemandsland;art457,595789

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