22. November 2017, 21:26 Uhr

Shakespeare geht auch klein

22. November 2017, 21:26 Uhr
STR
Eine Vorstellung wie aus einem Guss (v. l.) bieten Harald Pfeifer, Anna Maria Trcinka, Jantje Pabst, Cornel Bercea und Marcus Licher. (Foto: str)

Wer an Theater denkt, dem schießt ganz gewiss der Name Shakespeare durch den Kopf. Den Ruf des »Großmeisters des Theaters« hat der Urheber solcher Urgesteine der Bühne wie »Romeo und Julia« oder »König Lear« noch Jahrhunderte nach seinem Tod. Wer an Theater und Shakespeare denkt, der denkt schnell an große Worte auf großer Bühne, sprich: »schwere Kost« – und mag sich abgeschreckt fühlen. Doch wäre er überrascht, zu sehen, was sich da im Hofgut-Theater Rabenau auf der Bühne abspielte.

Da sitzt ein Mann mit schulterlangen weißen Haaren in der Bühnenecke hinter einem kleinen Tisch und liest vor. Auf der Bühne ist außer ihm niemand und nichts sonst. Das Publikum verfolgt gebannt in völliger Stille jedes Wort. Vers um Vers taucht von der Bühne ab in den Saal, bis Harald Pfeifer vom Stadttheater Gießen schließlich unter Applaus die Bühne verlässt.

Fokus auf die Schauspieler

Denn Shakespeare geht auch klein – ganz ohne große Aufmachung. Und ohne die glamourösen, bekannten Stücke: Was Pfeifer liest, entstammt zwar der Feder des Engländers, doch es handelt sich um seine weit weniger bekannten Sonette. »Die wollte ich schon immer mal aufführen«, sagte Gudrun Maecker, die die Vorstellung in die Wege leitete.

Pfeifer, der sofort Interesse an der Idee zeigte, muss bei der Lesung der Sonette nicht Alleinunterhalter spielen. Das Programm ist durch musikalische und tänzerische Darstellungen gelockert: Opernsänger Marcus Licher gab diverse Arien zum Besten, Jantje Pabst, Anna Maria Trcinka und Cornel Bercea tanzten Ballett.

Shakespeare auf der kleinen Bühne aufzuführen ist ein Balanceakt: »Natürlich muss man Experimente machen, aber Shakespeare ist immer mit dieser Hemmschwelle verbunden«, meinte Maecker. »Einige Leute sehen den großen Namen und sind eingeschüchtert oder abgeschreckt. Ich versuche, da eine Brücke zu schlagen.«

Die Bühne komplett leer zu halten, war ein bewusster Schritt. »Ich bin da eher puristisch«, sagte Maecker. Statt den Text mit Effekten zu überblenden, soll die minimalistische Ausstattung gerade den Fokus auf die Darbietenden legen. Und genau dies macht sich Pfeifer zunutze: Mal ruhig, mal hingerissen, fast aufrecht vor dem Stuhl, statt auf ihm zu sitzen. Der Augenkontakt ist beim Publikum – und der des Publikums ohne den Schimmer eines Zweifels auf ihm. Licher lässt seiner Hand schließlich im Weh des Textes pointiert das Blatt entgleiten. Und das gedämmte Licht lässt nicht nur die Tänzer, sondern auch ihre Schatten auf den Wänden tanzen.

Der Applaus hält lange an, als Maecker das Publikum entlässt. Als nächstes widmet sich das Hofgut-Theater der Wiederaufführung des Stücks »Flügelschläge«. Im Dezember folgt ein Benefizkonzert »Von Kindern – Für Kinder« mit dem Kinderhospiz Wiesbaden. Auch für 2018 ist bereits einiges in Planung: Ein Salonstück im Stil von Max Raabe etwa. Filmmusik der 30er Jahre soll auf der Bühne gespielt werden, und die Gewinner von »Jugend musiziert« werden im März am Hofguttheater ebenfalls Bühnenerfahrung sammeln dürfen.

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