27. Juni 2019, 21:43 Uhr

Sie zeigt die »wahre Ortszeit«

27. Juni 2019, 21:43 Uhr
Die Sonnenuhr an der Allendorfer Kirche zeigt nach der Installation und Justierung zur Sommersonnenwende nun wieder die »wahre Ortszeit« an. (Foto: pm)

Die alte Sonnenuhr an der evangelischen Kirche in Allendorf fristete offensichtlich in den vergangenen Jahren ein Schattendasein. Sie konnte die Zeit nicht mehr anzeigen, da der Polstab fehlte, der den Schatten auf die Uhr wirft. Das war erst im vergangenen Jahr Werner Heibertshausen aufgefallen. Um das wieder richtig hinzubekommen, holte er sich für die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte zunächst die Erlaubnis von Pfarrer Stefan Schröder und Kirchenvorstand, dann von Experten Ratschläge. Hartmut Dörr aus Buseck etwa gab die Erfahrungen von Christian Borck weiter, der seinerzeit die Sonnenuhr von Burg Breuberg im Odenwald rekonstruierte.

Schlossermeister Manfred Schmidt hatte sich bereit erklärt, den Stab am 21. Juni zu setzen, also bei Tag und Nacht gleiche, der Sommersonnenwende. Der neue Stab musste auf eine Neigung von aufgerundet 51 Grad eingestellt werden, was dem Breitengrad des Standorts entspricht, und um 13 Uhr gesetzt werden, sollte er die Zeit künftig genau anzeigen.

Mit Hohlkehle und Anschlag

Da aber die Kirche in Allendorf nicht ganz genau nach Süden ausgerichtet ist, musste der Stab beim Justieren etwas nach rechts gedreht werden, damit der Schatten genau auf die 12 fiel, berichtet Heibertshausen. Weitere Korrekturen vor- und nacheilender Tage mussten dank des Datums aber nicht berücksichtigt werden.

Mit einem geeigneten Gerät wurde das Blei weichgemacht und in einem Behälter aufgefangen. Beim Einsetzen kam dann eine Schablone mit Hohlkehle zum Einsatz, die den Knotenpunkt markierte, in dem der Polstab wieder eingebleit und im richtigen Winkel fixiert werden musste. Das untere Ende des Stabs wurde mit einem Anschlag versehen, sodass er während des Einbleiens nicht herausrutschen konnte.

Die Sonnenuhr befindet sich am Kirchenschiff rechts des Eingangs in etwa drei Metern Höhe und ist in Stein gehauen. Der Eckstein trägt zudem die Jahreszahl 1586. Vermutlich wurde damals das Gotteshaus in eine Predigtkirche umgewandelt und verbreitert. Jetzt wird die vertikale Südseitensonnenuhr auch eine Nummer bekommen, die sie bisher nicht hatte. Und nun zeigt sie immer die sogenannte WOZ an, also die »wahre Ortszeit«. Wie weit sie von der vereinbarten Deutschen Zeit (Greenwich plus eine Stunde) abweicht, kann man anhand des Längengrades berechnen. Sie könnte ja vielleicht auch als Vorbild für die diskutierte Abschaffung der Zeitumstellung dienen. Dann wäre stets Normalzeit, also keine Sommerzeit mehr.

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