09. Januar 2019, 18:00 Uhr

Buchhandel

So behaupten sich die kleinen Buchhändler im Kreis gegen Amazon und Co.

Sie heißen Bücherkiste, Büchertreppe oder BücherMobil. Mit persönlicher Ansprache, Service und individuellem Angebot bieten Buchhandlungen auf dem Land großen Online-Händlern die Stirn.
09. Januar 2019, 18:00 Uhr
Service und kompetente Beratung – darauf setzen kleine Buchläden wie die Krofdorfer »Büchertreppe« von Sabine Loh. (Foto: so)

Hinter Ute Hildenbrand-Bremer liegen arbeitsintensive Wochen. Mittagspause war für sie im Dezember kein Thema. Im Advent hat ihre Bücherkiste in Lich durchgehend geöffnet, schließlich ist das Weihnachtsgeschäft für die Buchbranche die wichtigste Zeit im ganzen Jahr. »Man muss sich gut aufstellen«, sagt die Licher Händlerin, die den Laden im Hopfengarten vor 14 Jahren übernommen hat. Damals, so erinnert sie sich, haben ihr alle abgeraten. »Der Buchhandel stirbt«, lautete die Prognose.

Doch Hildenbrand-Bremer hat ihre Entscheidung nicht bereut. Sie und ihr kleines Team – eine Halbtagskraft, eine Aushilfe – haben ihre Nische gefunden. »Wir sind ein christlicher Buchladen, aber nicht nur«, erzählt sie. »Wir versuchen, eine gute Mischung zu finden.«

Breiteres Angebot

Natürlich dominiere das Buchgeschäft. Zusätzlich gibt es aber auch Karten und hübsc he Geschenke sowie ausgesuchte Spiele für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die kann man bei den zweimal jährlich stattfindenden Spieleabenden auch ausprobieren, erzählt die Buchhändlerin, die selbst gerne spielt. Zwei Dinge sind ihr in ihrem Beruf besonders wichtig: die persönliche Beziehung zu den Kunden und Ehrlichkeit. Die Bücherkiste-Klientel dankt es mit Treue. »Die schauen bei Amazon nach und bestellen bei mir.« Doch Hildenbrand-Bremer verhehlt nicht, dass das Geschäft in den letzten Jahren aufwendiger geworden ist.

Eine Internet-Seite muss heutzutage sein, und die will gepflegt werden. Und dann noch die Bürokratie. Das neue Verpackungsgesetz zum Beispiel, das gerade in Kraft getreten ist, belastet auch kleine Geschäfte. Doch die Licherin bereut die Entscheidung für ihren Laden nicht: »Ich werde davon nicht reich, aber das ist der Platz, wo Gott mich haben will.«

So läuft es in Laubach

In der Nachbarstadt Laubach ist Janina Gerschlauer ihrer Bücherstube ähnlich verbunden. Schon als Schülerin hat sie hier gejobbt und den Laden schließlich vor bald neun Jahren von ihrer Schwiegermutter übernommen. Das Weihnachtsgeschäft, das gerade hinter ihr liegt, war, wie sie sagt, »mehr als zufriedenstellend«. Gerschlauer: »Ich laufe gegen den Trend.«

Doch der Erfolg ist nicht vom Himmel gefallen. Die Laubacherin hat vor dem Advent die Werbetrommel gerührt, zum Beispiel Buchausstellungen in Schulen und Kindergärten organisiert und ein personalisiertes Prospektheft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verteilen lassen. »Den Leuten muss der Laden wieder einfallen«, begründet Gerschlauer ihr Werbekonzept. »Sonst sitzen sie vor dem Computer und bestellen bei Amazon.« Das müsse nicht sein. »Auch die Bücherstube hat einen Online-Shop.«

18 Jahre Büchertreppe Krofdorf-Gleiberg

Darauf setzt auch Sabine Loh, die in Krofdorf-Gleiberg seit 18 Jahren die »Büchertreppe« hat. Das Portal heißt »genialokal.de«. Dort kann der Kunde in Ruhe stöbern, sich informieren, bestellen und die Ware entweder sofort oder nach Bestellung über Nacht in dem Laden in der Hauptstraße abholen. Das verbindet die Annehmlichkeiten von online mit dem Erhalt des Einzelhandels vor Ort und hält diesen lebendig. »Die Resonanz ist überaus gut«, sagt Loh.

Sie weiß um die wachsende Zahl Amazon-kritischer Menschen und will bewusst eine Alternative bieten. »Wichtig sind gute, verlässliche buchhändlerische Informationen, wie wir sie bieten können, oder eben auch die Verlage selbst«, sagt die Geschäftsfrau, die weiß, wovon sie spricht. Sie kennt definitiv, was sie den Kunden anbietet. Die Einzelkämpferin stützt sich zudem auf die Genossenschaft eBuch. Dem Verbund gehören mehr als 800 Buchhandlungen an.

Ladenlokal und Onlineportal

Im Oktober 2014 hat sie ihr Ladenlokal von 40 auf 80 Quadatmeter vergrößert und kann so die Lektüre besser präsentieren. Ein Sessel lädt zu ein paar Minuten ruhigen Blätterns ein. Das weiß die Kundschaft zu schätzen. »Die Menschen mögen es nach wie vor, ein Buch in der Hand zu halten«, so Loh. »Es ist ein sinnliches, haptisches Erlebnis.«

Selbstverständlich hat sie auch e-book-Reader wie etwa den »Tolino« im Laden. Aber das Gros ihrer Kundschaft nutzt den Reader nicht oder nicht mehr: »Das ist bei uns nicht der Megatrend geworden.« (us/so)

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