03. November 2019, 20:31 Uhr

Am Samstag eingeweiht

So sieht das Pohlheimer Denkmal für die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich aus

Die türkische Regierung hatte gegen das Vorhaben protestiert, nun aber ist es eingeweiht. Am Samstag wurde in Pohlheim das Denkmal in Erinnerung an die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich vor hundert Jahren enthüllt.
03. November 2019, 20:31 Uhr
Auf dem Mahnmal, dessen Hülle aus Cortenstahl besteht, ist die Geschichte des Genozids im Osmanischen Reich dargestellt. (Foto: srs)

Das Denkmal in Pohlheim in Erinnerung an die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich ist am Samstag enthüllt worden. 200 Menschen nahmen an der Feierstunde in Watzenborn-Steinberg auf einem Rasenstück an der Christuskirche teil.

Die Einweihungsfeier verlief friedlich und ohne Proteste. Die Stadt Pohlheim hatte die Enthüllung nicht groß angekündigt. »Dieser Tag heute ist einmalig«, sagte Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann. Das Denkmal solle zum Ermahnen und Erinnern aufrufen. Ein Kunstwerk werde enthüllt, das über die Grenzen Deutschlands Aufmerksamkeit gefunden habe. »Wir wollen ermahnen, dass sich diese furchtbaren Gräueltaten von 1915 niemals mehr wiederholen. Wir wollen trauern um die Menschen, die damals ermordet wurden und wir wollen versöhnen. Wir wollen alle zur Versöhnung aufrufen, die dafür bereit sind und damit die Vergangenheit aufarbeiten wollen.«

Das Mahnmal lade alle zu Trauer, zur Erinnerung und zur Versöhnung ein, sagte der Stadtverordnetenvorsteher Pohlheims, Prof. Helge Stadelmann. »Versöhnung setzt allerdings auch das Eingeständnis der Schuld der Täter voraus.«

Zwischen 1915 und 1917 wurden die Armenier, das älteste christliche Volk, fast vollständig vernichtet. 1,5 Millionen Menschen fielen dem Genozid im Osmanischen Reich zum Opfer. Im Landkreis Gießen leben zahlreiche Nachfahren der Opfer, mehr als 1000 aramäische, assyrische und chaldäische Familien. Der überwiegende Teil von ihnen wohnt in Pohlheim. Vor allem für sie ist es von zentraler Bedeutung, dass man die Wahrheit des Genozids im Osmanischen Reich, den Sayfo, kennt und öffentlich macht.

Das mannshohe Mahnmal hat die Form eines Zylinders: Symbolhaft ist die Geschichte des Genozids vor rund 100 Jahren dargestellt. Menschen in Flucht und Vertreibung sind vor hügeligen Landschaften zu sehen. Ein osmanisches Schwert soll den Völkermord symbolisieren, Tropfen das vergossene Blut. Abends ist das Denkmal in rotem Licht illuminiert.

Ursprünglich war die Einweihung des Mahnmals bereits im Juni vorgesehen. Das Pohlheimer Stadtparlament hatte im November 2017 einstimmig beschlossen, den Bau des Denkmals zu unterstützen. Die Entscheidung für das Werk hatte danach indes hohe Wellen geschlagen. Der türkische Generalkonsul bat die Stadt Pohlheim, das Vorhaben zurückzunehmen. Im Namen der türkischen Gemeinde erwarte er, »dass Sie gemeinsam mit den Vertretern des Stadtparlaments diese Entscheidung überdenken und von dem Fortschreiten dieses Vorhabens abgesehen wird«, schrieb er. Die türkische Regierung lehnt den Begriff Völkermord ab und spricht von Massakern.

»Ein historischer Moment«, sagte Pfarrer Kenan Budak von der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Barsaumo in Garbenteich während der Enthüllung. Das Mahnmal solle als Schlüssel zum Dialog, als Zeichen der Versöhnung und als Symbol des Friedens dienen.

Die Kosten für das Denkmal in vierstelliger Höhe werden durch Spenden getragen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Assyrien
  • Erinnerungen
  • Mahnmale
  • Udo Schöffmann
  • Völkermord
  • Pohlheim
  • Stefan Schaal
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.