23. September 2019, 22:23 Uhr

Spontane Demo gegen AfD-Veranstaltung

23. September 2019, 22:23 Uhr
Friedlich demonstrieren Bürger vor dem Dorfgemeinschaftshaus gegen die AfD. (Foto: pm)

er Bürger haben am Freitagabend vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Weitershain gegen eine Veranstaltung der AfD demonstriert. Während drinnen die Bundestagsabgeordneten Joana Cotar und Uwe Schulz ihre Arbeit vorstellten, standen draußen friedlich rund 30 Teilnehmer der Demo. »Demokratie verteidigen«, stand auf einem ihrer Plakate. Weitershain ist die Hochburg der AfD im Kreisgebiet. Bei der Europawahl im Mai dieses Jahres hatten 31,9 Prozent der Wähler für die Partei votiert.

»Wir wollen zeigen, dass es in Grünberg und Weitershain auch andere Stimmen gibt als die der AfD«, sagte der Initiator der Demonstration, der der Grünberger SPD angehört. »Derartige Veranstaltungen sollten wir nicht unbegleitet lassen.«

Unter den Teilnehmern der Demonstration waren neben Bürgern aus Grünberg und Rabenau auch der Vorsitzende des Kreisausländerbeirats, Tim van Slobbe. »Die AfD ist eine rechtsexreme Organisation«, sagte er. »Solche Veranstaltungen dürfen nicht unkommentiert bleiben.« Die AfD und ihre Wahlergebnisse dürften nicht als Normalität wahrgenommen werden.

Vor dem Dorfgemeinschaftshaus stand auch Andreas Schaper vom Projekt »Dabeisein - Partnerschaft für Demokratie Lumdatal«. Die Demo habe man spontan organisiert. »Die AfD verfolgt in großen Teilen rechtsextreme Ziele«, sagte er. »Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen.« Schaper, der dem Vorstand des SPD-Ortsverbands Gießen-Ost angehört, betonte, an der Demonstration privat teilgenommen zu haben.

Ein Plakat der Demonstranten sorgte derweil unter den AfD-Vertretern für Verärgerung. »Nie wieder Auschwitz« hieß es auf einem der Transparente. »Das ist unterirdisch«, wehrt sich die AfD-Bundestagsabgeordnete Cotar dagegen, AfD und Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen.

Für die Veranstaltung in Weitershain hatten sie und Schulz im Vorfeld kräftig geworben, sie hatten sich dabei auch an Vereine im Dorf gewandt und zudem im amtlichen Bekanntmachungsblatt der Stadt Grünberg für den Abend geworben. »Jeder hat das Recht zu demonstrieren«, sagte Cotar zu der Mahnwache vor dem Dorfgemeinschaftshaus und fügte hinzu. »Schade nur, dass die Demonstrierenden nicht das Gespräch gesucht haben.«

Hochburg der Partei im Kreisgebiet

Die Zahl der Teilnehmer der Demo sowie auch der AfD-Veranstaltung schwanken stark, je nachdem, wen man fragt. Zwischen 20 und 50 Bürger sollen vor dem Dorfgemeinschaftshaus demonstriert haben. Drinnen besuchten nach Angaben Cotars rund 100 Menschen die AfD-Veranstaltung. »Das Haus war voll«, sagte sie. Demonstranten bezweifeln die Zahl. Sie sagten, es seien deutlich weniger Besucher gewesen.

Die AfD hatten bereits vor zwei Jahren bei der Bundestagswahl deutliche Zuwächse im Gießener Land verzeichnet. Im Wahlkreis 173 Gießen/Vogelsberg hatten sie ihren Stimmenanteil mit 12,4 Prozent gegenüber 2013 mehr als verdoppelt. Nach Reiskirchen (16,2 Prozent) hatte dabei die AfD in Grünberg mit 15,8 Prozent ihr zweitbestes Ergebnis erzielt. In dem Ortsteil Weitershain, wo es 2015 Proteste gegen die Pläne für Gemeinschaftsunterkünfte von Flüchtlingen gegeben hatte, hatten sie 23,3 Prozent der Stimmen erreicht.

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