16. September 2019, 13:00 Uhr

Anfeindungen

Stadtverordneter gibt nach Anfeindungen Mandat ab

Ein Stadtverordneter der Freien Wähler zieht Konsequenzen aus der aufgeladenen Debatte um die Langsdorfer Höhe, er hat sein Mandat niedergelegt. Der Geschäftsmann wurde angefeindet.
16. September 2019, 13:00 Uhr

Uwe Schmidt, der Betreiber des Rewe-Markts Am Wall, hat sein Mandat als Stadtverordneter der Freien Wähler mit sofortiger Wirkung niedergelegt. In einem am Wochenende verbreiteten Offenen Brief kündigt er an, sich auch aus allen weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten zurück zu ziehen. Der Kaufmann begründet seine Entscheidung mit den Vorgängen in der Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen Mittwoch. Nachdem ein Dringlichkeitsantrag für einen Bürgerentscheid zum Logistikzentrum abgelehnt worden war, hatten Gegner des Projekts lautstark protestiert und Mandatsträger beschimpft.

Schmidt sieht sich in den Fokus dieses Protests gerückt. Er habe sich geweigert, die Unterschriftenaktion gegen die Bebauung der Langsdorfer Höhe zu unterzeichnen. Seither sehe er sich immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt.

»Stammkunden meiden meinen Markt entweder, weil sie dazu aufgefordert wurden oder weil sie sich, im Rahmen ihres Engagements, nicht outen wollen«, schreibt er. Auf Facebook werde offen dazu aufgerufen, sein Geschäft zu boykottieren.

Schmidt betreibt seinen Markt in Lich seit 20 Jahren. Erst vor zwei Jahren hat er einen neuen und größeren Laden an den Start gebracht. Er gehe davon aus, dass er in nicht unerheblichem Maße zum Gewerbesteueraufkommen in Lich beitrage. Zudem beschäftige er etwa 80 Mitarbeiter, die zum ganz überwiegenden Teil aus Lich kommen und sich mittlerweile ebenfalls in ihrem privaten Bereich Anfeindungen ausgesetzt sähen. Für sie und ihre Arbeitsplätze müsse er Sorge tragen, betont Schmidt. »In meiner persönlichen Situation habe ich mich leider auch an Zeiten erinnert gefühlt, in denen es schon mal Usus war, vor dem Einkauf in bestimmten Geschäften zu warnen.«

Vorstand und Fraktion der Freien Wähler haben den Rücktritt Schmidts »mit großer Bestürzung, aber auch vollem Verständnis zur Kenntnis genommen«, wie es auf der Facebook-Seite der FW heißt. Schmidt sei sozial stark engagiert und habe Schulen und Vereine stets großzügig unterstützt. Die Stadtverordneten der FW äußern sich entsetzt über »die Methoden, mit denen die demokratische Kultur durch Kräfte der BI nachhaltig zerstört wird.« Man erwarte, dass sich die Initiatoren der Bürgerinitiative vom Handeln einiger Aktivisten entschieden distanzieren. Nur so könne eine angemessene Ebene der Kommunikation und Verständigung wieder hergestellt werden. (Archivfoto: us)

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