29. April 2019, 05:00 Uhr

»Von oben«

Staufenberg: Rasanter Wandel und die Frage nach einem Attentäter

Ein imposantes Wahrzeichen, gute Verkehrsanbindung, reges Vereinsleben: Staufenberg kann mit vielem punkten. Auch einen bekannten Schriftsteller hat die Stadt im Lumdatal geprägt. Ein berühmter Attentäter kam allerdings nicht hierher, auch wenn dies manchmal behauptet wird.
29. April 2019, 05:00 Uhr
Im Schatten der Burg (oberer Bildrand) ist Staufenberg in den vergangenen Jahrzehnten nach Süden hin enorm gewachsen. Der Ort ist mit den Stadtteilen Mainzlar (rechts im Bild) und Daubringen (südlich angrenzend) eng verbunden. (Foto: Henß)

Um seine Lage können viele Orte Staufenberg nur beneiden. Die Kernstadt erstreckt sich von der Burg hinab südlich bis ins Tal, während die nördliche Flanke im Rücken der Burg unbebaut ist. »Da ist das Wetter schlechter«, sagt Volker Hess, Lokalhistoriker und SPD-Kommunalpolitiker. Es war eine weitreichende Entscheidung, ein Grundstein für die enge Verbindung zu den Nachbarorten, die bis heute prägend ist.

Der Ort mit gut 3000 Einwohnern profitiert von der Nähe zu seinen Nachbarn. Das gilt vor allem für Mainzlar und Daubringen – jene Staufenberger Stadtteile, die seit der Gebietsreform in den 70er-Jahren mehr und mehr mit der Kernstadt verwachsen sind. Die interkommunale Zusammenarbeit mit Lollar wurde 2018 zwar gestoppt. Viele Verbindungen bleiben aber – etwa bei der Feuerwehr. Bei der Wasserversorgung ist dies gar alte Tradition: Die Staufenberger haben keinen Fluss vor der Haustür, auch wenn Lumda und Lahn nicht weit sind.

Früher, berichtet Hess, hätten die Einwohner Wasser aus Tiefbrunnen hinübertragen müssen. Dass bis ins 19. Jahrhundert immer wieder Brände in Staufenberg wüteten, mag auch daher rühren. Bereits 1905 schloss man sich mit Lollar, Mainzlar und Daubringen zusammen, baute ein gemeinsames Wasserwerk. Diese Kooperation hält als Zweckverband Lollar-Staufenberg bis heute.

 

Ein Hofgut, das von der Bildfläche verschwand

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Ort sein Gesicht gewandelt. Südlich der L 3059, die auf einer Brücke über die B 3 führt und Staufenberg mit Lollar verbindet, ist das Wohn- und Gewerbegebiet Staufenberg Süd entstanden. Im Ortskern sind Einzelhandel und Gastronomie heute eher rar gesät. Das Vereinsleben hat sich dagegen gehalten – mit tragenden Säulen wie der Burschenschaft, Sportverein, Sängervereinigung und dem kulturpolitischen Arbeitskreis IM-PULS. Auch Partnerschaften werden gepflegt – beim Krämermarkt empfängt man regelmäßig Besuch aus Tarjan (Ungarn).

Von der Bildfläche verschwunden ist das barocke Hofgut Heibertshausen. Es wurde Anfang der 1970er abgerissen und stand nahe der heutigen Bundesstraße. »Dort sollte eine Trabantenstadt entstehen«, sagt Hess. Die Hochhäuser aber wurden nie gebaut – und mit Blick auf die Landschaft trauert ihnen wohl niemand nach.

Manche weitsichtigen Entscheidungen von einst machen sich bis heute bezahlt: Die »Vitale Mitte«, das zentral gelegene Gewerbegebiet auf Mainzlarer Gemarkung, ist über die Jahre gewachsen. So haben es auch die Staufenberger nicht weit zum Einzelhandel, zum Rathaus und der Stadthalle. Auch die Feuerwehr ist dort stationiert, und bald soll das Ärztehaus eingeweiht werden.

 

Peter Kurzeck wuchs hier auf

Berühmtheit hat ein waschechter, wenn auch zugereister Staufenberger erlangt. Peter Kurzeck verbrachte als Sohn einer Vertriebenenfamilie Teile seiner Kindheit in der Vorstadt. In Romanen und Kurzgeschichten verarbeitete er diese Zeit. 2011 wurde er zum Ehrenbürger Staufenbergs ernannt, zwei Jahre vor seinem Tod. Der Platz vor der »Roten Schule« trägt heute seinen Namen. Und Hess hat eine App mitentwickelt, dank der man sich auf Kurzecks Spuren in Staufenberg bewegen kann.

Bis heute bereichern einige historische Bauten das Ortsbild. Zu ihnen gehört die ehemalige Zigarrenfabrik an der Mainzlarer Straße. Dort fanden, wie vielerorts in der Region, vor allem Frauen Arbeit. Erhalten geblieben ist auch der Torturm unterhalb der Burg. Er war Teil der mittelalterlichen Befestigung und überragt mit 36 Metern bis heute die angrenzenden Gebäude.

 

Eine ungeklärte Frage bleibt

Doch kein Bauwerk prägt die Silhouette Staufenbergs so stark wie die Burg. Sie prangt auf blauem Grund auch auf dem Stadtwappen, ist weithin sichtbar und einer der beliebtesten Trauungsorte im Kreis. Die Unterburg ist in Privatbesitz, gehörte zuvor dem Land Hessen. Dort sind ein Hotel und ein Restaurant untergebracht. Die Oberburg ist dagegen seit dem 17. Jahrhundert eine Ruine geblieben, lässt die Bedeutung von einst nur noch erahnen. Sie gehört der Stadt und wird von der Heimatvereinigung gepflegt. Die hat auch das Burghaus an der Oberburg neu errichtet und 1980 eingeweiht. Dort finden regelmäßige Kaminabende statt.

Eine Frage ist bis heute nicht geklärt: Wie lange gibt es den Ort schon – und seit wann darf er sich Stadt nennen? 1983 feierten die Staufenberger 750-jähriges Jubiläum und bezogen sich auf eine Erwähnung als »castrum Stouphenberch«. In Wirklichkeit dürfte der Ort um die Burg schon älter sein. Stadtrechte führt Staufenberg seit 1367 – mindestens. Für die Heimatkundler um Hess gibt es also noch genug zu erforschen.

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