07. Juni 2019, 10:00 Uhr

Ärger über Temposünder

Straße in Ruttershausen mutiert zu »Rennstrecke«

In der Tempo-30-Zone der Hellenbergstraße wird regelmäßig zu schnell gefahren. Das sagen eine Anwohnerin und die Ortsvorsteherin. Bürgermeister Bernd Wieczorek sieht das anders.
07. Juni 2019, 10:00 Uhr
»Auf der Hellenbergstraße in Ruttershausen wird regelmäßig zu schnell gefahren«, bemängelt Anwohnerin Julia Heyden. (Foto: mmf)

Anwohnerin Julia Heyden reicht es. Immer häufiger werde sie fast in Unfälle verwickelt. Es sei für sie schon zum Standard geworden, dass ihr als Autofahrerin die Vorfahrt genommen wird. In der Hellenbergstraße in Ruttershausen werde regelmäßig zu schnell gefahren, Verkehrsregeln würden missachtet. Gerade im Bereich des Kindergartens »Quietschvergnügt« werde keine Rücksicht genommen. »Die Leute rasen da hoch«, bestätigt auch Ortsvorsteherin Corina Kesselheim (Grüne).

Im Zuge der Bauarbeiten der Ortsdurchfahrt Odenhausen ist das Verkehrsaufkommen in Ruttershausen gestiegen. Ortskundige haben die Hellenbergstraße als Umleitung und Abkürzung genommen. Die Straße war allerdings nie als offizielle Umleitungsstrecke ausgewiesen worden. Es sei »richtig schlimm«, beklagt Heyden. Nicht nur Autos, auch viele Lastwagen oder Sprinter sind dort unterwegs gewesen. Seit etwa zwei Wochen sei das nicht mehr möglich, sagt Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek. Mit dem Fortschritt der Baustelle in Odenhausen könne die Abkürzung über die Hellenbergstraße nicht mehr genutzt werden. Das sei so nicht korrekt, wendet Ortsvorsteherin Kesselheim ein. Die Straße werde immer noch als Umleitungsstrecke genutzt, auch von Ortsfremden: »Es fahren immer noch Autos dort, und es wird zunehmend lauter.«

Problem seit Jahren bekannt

Das Problem mit »Rasern« bestehe aber nicht erst seit der Baustelle in Odenhausen. »Es ist schon seit Jahren bekannt«, sagen Kesselheim und Heyden. Viele Bewohner in Ruttershausen beklagten sich über »die Raser«, niemand habe sich aber getraut, etwas zu sagen, bedauert Heyden. Das möchte sie ändern: »Ich will die Leute darauf aufmerksam machen, vorsichtig zu sein - gerade wenn Kinder unterwegs sind, die auch mal ›ausbüchsen‹ könnten.«

Heyden ist Mutter einer kleinen Tochter. Es sei schon mehrfach fast zu einem Unfall gekommen, waghalsige Ausweichmanöver hätten Schlimmeres verhindert. Das liege aber nicht nur an der erhöhten Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Mehrmals in der Woche werde ihr selbst die Vorfahrt genommen. »Ich habe das Gefühl, dass die meisten nicht wissen, dass rechts vor links gilt«, sagt die junge Mutter. »Wenn die Fahrer den Berg hochrasen, fahren sie extra weiter links, damit sie kein rechts vor links beachten müssen«, sagt Kesselheim. Das berge auch Gefahren für den Gegenverkehr.

Bau von Bremsschwellen angeregt

Heyden sagt, auch wenn sie mit ihrer Tochter spazieren gehe, sei es schwierig: »Ich finde es traurig, dass bei schwächeren Verkehrsteilnehmern keine Rücksicht genommen wird.« Gerade im Bereich der Kita sollte das aber der Fall sein, meint Heyden. »Man wird blöd angemacht, wenn man sich an das Tempo hält«, erzählt Ortsvorsteherin Kesselheim, und: »Bis jetzt ist Gott sei Dank nichts passiert. Die Anwohner wünschen sich, dass es ruhiger wird.« Heyden merkt an, sie halte sich an Tempo 30, auch wenn sie regelmäßig von anderen Autofahrern bedrängt werde: »Ich will rechtzeitig bremsen können, wenn was ist.« So hoffe sie nun auf eine langfristige Lösung. Sie könne sich einen festen Blitzer im Bereich der Kita vorstellen.

Der Ruttershäuser Ortsbeirat habe in der Vergangenheit das Thema »Verkehrsberuhigter Bereich« in Höhe des Kindergartens ins Gespräch gebracht, berichtet Wieczorek. Kesselheim bestätigt, dass man den Bau von sogenannten Bremsschwellen angeregt habe. Seitens der Stadt habe es aber geheißen, dass dies zu teuer und nicht umsetzbar sei. Der Bürgermeiter gibt zu bedenken, dass das Vorhaben aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht umsetzbar gewesen und von den beteiligten Behörden abgelehnt worden sei.

Bürgermeister: Subjektiver Eindruck

An der Kita sei in der Vergangenheit vermehrt geblitzt worden, sagt Kesselheim. Dabei habe die Stadt viele Temposünder erwischen können. Das aber kann Bürgermeister Wieczorek nicht bestätigen. Bei dem Problem handele es sich vielmehr um einen subjektiven Eindruck. »Es wird nicht zu schnell gefahren«, betont er. Die Durchschnittsgeschwindigkeit im fraglichen Bereich betrage 25 Stundenkilometer. Das habe man in der Vergangenheit mit Hilfe von speziellen Kameras und verdeckten Messungen festgestellt. Wieczorek sieht vor diesem Hintergrund »keine Notwendigkeit, baulich etwas zu ändern.« Die Anwohner der Hellenbergstraße wird das nicht zufriedenstellen. »Besonders morgens und abends ist es schlimm«, sagt Ortsvorsteherin Kesselheim und gibt zu bedenken: »Es wird sich nicht ändern, wenn nicht häufiger geblitzt wird.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bernd Wieczorek
  • Kindertagesstätten
  • Raser
  • Ruttershausen
  • Lollar
  • Marion Müller
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.